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Reform ist reformbedürftig

Reform ist reformbedürftig

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Die „Chambre des salariés“ ist besorgt. Bei der Reform der Berufslehre müsse unbedingt nachgebessert werden, denn sie habe einige schwerwiegende Probleme geschaffen, so die Kritik der CSL.

Während die Grundschulreform und die geplante Lyzeumsreform für zahlreiche Diskussionen gesorgt haben, wurde die Reform der Berufsschule aus dem Jahr 2008 in der Öffentlichkeit deutlich weniger thematisiert. Sie stellt die Betroffenen in der Praxis allerdings vor eine ganze Reihe von Problemen. Die Salariatskammer wertet das Resultat jedenfalls als nicht zufriedenstellend, wie Roger Melmer am Donnerstag erklärte.

Das angepeilte Ziel der Neuausrichtung der „Formation professionnelle“ war eine Verbesserung der Qualität der Ausbildung. Jetzt stellt sich allerdings das Problem, dass zahlreiche Lehrlinge ihre Ausbildung unterbrechen und weniger junge Menschen das Abschlussexamen erfolgreich abschließen.

Viele Schüler brechen Ausbildung ab

Die Zahlen sprechen für sich: Von 268 Lehrlingen, die im Jahr 2010/2011 eine 10e im Bereich Handel besuchten, waren nur noch 170 zwei Jahre später auf der entsprechenden 12e. 137 wurden zum neuen Abschlussexamen „Projet intégré final“ (PIF) zugelassen und gerade mal 104 Lehrlinge haben diesen erfolgreich absolviert.

Im „Artisanat“ blieben von 202 auf der 10e nach dem Abschlussexamen nur noch 36 übrig. Anderes Beispiel: Dieses Jahr lag die Erfolgsquote für das „Diplôme d’aptitude professionnelle“ bei den Elektrikern bei 5,7 Prozent. 2012 lag die Erfolgsquote für das Vorgänger-Diplom CATP der Elektriker bei 18,18 Prozent und 2011 waren es sogar 47,61 Prozent. Diese Analyse basiert auf den Statistiken der Berufskammern, vom Ministerium hat die „Chambre die salariés“ bislang kein Zahlenmaterial erhalten, wie Carlo Frising hervorhob.

Konsequenzen

„Wenn nicht genügend Lehrlinge mit einem DAP-Diplom ausgebildet werden, dann hat das schwerwiegende Konsequenzen. Dann werden wir späterhin auch weniger Meisterprüfungen haben, also weniger Personen, die einen Betrieb übernehmen können“, erklärte CSL-Präsident Jean-Claude Reding.

Reding kritisierte, dass eine Politik betrieben wird, die versucht, die jungen Leute so schnell wie möglich durchs System zu schleusen. Auch würden nicht immer die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt.

Derogationen

Die CSL fordert deswegen, dass die Schüler Derogationen erhalten können, wenn sie länger als die vorgesehene Zeit zum Abschluss der Ausbildung brauchen. Derzeit ist das nicht vorgesehen, sogar nicht in einem Krankheitsfall. Auch sollten die Praktika finanziell entschädigt werden, so die CSL. Ein weiteres Problem sei die Organisation der „Modules de rattrapage“, die viele Lyzeen überfordert. Die CSL fordert außerdem eine Vorbereitung der Schüler auf das PIF. Bei diesem Abschlussexamen werden Kompetenzen abgerufen, die über die Jahre hinweg erlernt wurden. Die Salariatskammer kritisiert, dass ein Schüler, auch wenn er etwas bereits einmal beherrscht hat, dennoch eine Wiederholung und eine Vorbereitung auf die Abschlussarbeit benötigt.

Die CSL erhofft sich jedenfalls eine Reaktion des Ministeriums auf ihre Kritiken. Auch wünscht sich die Salariatskammer, dass die politischen Parteien im Wahlkampf Stellung zur Problematik der Berufslehre beziehen.