Begleitet von riesigem Medieninteresse hat in Deutschland der Korruptionsprozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff begonnen. Anderthalb Jahre nach seinem Rücktritt steht Wulff in Hannover wegen Vorteilsannahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident vor Gericht.
Zur Verlesung der Anklage kam es zunächst noch nicht, weil die Verteidigung des mitangeklagten Unternehmers David Groenewold einen ersten Antrag stellte. Gerügt wurde, es seien zu wenig Plätze für normale Prozessbesucher vorhanden und zu viele für Journalisten.
Korrupt
Beim Eintreffen im Landgericht Hannover sagte Wulff: «Dies ist sicher kein einfacher Tag.» Er betonte aber auch: «Ich bin mir ganz sicher, dass ich auch den allerletzten Vorwurf ausräumen werde, weil ich mich immer korrekt verhalten habe im Amt.» Wulff ist das erste ehemalige Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland, das vor Gericht steht.
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft verhielt sich Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident korrupt, als er sich von Filmfinanzier Groenewold 2008 zu einem Oktoberfestbesuch einladen ließ. Später soll Wulff bei Siemens um Unterstützung geworben haben.
Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Hannover hat für das Verfahren 22 Verhandlungstage bis Anfang April kommenden Jahres angesetzt. 46 Zeugen sind geladen, darunter auch einige Prominente.
Zu Demaart
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