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Flexibilisierung durch die Hintertür

Flexibilisierung durch die Hintertür

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Die Arbeitslosenquote stieg im Juli auf sieben Prozent. Beschäftigungsminister Nicolas Schmit befürchtet im Bausektor eine Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen durch die Hintertür.

Auch wenn es so scheint, dass Europa so langsam aus der Rezession herauskomme, so hinkt Luxemburg noch hinterher. Vor allem der Anstieg im Monat Juli der Arbeitslosigkeit auf sieben Prozent zeigt in eine andere Richtung.

Dieser Anstieg sei hauptsächlich dadurch zu erklären, dass im Bausektor immer mehr Firmen auf zeitlich begrenzte Arbeitsverträge setzten. Viele Verträge liefen zum Beginn des Kollektivurlaubs im Bau aus und wurden nicht mehr erneuert. Es sei zwar kein neues Phänomen, aber es sei eine zunehmende Tendenz, sagte Nicolas Schmit am Mittwoch. Die kommende Regierung müsse den Sozialdialog unbedingt wieder ankurbeln und mit den Sozialpartnern über dieses Phänomen diskutieren.

7.000 neue Stellen

Die Zahl der entschädigten Arbeitslosen ist im Vormonat leicht stärker gestiegen als die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsstellen. 2013 wurden bisher rund 7.000 neue Stellen geschaffen.

Arbeitslosenunterstützung erhalten 7.738 Personen, derweil rund 9.200 leer ausgehen, entweder weil sie nicht lange genug arbeiteten, nie arbeiteten oder bereits zwei Jahr Unterstützung erhielten.

Zeitbombe

Als Zeitbombe bezeichnete Schmit die Problematik der Langzeitarbeitssuchenden, die sich in der „reclassement“-Prozedur befänden. Insgesamt seien es zurzeit 2.192, das sei rund ein Fünftel aller Arbeitslosen. 45 Prozent von ihnen befänden sich schon seit über zwei Jahren auf Arbeitssuche; 64 Prozent von ihnen besäßen nur eine minimale Ausbildung. Dieses Problem werde sich wohl in Zukunft noch verschlimmern. Viele seien im Bausektor beschäftigt gewesen und seien aus gesundheitlichen Problemen im „reclassement“.

Nicolas Schmit appellierte an die Bauunternehmer, bei offenen Stellen nicht gleich Bewerber aus dem Ausland nach Luxemburg zu holen, sondern auch unter den Arbeitslosen von der Adem zu rekrutieren.

Als Lichtblick bezeichnete Schmit die Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit nicht weiter gestiegen ist, sondern stabil blieb. Prozentual gesehen habe sie sogar leicht von 12,5 auf 11,2 Prozent abgenommen.

Kurzarbeit

32 Unternehmen stellten einen Antrag auf Kurzarbeit für den Monat September. Nur 29 Betrieben wurde sie genehmigt. Insgesamt beschäftigen die 29 Unternehmen 2.754 Personen. Die Kurzarbeit wurde für 1.568 Beschäftigte beantragt. Sollten die betroffenen Mitarbeiter tatsächlich kurzarbeiten, werden sie Lohneinbußen verschmerzen müssen. Der Lohn, der ab der 17. nicht geleisteten Arbeitsstunde vom Beschäftigungsfonds übernommen wird, wird um 20 Prozent gekürzt.

Nicolas Schmit kündigte am Mittwoch auch an, dass das Arbeitsamt demnächst 25 neue Beamte einstellen werde. Was aber noch lange nicht genügt, um jedem Arbeitssuchenden eine optimale Unterstützung zukommen zu lassen. Momentan kümmert sich jeder der „placeurs“ um rund 300 Arbeitssuchende. Ideal wären zwischen 120-150. Aber leider laufe die Adem dieser Entwicklung immer hinterher, so Schmit.