Auch am Dienstag war die Lage noch unübersichtlich. Noch immer befanden sich islamistische Kämpfer in der Westgate Shopping Mall. Womöglich war auch eine Britin an dem Überfall beteiligt. Die 29-jährige Samantha Lewthwaite wurde als «Weiße Witwe» bekannt. Ihr Mann Germaine Lindsay riss im Juli 2005 bei einem Selbstmordanschlag in der Londoner U-Bahn 26 Menschen mit in den Tod.
Die Tochter eines britischen Soldaten ist seit zwei Jahren auf der Flucht. Nach ihr wird wegen Terrorverdachts gefahndet. Die Aussagen der kenianischen Verantwortlichen über eine mögliche Mittäterschaft Lewthwaites sind jedoch widersprüchlich. Kenias Innenminister Joseph Ole Lenku erklärte zunächst, unter den Angreifern gebe es keine Frauen, auch wenn einige wie Frauen gekleidet gewesen seien.
«Durchschnittliches Mädchen»
Die kenianische Außenministerin Amina Mohamed heizte die Spekulationen über eine Beteiligung Lewthwaites dann jedoch an. Sie sagte dem US-Sender PBS, unter den Islamisten seien auch zwei oder drei US-Bürger und womöglich eine Britin. Die Frau habe «so etwas schon viele Male getan». Die britische Regierung wollte sich dazu nicht äußern.
Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn hatte Lewthwaite die Tat «von ganzem Herzen» verurteilt. Sie hatte ihren Mann als 17-Jährige in einem Internetforum kennengelernt. Zwei Jahre später konvertierte sie zum Islam. Lewthwaite wuchs nordwestlich von London auf. Sie sei ein «durchschnittliches britisches Mädchen» gewesen, sagte ein Ratsherr ihrer Heimatstadt, der ihre Familie kannte.
Untergetaucht
Über ihren Verbleib nach dem Anschlag ihres Mannes ist wenig bekannt. Im Jahr 2011 gab die kenianische Polizei einen Fahndungsaufruf nach Lewthwaitewegen Terrordverdachts heraus. Sie reiste damals mit einem gefälschten südafrikanischen Pass unter dem Namen Natalie Faye Webb mit ihren zwei Söhnen und ihrer Tochter. In Medienberichten wurde sie als Drahtzieherin mehrerer Anschläge am Horn von Afrika bezeichnet.
2012 tauchte ihr Name im Zusammenhang mit Terrorermittlungen in Großbritannien auf. Nach Angaben der «Sunday Times» vermutete die Polizei sie hinter geplanten Attentaten auf mehrere Hotels sowie die Eliteschule Eton. Lewthwaite werden auch Verbindungen zu dem Briten Jermaine Grant nachgesagt, der sich derzeit in Kenia wegen Terrorverdachts vor Gericht verantworten muss.
Keiner weiß wo sie steckt
Zu fassen bekam die junge Frau bislang aber niemand. Die Zeitung «Daily Nation» aus Nairobi schrieb unter Berufung auf Sicherheitskreise, Extremisten im Land würden Lewthwaite «Dada Muzungu» nennen, was auf Suaheli «weiße Schwester» bedeutet. Dem Blatt zufolge entkam sie Anfang 2012 Fahndern in der Küsten-Metropole Mombasa, als diese mutmaßliche Verstecke Lewthwaites durchsuchten.
Sie sei in den vergangenen Jahren fast schon zu einem «mythischen» Wesen geworden, sagt der britische Terrorexperte Raffaello Pantucci vom Forschungsinstitut Royal United Services Institute. Zwar lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass sie in den Überfall auf das Einkaufszentrum in Nairobi beteiligt gewesen sei. «Aber die Tatsache, dass ihr Name in diesem Zusammenhang genannt wird, ist nicht überraschend», fügte Pantucci hinzu.
Auch in islamistischen Kreisen werden zahlreiche Gerüchte über die «Weiße Witwe» gestreut. Auf einem der Shebab-Miliz zugerechneten Twitter-Konto schrieben die Extremisten, sie seien stolz darauf, Lewthwaite in ihren Reihen zu wissen. Der im September in Somalia getötete US-Islamist Omar Hammami betonte im April hingegen, die «weiße Witwe» sei nur «ein Mädchen in Kenia». Das radikale kenianische Muslim Youth Center (MYC) wiederum erklärte zur gleichen Zeit, Lewthwaite sei wieder nach Großbritannien zurückgekehrt.
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