Freitag30. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

In 90 Minuten von Paris nach New York

In 90 Minuten von Paris nach New York

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Luftfahrtexperten tüfteln an einem Concorde-Nachfolger. Bis der an den Start gehen könnte, dürften aber noch Jahre ins Land gehen. Neben der Technologie geht es auch ums Geld.

Die Suche nach einem Concorde-Nachfolger läuft: An Konzepten mangelt es nicht, wohl aber noch an Geldgebern und geeigneter Technologie, sagt der Entwicklungschef des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Sébastien Remy, im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Remy erklärt den Stand des französisch-japanischen ZEHST-Projekts – ein Konzept für einen weitgehend emissionsfrei fliegenden Mach-4-Jet, der bis zu 100 Passagiere in 90 Minuten von Paris nach New York fliegen soll.

Wann geht der ZEHST-Flieger an den Start?

«Wir sind noch immer in der Forschungsphase, die technischen Herausforderungen sind noch immer ungelöst. Das ZEHST-Konzept wurde bewusst geschaffen, um die Technologie zu identifizieren, die vorangebracht werden muss. Wir sind weit davon entfernt, einen kommerziell einsetzbaren Concorde-Nachfolger auf den Markt zu bringen. Wenn man mit vierfacher Überschallgeschwindigkeit fliegen will, braucht man Materialien, die Temperaturen von mehr als 600 Grad Celsius widerstehen können. Zu einigermaßen vertretbaren Preisen gibt es solche Materialien heute nicht, da muss die Forschung ansetzen.»

Concordeflüge konnten sich bislang nur die wenigsten leisten. Wird überschallschnelles Fliegen zu erschwinglichen Preisen eines Tages möglich?

«Ich denke es geht um die Frage, wer in solchen Flugzeugen reisen wird. Es dürfte mit Blick auf Hypersonic-Flüge klar sein, dass die Kosten höher sein werden als bei konventionellen Flugzeugen. Also ist es auch unwahrscheinlich, dass es eine große Anzahl dieser Flugzeuge geben wird. Ich sehe sie lediglich als ergänzendes Angebot für Leute, für die der Zeitfaktor wichtig ist – etwa Geschäftsleute, die am gleichen Tag ein Treffen in Tokio und Paris haben. Zur Zeit ist das eine relativ überschaubare Menge von Passagieren, die für solche Flugzeuge in Frage kommt. Sind sie kompatibel für den Massenmarkt? Damit wären wir bei der Frage, was alles mit der verfügbaren Technologie zu welchen Preisen machbar sein wird.»

Wie sieht es mit der Finanzierung von Überschall-Jets aus?

«Es wird nicht ohne Partnerschaften gehen. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Land allein das stemmen kann. Kommerziell ist aber vorerst kein Concorde-Nachfolger in Sicht. Es ist eher realistisch, dass wir im nächsten Jahrzehnt einen Demonstrator zum Testen der Technologie in die Luft bringen werden.»

Das ZEHST-Konzept soll umweltfreundlich mit Bio-Treibstoff starten. Ist der heute schon in ausreichernder Menge vorhanden?

«Es gab bereits erste Testflüge, und einige Bio-Treibstoffe sind bereits zugelassen – sie können für kommerzielle Zwecke genutzt werden. Es handelt sich aber um extrem geringe Mengen. Die nötige industrielle Infrastruktur existiert zur Zeit noch nicht. Wir sind erst in einer Demonstrationsphase um zu zeigen, dass es technisch machbar ist. Aber nun muss die Industrie zeigen, dass sie diesen alternativen Treibstoff zu akzeptablen Kosten produzieren kann.»

Was kosten denn derartige Bio-Treibstoffe?

«Nach den bisherigen Vorhersagen dürfte es in etwa dem heutigen Preisniveau von Kerosin entsprechen, wenn es in großen Mengen produziert würde. Die Produktion großer Mengen würde sich natürlich auf den Preis auswirken. Prognosen sind aber zum aktuellen Zeitpunkt schwierig. Der Einsatz von Bio-Treibstoffen sollte nachhaltig sein, also ohne Wettbewerb zur Lebensmittelproduktion.»