Yves Cruchten (LSAP) spricht bei der Wohnungspolitik von dem Thema für die Zukunft Luxemburgs. «Früher wurden Probleme im Wohnungswesen von staatlicher Seite aus mit dem Scheckheft gelöst. Wir haben jungen Familien beim Start fürs Eigenheim unter die Arme gegriffen Andere, die ewig Miete zahlen, blieben auf der Strecke,» kritisiert Yves Cruchten im Gespräch mit Tageblatt-Journalist Roger Infalt. Der LSAP-Politiker spricht von einem einseitigen Weg. Auch minderbemittelte Mieter sollten in den Genuss von Zulagen kommen.
Cruchten spricht bei der Wohnungsmarktpolitik von einem Fiasko. Jährlich steigt der Preis für ein Eigenheim oder für Miete um fünf Prozent. Hinzu komme, dass es jährlich 10.000 Menschen nach Luxemburg ziehe. «Dafür bräuchten wir jährlich 6000 Wohnungen, tatsächlich bauen wir aber nur 3000. Kein Wunder das der Druck auf den Immobilenpreis steigt, kritisiert Yves Cruchten.
Der LSAP-Politiker fordert ein konsequentes Umdenken und eine «Öffnung» der Bauperimeter in Luxemburg. Er spricht von einem Paradigmenwechsel: «Hier müssen Kommunen und Staat eng zusammenarbeiten. Gerade bei den Gemeinden entstehen immer mehr Baulücken, unter anderem durch den sozialen Wohnungsbau. Der Staat kann dies nicht mehr alleine auf die Beine stellen, die Gemeinden sind bei der Verantwortung jetzt gefordert. Für die finanziellen Strukturen muss natürlich der Staat die entsprechenden Mittel aufbringen. Allerdings braucht man dafür Leute, die den nötigen Mut dafür aufbringen.»
«Wir haben ein echtes Problem mit den Preisen. Selbst Leute mit einem hohen Gehalt haben inzwischen Schwierigkeiten etwas zu kaufen,» sagt Sam Tanson von «déi gréng». Vieles müsste über den sozialen Wohnungsbau geregelt werden. Der Markt müsste von unten rauf dynamisiert werden, sagt Tanson im Tageblatt-Interview.
Mehr selber bauen, Besteuerung von Leerstand, Förderung vom Aus- und Aufbau von Altbestand, sind einige Forderungen von Déi Gréng. Sam Tanson kann sich auch ein generationsübergreifendes Wohnen vorstellen. Alt und Jung unter einem Dach. Zahlreiche ältere Menschen seien alleine, hier könnten Jüngere eine wichtige Rolle einnehmen und beim Zusammenleben eine Stütze sein, so Tanson im Gespräch mit Tageblatt-Journalist Yves Greis.
Beim Thema Baulücken gibt die Politikerin ein Beispiel aus der Stadt. «Hier gibt es inzwischen Projekte, wo das Grundstück auf dem später gebaut wird, der Gemeinde gehört. Dadurch könnte man den Preis drücken,» sagt sie. Sie unterstreicht: «Wir wollen keine Politik für den machen, der an Bauprojekten verdient, wir wollen dem Bürger unter die Arme greifen.» Sam Tanson wünscht sich, die Preise, wenn man sie noch nicht drücken kann, dann wenigsten zu bremsen und für sozial Schwache eine größere Offerte an Wohnungen zu
schaffen.
Frank «Tun» Jost (déi Lénk) spricht von einer katastrophalen Lage im Land. Die Entwicklung der Preiskultur sei bedenklich. «Es fehlt der öffentliche Wohnungsbau in Luxemburg,» kritisiert Jost. «Während es in den Niederlanden 32 Prozent sind, haben wir in Luxemburg weniger als 2 Prozent öffentlichen Wohnungsbau,» so der Politiker im Gespräch mit Tageblatt-Journalistin Michelle Cloos. Die Wohnungsbaugesellschaften im Land müssten ausgebaut werden.
Obwohl es eine Obergrenze bei den Mieten gibt, hält sich kaum jemand daran, kritisiert Jost. Die Mieter sind schlecht informiert. Die Kommunen sind sogar angehalten «Mietkommissionen zu führen. Jost sagt:» Hier ist noch vieles im Nebel. Das könne man aber reglementarisch umsetzten und verbessern.
«Es gibt PAP-Projekte im Land die auf kommunaler Ebene seit zehn Jahren laufen, aber bislang nichts passiert ist. Die Gemeinden müssen hier viel mehr aktiv werden,» kritisiert Jost. Der Politiker sieht eine Lösung bei den Großgrundbesitzern im Land. In Luxemburg wären nie Eisenbahnen oder Straßen gebaut, wenn man nicht Enteignet hätte, unterstreicht Jost. Gerade um Ortschaften stelle sich dieses Problem. In einer dramatischen Zeit müsse man handeln, sagt der Politiker.
Déi Lénk sind gegen eine massive Erweiterung des PAP im Land. «Wir können das ganze Land im Extremfall doch nicht zersiedeln,» sagt Jost. «Uns fehlt es an einer Bebauungskultur im Land. Man kann zum Beispiel eine Stadt auch sanft entwickeln,» unterstreicht er.
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