„Vijaj and I“ ist der vierte Spielfilm („Le tango des Rashevskis“, „Irina Palm“, „Quartier lointain“), den der Regisseur in Koproduktion mit der luxemburgischen Firma Samsa Film realisieren konnte. Der Ansturm bei der Vorpremiere war groß, sicher auch wegen der Anwesenheit von Moritz Bleibtreu, der sich in „Vijaj and I“ in einen Inder verwandelt.
Luxemburg hat eine besondere Beziehung zu Moritz Bleibtreu. Er ist dem hiesigen Publikum spätestens seit seinem Auftritt als Abdul der Araber in Thomas Jahns’ „Knockin’ on Heaven’s Door“ (1996) an der Seite von Thierry van Werveke bestens bekannt.
Einige werden sich sicherlich auch noch an die Worte erinnern, die Moritz Bleibtreu fand, als ihm für diese Rolle damals der Deutsche Filmpreis verliehen wurde. Er zeigte sich nämlich empört über die Entscheidung der Jury. Thierry hätte den Preis mindestens so sehr verdient wie er! „Ich bin heute noch sauer“, wiederholte Bleibtreu dann auch bei einem Gespräch mit der Presse vor der Vorpremiere von „Vijaj and I“ am vergangenen Wochenende. Er habe selten einen so uneitlen Menschen kennengelernt, der dazu noch ein solch großes Herz habe, wie Thierry.
Der weiße Bart des Inders
Während er in „Knockin’ on Heaven’s Door“ einen Türken spielte, schlüpft Bleibtreu nun für „Vijaj and I“ in einen Inder hinein. Ganz schön langwierig sei es gewesen, bis Kostüme und Maske passten und alle zufrieden waren, erzählt Bleibtreu. „Mit schwarzem Bart sah ich immer aus wie ein Araber“, sagt er. „Erst als wir auf die Idee mit dem weißen Bart kamen, kamen wir unserer Vorstellung deutlich näher.“ Er müsse sich schließlich selbst glaubwürdig finden, um gute Leistungen zu bringen.
Doch es habe ihm großen Spaß gemacht, mit indischem Akzent zu sprechen. Bedenken, dass man dem Film „political incorrectness“ vorwerfen könne, wies er entschieden von sich. Schon bei „Knockin’ on Heaven’s Door“ seien es nur die Deutschen gewesen, die gemeckert hätten, die Türken fanden ihn als Abdul klasse.
Das Drehbuch zu „Vijaj and I“ hat Moritz Bleibtreu vor allem deshalb gefallen, weil er darin in gewisser Weise eine Hommage an die Komödie der fünfziger Jahre sieht. An Buster Keaton, oder auch an Billy Wilder. An das Kino, das sich noch nicht so stark wie heute dem Realismus verpflichtet fühlte, ein Kino, das „nicht im Auftrag der Realität, sondern im Auftrag der Fantasie“ arbeite und „spannend, schön und geschmeidig“ sei.
So wie „Vijaj and I“ auch, ein Film, den man eher mit dem Herzen, als mit dem Kopf anschauen solle, meint Bleibtreu. Die Reflexion komme danach dann bestimmt wie von selbst.
Zu Demaart
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