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Polens satirische Stimme des Exils

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Slawomir Mrozek setzte das Lachen gegen graue Realitäten ein. Der polnische Bühnenautor, Schriftsteller und Satiriker starb im Alter von 83 Jahren.

Der polnische Schriftsteller und Satiriker Slawomir Mrozek ist tot. Er starb am Donnerstagmorgen im Alter von 83 Jahren in Nizza, teilte sein Verlag Wydawnictwo Literackie in Warschau mit.

Verlagsleiterin Anna Zaremba Michalska würdigte Mrozek in einer Stellungnahme als «Intellektuellen, (moralische) Autorität und Vorbild für Generationen von Polen». Er hinterlasse eine reiche Auswahl von Werken, die nicht nur in den polnischen Literaturkanon gehörten, sondern auch zur Weltliteratur. «Wir haben einen Freund verloren», schrieb sie.

Frankreich und Italien

Der 1930 in einem galizischen Städtchen nahe Krakau geborene Mrozek war in den 60er Jahren erst nach Italien und später nach Frankreich emigriert. Der privat als still und zurückhaltend beschriebene Mrozek nahm auch aus der Ferne Anteil an den Geschehnissen in Polen und veröffentlichte unter anderem in der Exil-Literaturzeitschrift «Kultura». Vorübergehend lebte er auch in Deutschland, wo seine erste Ehefrau starb.

Mrozek war in zweiter Ehe mit einer mexikanischen Theaterregisseurin verheiratet. Das Paar lebte nach mehreren Jahren in Mexiko und in Polen in Nizza.

Seine Werke

Zu Mrozeks bekanntesten Werken gehört das Theaterstück «Tango» aus dem Jahr 1964, eine Abrechnung mit dem Totalitarismus. Sein Stück «Die Emigranten» wurde von Oscar-Preisträger Andrzej Wajda verfilmt. Mrozek war zuletzt im Juni bei der Aufführung seines neuen Stücks «Karneval» in Polen. Nach Angaben des Diogenes-Verlags wird derzeit eine deutsche Übersetzung des Stücks vorbereitet.

Für Verlagsleiterin Zaremba Michalska kam der Tod des Schriftstellers, der sich in einem Krankenhaus von einem kleinen chirurgischen Eingriff erholte und am Freitag entlassen werden sollte, völlig überraschend. In Deutschland erscheint Mrozeks Gesamtwerk im Diogenes-Verlag.

Mrozek wurde für sein Werk unter anderem mit dem Kafka-Preis, (1987) und dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1972) ausgezeichnet. Im Jahr 2006 erhielt er gemeinsam mit Tankred Dorst den deutsch-polnischen Samuel-Bogumil-Linde-Preis.