Wer im letzten Schuljahr Nachexamen absolvieren muss und besteht, hat es schwer, sich an Universitäten im Ausland einzuschreiben. „Das Nachexamen findet erst ab Mitte September statt. Das Abschlussdiplom gibt es dann Ende des Monats. Zu dem Zeitpunkt sind die Einschreibefristen schon längst abgelaufen. Und an einigen Universitäten haben die Kurse bereits begonnen“, beklagt sich François Stein. Seine Tochter muss ein Nachexamen in einem Fach ablegen, das für ihr Wunschstudium keine Bedeutung hat.
Stein schlägt vor, die Nachexamen der Abschlussklassen früher abzuhalten. „So würde die zwei Monate lange Ungewissheit, wie es im Herbst weitergehen wird, verkürzt.“ Er glaubt, dass ein solcher Schritt leicht sei. „Davon wären ja nur wenige Lehrer und bei Weitem nicht alle betroffen.“
Jerry Lenert, Koordinator des Cedies, bestätigt: „Das Problem mit dem Zeitpunkt der Nachexamen ist bekannt.“
Ein bekanntes Problem sucht eine Lösung
Lenert verweist bei Fragen zum Datum der Prüfungen auf das Unterrichtsministerium. Dort wollte am Dienstag jedoch niemand eine Stellungnahme abgeben. „Die Verantwortlichen sind in den Ferien“, hieß es. Die Andeutungen von anderer Stelle, dass eine Vorverlegung der Nachexamen „einem politischen Selbstmord“ gleichkäme, da „an Privilegien gesägt“ würde, konnten deshalb nicht ausgeräumt werden.
Laut Lenert sei es „sehr selten“, dass sich Schüler beim Cedies wegen der Überschneidung zwischen Nachexamen und Studiumsbeginn melden. „Genaue Zahlen kann ich nicht nennen, da wir keine Liste der sehr vielen Anrufe beim Cedies führen.“
Schüler könnten den Zeitraum bis zum Studienbeginn im Herbst des nächsten Jahres sinnvoll nutzen, ist Lenert überzeugt. „Einige Möglichkeiten sind, erste Berufserfahrungen zu sammeln, einen ‚Service volontaire‘ zu machen oder das in Luxemburg sehr große Angebot an Abendkursen zu nutzen. Letzteres schadet im späteren Berufsleben überhaupt nicht.“
Kein Überbrückungsjahr
Doch der betroffene Vater Stein möchte kein Überbrückungsjahr. „Denn dieses führt unter anderem zu Kosten, die dann die Eltern finanzieren müssen.“ Auf seine Reklamation beim Unterrichtsministerium habe er ein Zertifikat erhalten, das die anstehenden Nachexamen seiner Tochter bestätigt. Dieses sei allerdings von den angefragten Universitäten in Deutschland und Österreich abgelehnt worden. „Dieses Wartedokument kennen wir nicht. Bitte reichen Sie Ihr Diplom ein“, zitiert er aus der Antwort einer Uni.
Steins Recherchen ergaben, dass die Uni Luxemburg und eine Uni in Belgien Schüler mit Nachexamen provisorisch akzeptieren würden. Eine weitere Möglichkeit wäre die Uni Trier. „Diese bietet einen Studiumsbeginn zum Sommersemester an. Das wäre eine Lösung, obwohl die Anwesenheit ohne Einschreibung im ersten Semester sicher nicht ideal ist.“
Stein hofft, dass die Ministerin Mady Delvaux-Stehres „diese unhaltbare Situation“ noch angehen wird. „Auf dasselbe Problem werden in Zukunft noch weitere Schüler treffen. Und für die sollten die luxemburgischen Fristen an die ausländischen Standards angepasst werden.“
Zu Demaart
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