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Die Wahl des Lebens

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Als der israelische Regisseur Ari Folman 2008 nach Cannes eingeladen wurde, kam er als Unbekannter und ging als Held: Sein Film „Waltz with Bashir“ begeisterte Publikum und Kritik gleichermaßen. Jetzt, fünf Jahre später, ist Folman zurück. Sein neues Werk „The Congress“, mit dem in diesem Jahr die „Quinzaine des réalisateurs“ eröffnet wurde, ist nun auch...

Persönlich war er ins Utopolis gekommen, zur Vorpremiere seines Films „The Congress“. Am Eingang in den Saal ließ er Pillen beziehungsweise süße Dragées verteilen, „für den zweiten Teil des Films“, wie er sagte. Und hat man den dann gesehen, stellt man sich zwangsläufig die Frage, was denn Ari Folman selbst eingeworfen hat, um auf solch verrückte und fantastische Ideen zu kommen.

Logo" class="infobox_img" />Ari Folman präsentiert sein neustes Meisterwerk.

Vielleicht ist er aber auch einfach nur ein Genie des Animationsfilms.
Doch von vorne: Denn erst einmal geht es ziemlich realistisch los: Die Schauspielerin Robin Wright spielt sich selbst. Es ist lange her, dass sie Jenny in „Forrest Gump“ gespielt hat, mittlerweile ist sie Mitte vierzig, die Rollenangebote lassen nach.

Doch dann bekommt sie eines, dass ihr Leben vollkommen verändern wird. Die Miramount Studios gehen mit der Zeit, ihre neueste Erfindung ist, Schauspieler einzuscannen, um sie dann – am Computer – nach Lust und Laune zu benutzen. Die Person aus Fleisch und Blut braucht keiner mehr.

Gefühlschaos

Robin ist zunächst strikt gegen solch technologischen Auswüchse der Filmproduktion, doch sie braucht Geld, ihr Sohn ist krank. Die Szene, in der sie eingescannt und zum Avatar wird, ist der emotionale Höhepunkt des Films.

Robin Wright steht in einem riesigen futuristischen Gebilde, ihr Agent erzählt ihr eine Geschichte und gesteht ihr seine Liebe. Sie schwankt zwischen den Gefühlen hin und her, ist vollkommen nackt. Der Zuschauer bekommt den Eindruck, ihr bis in die Seele zu blicken.

Illusionen

Doch dann, nach einer knappen Stunde, switcht der Film vom Realismus in die Animation. Die echte Robin Wright verschwindet für 20 Jahre, ihr Avatar besucht die von den Miramount Studios gebaute Fantasiewelt. Die Handlung wird konfus, der Zuschauer hat Schwierigkeiten, den Zeitsprüngen und den vielen verschiedenen Transformationsprozessen zu folgen.

Doch hat man sich einmal mit dem ganzen Durcheinander abgefunden, und beschlossen, die Bilder zu genießen, wird der Film zu einem wahren Ausnahmeerlebnis. Und am Schluss hat doch jeder verstanden, dass der Film gesellschaftliche Prozesse beobachtet, Kritik an Hollywood übt und die alles entscheidende Frage stellt: Wie wollen wir leben? In der knallharten Realität oder in blumigen Illusionen? Künstlichen Paradiesen?

Von Roman inspiriert

Der Film, für den Ari Folman in dem Science-Fiction Roman „Der futurologische Kongress“ des polnischen Schriftstellers Stanislaw Lem Inspiration fand, wurde zu großen Teilen in den Animationsstudios 352 in Contern produziert. Möglich wurde dies dank Paul Thiltges, der – so erzählt es Ari Folman – vor einigen Jahren auf ihn zukam und meinte: „Ich habe gehört, du brauchst viel Geld für deinen nächsten Film, dann komm nach Luxemburg.“ Passend zum Anlaufen des Films, feiert „Paul Thiltges Distributions“ nun seinen 20. Geburtstag.

Der Film, der in Koproduktion zwischen sechs Ländern entstanden ist, soll acht Millionen Euro gekostet haben. Sie sind es wert, denn der Film tanzt aus der Reihe. Wie auch schon „Waltz with Bashir“.