Die Regierungsspitze war gekommen und die amtierende First Lady ebenso. Salutschüsse, Ehrengarde und rund 1000 Anhänger des untergegangenen Jugoslawiens mit den kommunistischen Symbolen an ihrer Kleidung: In einem Staatsakt ist die Witwe des kommunistischen jugoslawischen Staatsgründers Josip Broz Tito, Jovanka, am Samstag in Belgrad zu Grabe getragen worden. Die 88-Jährige war vor einer Woche gestorben.
«Das ist der Abgang der letzten jugoslawischen Ikone», sagte Regierungschef Ivica Dacic in seiner Trauerrede: «Jovanka Broz war der Stolz des Staates». Die Zeitungen der gesamten Balkanregion hatten in den vergangenen Tagen in großer Aufmachung über die über 30-jährige Isolation der Gestorbenen und den langjährigen Hausarrest berichtet. Nach dem Tod des politischen Übervaters Tito im Jahr 1980 sei sie «wie ein Hund» aus der Residenz vertrieben worden, hatte seine Witwe später geklagt.
Baufälliges Haus
Sie musste in einem baufälligen Haus unter Bewachung leben, weil die Tito-Nachfolger fürchteten, sie besitze ein politisches Testament ihres Mannes. Der kommunistischen Gewalt in den 80er folgte das Desinteresse der Nationalisten in den 90er Jahren. Auch nach der demokratischen Wende im Jahr 2000 interessierte sich niemand für das bittere Leben Jovankas, die mit ihrem Mann als Glamourpaar fast 30 Jahre auch international im Mittelpunkt gestanden hatte.
Sie besaß weder Reisepass noch Personalausweis, weder Krankenversicherung noch Rente. Erst 2009 erhielt sie erste Personalpapiere. Bis zuletzt wohnte sie in einer Bleibe voller Schimmel, dafür aber oft ohne Heizung und Wasser. Das undichte Dach ließ Regenwasser bis in die einzelnen Zimmer durch.
Das Staatsbegräbnis war am Ende dann doch noch eine kleine Genugtuung für die Frau, die niemals Forderungen an die jeweilige Staatsspitze gestellt hatte, von der Politik aber völlig vergessen wurde. Bei ihrem Begräbnis fiel sie daher auch durch das ideologische Rost: Es gab weder den kommunistischen Stern noch das christliche Kreuz. Auf ihrer Grabplatte aus weißem Marmor stehen wie bei dem ebenfalls im «Blumenhaus» bestatteten Tito in goldenen Lettern lediglich ihr Name und ihre Lebensdaten.
Zu Demaart
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