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Internet-Hetze gegen Patrick L.

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Ein portugiesischer Staatsbürger, der in Luxemburg wohnhaft ist, soll laut Medienberichten mit verantwortlich für die Waldbrände in Portugal sein. Nun ist dieser 28-Jährige, wie es scheint, noch nicht ins Visier der Justiz geraten, wohl aber in das unzähliger Facebook-Nutzer.

„Der meist gesuchte Mann Luxemburgs, und nicht nur“ titelt die portugiesischsprachige Internetzeitung bomdia.lu und zeigt ein Bild des mutmaßlichen Brandstifters. Er posiert lässig in einem Einkaufszentrum, die Hände in den Hosentaschen, und grinst in die Kamera. Kein Fahndungsfoto, eher ein privates Urlaubsfoto, scheint es.

Bomdia.lu berichtet auch von einer Facebook-Seite mit dem Namen „Vamos encontrar o incendiário Patrick“, übersetzt: „Lasst uns den Brandstifter Patrick finden“. Am Montagabend gegen 22.00 Uhr war diese portugiesisch-sprachige Seite bereits mehr als 19.000 Mal „geliket“ worden. Tendenz steigend.

Beschimpfungen und Drohungen

Dabei sind die Beiträge, die auf dieser Seite gepostet werden, sehr unterschiedlicher Natur. Während für die einen die Schuld von Patrick L. bereits erwiesen ist und sie die „Justiz des Volkes“ fordern, resp. sich dafür aussprechen, dass die Feuerwehrleute, die drei der ihren in den Waldbränden verloren haben, Selbstjustiz ausüben sollen, bescheinigen andere dieser Facebook-Seite schlechten Geschmack. Und sind der Meinung, dass Patrick L. gefunden werden muss, damit er bei der Polizei aussagen und seine Unschuld beweisen kann.

Als geschmacklos wird hier wohl nicht nur das Hintergrundbild eines auf einen brennenden Wald blickenden Feuerwehr-Engels mit schwarzen Flügeln empfunden. Auch der in den Beiträgen oft unterschwellig mitschwingende Aufruf zur Lynchjustiz teilen längst nicht alle Besucher der besagten Seite, die übrigens auch, u.a., das oben beschriebene Bild von Patrick L. zeigt. In den Beiträgen auf besagter Facebook-Seite wird auch oft der Vater des mutmaßlichen Brandstifters genannt.

Contacto, eine der portugiesisch-sprachigen Zeitungen in Luxemburg, lässt in ihrem Internetauftritt diesen Vater zu Wort kommen. Sein Sohn habe ihm gesagt, das seien alles Lügen, die da über ihn verbreitet würden. Er sei unschuldig und könne das auch beweisen.

Des Weiteren sei Patrick L. auch nicht, wie behauptet werde, aus Portugal geflohen. Er sei ganz normal mit ihm am 28. August aus den Ferien zurückgekommen – nach Luxemburg, wo er sich auch jetzt aufhalte. Und weder die luxemburgische, noch die portugiesische Polizei habe sich bislang bei Patrick gemeldet, wurde der Vater gestern Morgen zitiert.