Erwachsene in Japan und Finnland sind im Lesen wie im Rechnen international spitze, am unteren Ende der Leistungsskala rangieren dagegen Spanien und Italien. Dies zeigt der erste PISA-Test zu den Basiskompetenzen und Alltagsfähigkeiten von Erwachsenen in 24 wichtigen Industrienationen der Welt. Die Studie wurde am Dienstag von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin vorgestellt.
In den meisten Ländern gibt es einen großen Anteil an Erwachsenen, die nur die niedrigste Kompetenzstufe erreichen, was die Lesekompetenz und ie Alltagsmathematik anbelangt. In einigen an der Untersuchung beteiligten Ländern verfügen 27,7 Prozent der Erwachsenen lediglich über das niedrigste Lesekompetenzniveau, und bis zu 31,7 Prozent sind nicht sher gut im Alltags-Rechnen.
Luxemburg wird in der Untersuchung nicht erfasst. Unsere Nachbarländer schon. So etwa Deutschland. Seine Erwachsene können im internationalen Vergleich nur mittelmäßig lesen und Texte verstehen. Gleiches gilt für die Grundrechenarten wie Prozentrechnen und Dreisatz. Auch Frankreich schneidet schlecht ab. Beim Lesen ist der südliche Nachbar Luxemburgs nur auf dem drittletzten Rang, vor Spanien und Italien. Bei Belgien wurde nur die Region Flandern berücksichtigt. Und die schneidet nicht einmal so schlecht ab. Sie platziert sich auf Platz acht. Der Benelux-Partner Niederlande kommt auf Platz drei.
Mehr Hilfen gefordert
Die OECD rät Regionen mit relativ großer Zuwandererbevölkerung, z.B. Flandern (Belgien), Frankreich, die
Niederlande, Schweden und die Vereinigten Staaten effiziente Hilfen beim Erlernen der Sprache bereitzustellen.
Ein beträchtlicher Teil der Erwachsenen aller untersuchten Länder hat Probleme im Umgang mit Computern. Bis zu 27 Prozent der Testpersonen haben demnach keinerlei Erfahrung mit Computern oder scheitern an grundlegenden Anforderungen – sie können zum Beispiel keine Maus bedienen.
Von den Erwachsenen, die den Test bearbeitet haben, können die meisten lediglich mit vertrauten Anwendungen umgehen. So schaffen sie es, Probleme zu lösen, die nur wenige Schritte benötigen, etwa das Einsortieren von E-Mails in bereits angelegte Ordner. Komplexere Aufgaben, wie das Navigieren über Webseiten und die eigenständige Problemlösung in mehreren Schritten, bewältigt dagegen nur ein Drittel der Erwachsenen.
Der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Land beträgt bei der Lesekompetenz 46 Punkte und bei den mathematischen Fähigkeiten 42 Punkte. Sieben Punkte entsprechen auf der Leistungsskala dem Lernvolumen eines Schuljahrs. Größer noch als die Unterschiede zwischen den Ländern, sind laut der Studie aber häufig jene zwischen verschiedenen sozialen Gruppen. Die OECD empfiehlt hier unter anderem, die Erwachsenenbildung massiv zu fördern.
Korea und Finnland machen Fortschritte
So verfügen jüngere Erwachsene gegenüber den ältesten Testteilnehmern ihres Landes zumeist über höhere Fertigkeiten in allen drei Bereichen. «Die Bewegung zwischen den Generationen beweist: Kompetenzen sind gestaltbar», sagte OECD-Bildungsdirektorin Ischinger. «Länder wie Korea und Finnland haben in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte erzielt. Sie zeigen uns, was mit gezielter politischer Förderung möglich ist.»
Die Kompetenzen der Erwachsenen haben auch einen großen Einfluss auf die Produktivität und das Lohngefälle, erinnert dioe OECD. Etwa 21 Prozent der Arbeitskräfte seien in diesem Zusammenhang für ihre Arbeitsstellen überqualifiziert und 13 Prozent seien unterqualifiziert.
166.000 Testpersonen
Für die Studie wurden weltweit 166 000 repräsentativ ausgewählte Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren getestet. Die OECD führt alle drei Jahre auch die bekannten weltweiten PISA-Untersuchungen bei 15-jährigen Schülern durch.
Der neue OECD-Wissenstest für Erwachsene kürzt sich PIAAC ab. Das steht für «Programme for the International Assessment of Adult Competencies».
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