Als sich bei der Bekanntgabe der ersten nationalen Hochrechnung abzeichnete, dass die ADR vielleicht doch auf drei Sitze kommen könnte, war die Lage etwas weniger angespannt, auch wenn der zweite Sitz im Süden zu dem Zeitpunkt immer noch nicht sicher war.
„On a limité la casse“ so ADR-Präsident Jean Schoos dem „Tageblatt“ gegenüber. „Wir kommen von weit her.“ Man müsse bedenken, dass der ADR bei Ilres-Umfragen im Frühjahr kein Sitz vorausgesagt worden sei. „Von Null auf drei Sitz“ zu kommen sei in der kurzen Zeitspanne doch nicht so schlecht.
Colombera -Effekt
Den Sitzverlust im Norden führt Jean Schoos natürlich auf den Colombera -Effekt zurück. Jean Colombera, vorher ADR-Abgeordneter, ist nach seiner Trennung und der des ADR-Zentrumsabgeordneten Jacques Yves Henckes vom ADR, mit einer eigenen Liste angetreten. Dies schmerzte besonders im Norden, wo Colombera mit 3 Prozent an persönlichen Stimmen, besonders dem ADR geschadet habe, wie Jean Schoss anführte. Die ADR habe im Norden ein Potenzial von 6 Prozent. Die Differenz macht den Sitz aus, so Schoos. Man habe von vorneherein gewusst, dass es im Norden nicht einfach würde.
Das gleiche gelte für den Ostbezirk, wo man ohne austretenden Abgeordneten in den Wahlkampf ging. Jean Schoos bedauerte, dass die 8,7 Prozent der ADR-Wähler im Osten und die im Norden nun nicht national vertreten sein werden. Hätte z.B. die FDP bei den letzten Bundestagswahlen in Deutschland 8,7 Prozent erreicht, wäre dies für diese sicher ein Grund gewesen, Feuerwerksraketen zu zünden. Das werfe doch Fragen über das Luxemburger Wahlsystem auf. Im Norden habe die LSAP ihre 17,4 Prozent von den Wahlen 2009 exakt bestätigt. Es habe demnach keine Veränderung beim Wählerwillen gegeben, dennoch käme die LSAP diesmal auf drei statt wie beim letzten Mal nur auf zwei Sitze. „Das ist nicht logisch“, so Jean Schoos. „Unser Wahlsystem schafft großen Parteien Vorteile und benachteiligt die kleinen Parteien“.
Schoos erinnerte daran, dass seine Partei eine Reform des Wahlsytems vorgeschlagen hatte. Die Chancen dies zu ändern, seien auf Grund der Haltung der großen Parteien allerdings gering.
«Mit allem gerechnet»
«Persönlich habe ich mit allem gerechnet» so der ADR-Abgeordnete und frühere Fraktionschef des ADR, Gast Gibéryen, gegenüber dem „Tageblatt“. „Sogar, dass wir die Fraktionsstärke hätten erreichen können. Natürlich wussten wir, dass es schwer werden würde. Und es hat sich gezeigt, dass wir unsere Sitze nicht halten konnten, weil aus unseren Reihen eine neue Partei hervorgegangen ist. Die Stimmen, die uns fehlen, entsprechen ziemlich genau dem, was die PID bekommen habe.“
„Sollten wir die drei Sitze behalten, die uns jetzt zugewiesen werden, wird eine gute parlamentarische Arbeit möglich sein. Mit Roy Reding und Fernand Kartheiser sind wir zu Dritt von der Qualität her besser aufgestellt, als das vorher mit vier Abgeordneten der Fall war. Die, die uns verlassen haben, ohne Grund, sind in der politischen Versenkung verschwunden. Der einzige Erfolg, den sie verzeichnen können, ist, dass sie dem ADR geschadet haben.
(Serge Kennerknecht / Tageblatt.lu)
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