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London will gegen Kredithaie vorgehen

London will gegen Kredithaie vorgehen

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Extrem kurzfristige und teure Kredite boomen in Großbritannien. Eine neue Behörde will die "Payday Loans" nun regulieren - aber nur zögerlich. Von Zinsobergrenzen wie in Deutschland wollen die Briten zunächst absehen.

Eine ganze Straßenecke nimmt das Geschäft auf der Einkaufsstraße des Stadtteils Brixton im Londoner Süden ein. Leuchtend rote Großbuchstaben verkünden: «Cash Loans» – Sofortkredite. «Wir sagen Ja, wenn andere es nicht tun werden», wirbt die Kette «Speedy Cash» auf ihren Flyern. Darunter vermerkt sie regelkonform den effektiven Jahreszins ihrer Kredite: 1410,3 Prozent.

Auf ein ganzes Jahr sind solche teuren Kredite aber gar nicht angelegt. Sondern nur darauf, die Zeit bis zur nächsten Lohnzahlung zu überbrücken, zum «Payday». Ein Beispiel: ein einmonatiger Kredit über 100 Pfund (etwa 118 Euro), bei dem 25 Pfund Zinsen anfallen.

Das Geschäft boomt

Das Geschäft mit «Payday Loans» boomt in Großbritannien. Der Markt ist mittlerweile mehr als zwei Milliarden Pfund schwer, schätzte die zuständige Behörde, das Office of Fair Trading (OFT), im März. 2008/09 war er mit 900 Millionen Pfund noch weniger als halb so groß.

Das OFT fand auch heraus, dass etwa ein Drittel der Kredite zu spät oder nie zurückgezahlt werden. Ein Fünftel ihres Erlöses erwirtschafteten die Anbieter mit nur einem Zwanzigstel der Darlehen – nämlich mit jenen, die viermal oder öfter verlängert werden. Dadurch entstehen den Kreditnehmern, die offensichtlich ohnehin bereits in finanziellen Schwierigkeiten stecken, immer neue Gebühren.

Viele Spielsüchtige

Pradiyesh kommt gerade aus dem «Speedy Cash»-Laden in Brixton. «Die meisten Leute, die ich kenne, die «Payday Loans» aufnehmen, sind spielsüchtig», sagt er. Derart gefährdete Kreditnehmer will eine neue Behörde nun besser schützen. Zum 1. April 2014 übernimmt die Financial Conduct Authority (FCA) die Aufgabe der Regulierung der britischen Kreditbranche vom OFT. Sie plant mehr Strenge.

«Der Markt für «Payday Loans» macht nur ein Prozent des britischen Kreditmarktes aus», erklärt Sprecher David Cross. «Aber das Problem ist, dass in ihm viele verletzliche Menschen sind.» Deshalb will die FCA unter anderem festlegen, dass Kredite höchstens zweimal verlängert werden dürfen. Danach soll der Anbieter den Kreditnehmer zunächst über Angebote der Schuldnerberatung informieren müssen.

Keine Grenze geplant

An eine feste Zinsobergrenze traut sich die Behörde allerdings nicht heran. Erfahrungen aus den USA hätten gezeigt, dass Anbieter bei einer solchen Grenze einfach ihr Geschäftsmodell änderten, so Cross – indem sie etwa zusätzliche Gebühren erhöben. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich das gesamte Kreditvolumen im Markt verringere.

Briten in Geldnot könnten sich dann verstärkt illegal agierenden Kredithaien ausliefern – mit allen damit verbundenen Gefahren wie Gewalt im Fall von Zahlungsschwierigkeiten. «Wir sind mit unseren Regulierungsplänen aber noch nicht am Ende», kündigt Cross an.

Fragwürdige Werbeaktionen

Zur Debatte um die «Payday Loans» hatten fragwürdige Werbeaktionen der Anbieter beigetragen. Das Missfallen der britischen Werbeaufsicht Advertising Standards Authority (ASA) erregten etwa Werbe-SMS von britischen Handynummern: Sie suggerierten, von Freunden zu stammen, die gerade dank eines «Payday Loans» im Nachtleben auf Achse waren.

Auch die Werbung eines Unternehmens mit Ex-«Atomic Kitten»-Sängerin Kerry Katona untersagte die ASA. Katona musste 2008 Insolvenz anmelden. Wegen ihres Werbespots – «Schnelles Bargeld für schnelle Leben» – könnten Zuschauer annehmen, «Payday Loans» seien bei Geldproblemen eine ratsame Maßnahme, fürchtete die ASA.