„Wir sollten das Ergebnis nicht schönreden, sondern ehrlich mit uns selbst sein.» Ein äußerst nüchterner Henri Kox war der erste, der am frühen Abend über sein Schicksal Bescheid wusste und dieses entsprechend analysierte. Man habe sich im Osten Illusionen auf einen Wackelsitz gemacht. Aber die habe der „blaue Wind“ sehr schnell weggeblasen, notierte er. Enttäuscht sei man auch, dass die traditionellen grünen Themen wie der Klimawandel oder eine nachhaltige Finanzpolitik keinen politischen Niederschlag fanden. „Wir haben eine Antwort auf die Krise. Wir haben uns für ein intelligentes Wachstum eingesetzt“, so Kox. Die Wahlkampagne der Grünen sei auf Themen aufgebaut gewesen, mehr als auf politische Persönlichkeiten. Doch auch das habe sich letztendlich als Fehlgriff erwiesen.
„Der Fukushima-Effekt ist verpufft und die schlechten Wahlergebnisse der deutschen Grünen hatten auch bei uns ihren Niederschlag», schlussfolgerte Parteisekretär Abbes Jacoby. Persönlich hat er sein Ziel, einen Sitz im Norden, nicht erreichen können. Der Wunsch nach politischer Erneuerung sei letztendlich der DP zugutegekommen.
Abwanderung der jungen Wähler
Einig sind sich die Grünen darin, dass die kleinen Parteien Stimmen gekostet haben. „Die Jugend fehlt uns“, so eine enttäuschte Josée Lorsché. Möglicherweise sei die Kommunikation der Liberalen, obwohl die in vielen Fragen weitaus allgemeiner waren als die Grünen, besser angekommen.
Die politische Arbeit in den Gemeinden habe sich nicht bezahlt gemacht, notierte auch der Escher Schöffe Muck Huss, der sein Abgeordnetenmandat vor zweieinhalb Jahren an Josée Lorsché abgetreten hatte. Der Blick aus der Distanz hat sein Urteil jedoch eher verschärft. Die Wähler hätten nicht das richtige politische Bewusstsein, stellte er erbittert fest. „Nach der SREL-Affäre hätte die CSV im Büßerhemd daherkommen müssen.“
Während Félix Braz und Viviane Loschetter sich vor der Auszählung sämtlicher Wahlbüros nicht zu politischen Erklärungen hinreißen lassen wollten, kippte im Laufe des Abends mit dem Wahlgewinn der DP und der Schadensbegrenzung von LSAP und Déi Gréng die Stimmung und machte der Hoffnung auf eine Ampelkoalition Platz. Das aber nur so lange, bis Jean-Claude Juncker im Laufe des Abends für seine Partei den Anspruch auf die Regierungsbildung erhob.
Zu Demaart
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