Von 1999 bis 2012 amtierte Marc Theisen als Präsident und legte sich in dieser Periode natürlich ein beträchtliches Netz an Kontakten an. Der Anwalt ist aktuell noch Vorstandsmitglied der europäischen olympischen Komitees.
Für das Tageblatt analysiert Marc Theisen die sechs Präsidentschaftskandidaten (in alphabetischer Reihenfolge), die er selbst bestens kennt.
Thomas Bach (Deutschland/Alter: 59/im IOC seit: 1991)
„Im Gegenteil zu seinen Aussagen ist diese Kandidatur seit langem vorbereitet. Wenn man so ein Amt erfolgreich angehen will, ist das auch der Weg. Sportpolitisch hat er alles Mögliche gemacht. Thomas Bach ist sehr einflussreich. Meiner Meinung nach ist er der aussichtsreichste Kandidat. Bach hat einen guten Bezug zu Menschen. Und es geht nur über Kontakte. Bei der Wahl hängt viel von den politischen Blöcken ab. Ich denke, dass Bach nicht unbedingt auf eine europäische Solidarität bauen kann. Er muss seine Stimmen von überall her bekommen. Andere Gründe spielen natürlich auch mit. Sportlich gesehen ist in letzter Zeit viel nach Asien vergeben worden. In Gesprächen mit meinen Kontakten habe ich doch auch eine gewisse Asien-Müdigkeit bemerkt. Thomas Bach ist seit Jahren in den deutsch-arabischen Geschäftsbeziehungen engagiert. Die Ghorfa (deutsch-arabische Handelskammer, der Bach vorsitzt, d. Red.) ist eine starke politische Organisation. Ich denke aber nicht, dass er dies bewusst gemacht hat. Durch seinen Beruf (Anwalt, d. Red.) hat er sich in diesem Bereich eingearbeitet. Es ist grundfalsch, ihm diese Verbindungen jetzt vorzuwerfen. Erwähnt werden muss aber auch, dass es nicht viele IOC-Mitglieder aus dem arabischen Raum gibt. Aber zweifellos wird Scheich Al-Shabah im Wahlkampf eine Hilfe sein. Bach und der Scheich, schon lange beim IOC und eine einflussreiche Person, verstehen sich sehr gut.“
Sergej Bubka
(Ukraine/49/2000)
„Ich denke, Sergej Bubka ist chancenlos. Er ist noch jung und muss noch alles beweisen punkto internationale Erfahrungen und diplomatische Qualitäten.“
Richard Carrion
(Puerto Rico/60/1990)
„Vom Niveau her mit Bach auf einer Stufe. Carrion ist schon lange im IOC und sehr einflussreich. Als Präsident der Finanzkommission hat er die TV-Rechte ausgehandelt. Carrion ist eine sympathische Person und kann eine große Institution wie das IOC leiten. Bislang habe ich nichts Negatives von ihm gehört. Er hat sicherlich seine Chancen mit seinem Package an Know-how, Vertrauen und diplomatischem Fingerspitzengefühl.“
Ng Ser Miang
(Singapur/64/1998)
„Er ist sicherlich der Überraschungskandidat. Der wohlhabende Geschäftsmann ist eine sympathische, joviale Erscheinung. Er hat in Singapur die ersten Olympischen Jugendspiele organisiert. Er hat sicherlich seine Wähler, nicht nur aus dem asiatischen Raum, auch Europäer, Amerikaner etc. Er ist auf keinen Fall zu unterschätzen.“
Denis Oswald (Schweiz/63/1991)
„Denis Oswald ist bereits sehr lange in diesem Milieu und war bis vor kurzem Präsident des Internationalen Ruderverbandes. Er hat viel Erfahrung in den Koordinierungs-Komitees gesammelt. Ich denke aber, dass er in Europa bei den IOC-Mitgliedern etwas isoliert ist. Die Schweiz hat die meisten IOC-Mitglieder (5, d. Red.). Und mit Thomas Bach, der als erster Europäer seine Präsidentschaftskandidatur bekannt gab, wird es für Oswald sicher schwierig, einen großen Block Stimmen zu erhalten.“
Wu Ching-Kuo
(Taiwan/66/1988)
„Bei ihm fehlt es auch an internationaler Erfahrung. Er hat auch nicht die kontinentale Basis hinter sich. Objektiv gesehen wird er es sehr schwer bekommen, in die engere Auswahl zu gelangen.“
Zu Demaart
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