Fulminantes Börsendebüt von Twitter: Der Aktienkurs des Online-Kurzmitteilungsdienstes legte am Donnerstag an der New Yorker NYSE um mehr als 70 Prozent zu und schloss bei 44,90 US-Dollar. Das vor sieben Jahren gegründete Unternehmen war an der Börse auf einen Schlag rund 25 Milliarden Dollar (18,5 Milliarden Euro) wert.
Als Reaktion auf die große Nachfrage hatte Twitter den Ausgabepreis seit Ende Oktober bereits von ursprünglich mindestens 17 Dollar auf 26 Dollar pro Anteilsschein angehoben. Der erste Kurs nach Handelsbeginn lag dann bei 45,10 Dollar, binnen weniger Minuten verdoppelte sich der Ausgabepreis fast auf etwa 50 Dollar. Später pendelte sich der Kurs bei rund 45 Dollar ein.
Twitter verkaufte zunächst 70 Millionen Anteilsscheine und sammelte bei dem Aktien-Ausgabepreis von 26 Dollar insgesamt 1,82 Milliarden Dollar ein. Die mit dem Börsengang betrauten Banken haben das Recht, bei entsprechender Nachfrage binnen 30 Tagen 10,5 Millionen weitere Aktien des in San Francisco ansässigen Unternehmens an den Markt zu bringen.
Twitter-Chef Dick Costolo sagte dem Finanznachrichtensender CNBC, dass die Einnahmen durch den Börsengang vollständig in das Unternehmen investiert würden. «Wir haben eine Menge Arbeit vor uns», sagte Costolo.
Größter Börsengang seit Facebook
Die Neuemission ist der größte Börsengang in der Technologiebranche seit dem des sozialen Netzwerks Facebook im Mai vergangenen Jahres. Twitters Börsendebüt fällt allerdings um einiges kleiner aus als bei Facebook, das 16 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Anders als Facebook machte Twitter einen Bogen um die Technologiebörse Nasdaq und wählte die NYSE als Handelsplatz aus. Hintergrund sind technische Pannen bei der Facebook-Neuemission, die als eine Ursache dafür gelten, warum der Aktienkurs des sozialen Online-Netzwerks zunächst stark abgestürzt war.
Das 2006 gegründete Twitter ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke im Internet und hat nach eigenen Angaben mehr als 230 Millionen aktive Nutzer weltweit. Die Twitter-Nutzer können sich untereinander vernetzen und Kurzmitteilungen verschicken. Diese sogenannten Tweets dürfen maximal 140 Zeichen lang sein. Oft werden dabei auch Verlinkungen zu Webseiten, Fotos oder anderen Dokumenten versendet.
Twitter immer wichtiger
Die Plattform, die anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, hat in den vergangenen Jahren stark an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Die Demonstranten in der arabischen Welt nutzten Twitter, um die staatliche Zensur zu umgehen und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Vor allem in den USA treten Politiker über das Netzwerk direkt mit Wählern in Kontakt, Behörden verschicken über Twitter Mitteilungen. Auch viele Sänger und Schauspieler wenden sich über die Kommunikationsplattform an ihre Fans.
Wie viele Internetfirmen ist auch Twitter stark von Anzeigenerlösen abhängig. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres auf 422 Millionen Dollar – mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum 2012. Unter dem Strich stand bei Twitter von Januar bis September 2013 aber ein Verlust von 134 Millionen Dollar.
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