Montag12. Januar 2026

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Ungewöhnliche Ruhe in Europa

Ungewöhnliche Ruhe in Europa

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Es herrscht ungewöhnliche Ruhe in Europa, sagt der Chef-Volkswirt des Londoner Investmenthauses Schroders, Azad Zangana. Auch bei den Banken sehe ziemlich ruhig aus.

Bei den europäischen Ländern gibt es völlig unterschiedliche Interessenlagen, sagt Zangana. So seien auf der internationalen Exportschiene Japan und Deutschland die Konkurrenten. Bei den Peripherie-Staaten verlasse Irland den Rettungsschirm, Spanien mache ungeheure Fortschritte, Italien verharre in der Rezession, Portugal bewege sich seitwärts.

Die besondere Situation in Griechenland bleibe bestehen. Allerdings habe sich hier entscheidend etwas verändert- Seit der Rede der Bundeskanzlerin Merkel in Athen sei klar, dass es den Willen der Euroländer, Griechenland unter Umständen aus der Eurozone auszuschließen, nicht mehr gebe. Man könne auch feststellen, dass sich die Situation in Griechenland erheblich zum Besseren verändert habe. Die Gefahr für das Land komme nun aus seinem Inneren. Wenn die Regierung gestürzt würde, entstünde eine neue Situation. „Dann besteht auch die Gefahr, dass Griechenland von sich aus entscheidet, die Eurozone zu verlassen“, sagte Zangana auf Fragen von Tageblatt.lu. Im Prinzip sei die Situation der Peripherie Staaten jetzt schon so, dass sie eigentlich kein Geld vom Markt mehr borgen müssten, so lange sie unter dem Rettungsschirm stünden. Allerdings werde man in 2014 wohl die große Aufgabe angehen müssen, die Schulden der Staaten zu restrukturieren.

Im Finanzbereich müsse man feststellen, dass die Bedeutung der Peripherieländer in der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich zugenommen habe, sagte Zangana. Die EZB habe Überschüsse von Banken an die Banken verteilt, die unterkapitalisiert gewesen seien. Das würde überall so gemacht. Der Unterschied hier sei, dass es sich um Banken aus verschiedenen Staaten gehandelt habe. Im Bankensystem herrsche vermutlich so lange Ruhe, bis der Stresstest der EZB für die europäischen Banken ausgewertet sei. Danach werde man erst den Zustand der Banken beurteilen können. Danach werde man auch sehen, in welchem Maße die Banken wieder ihre Aufgabe als Kreditgeber wahrnehmen würden.

Arbeitslosigkeit

„Die großen Themen in Europa haben sich in den vergangenen Monaten verändert“, sagte Zangana. „Gestern habe man noch von Wettbewerbsfähigkeit geredet, heute sei die Arbeitslosigkeit das Thema. In der Entwicklung Europas müsse man weiter sehen, dass die Gefahr der Deflation drohe. Von einer Inflation gehe keine Gefahr aus. Im Gegenteil: Die Ölpreise würden fallen, die Lebensmittel würden billiger werden. Nur die Energiepreise allgemein würden steigen. Es komme hier auf das Verhalten der Haushalte an. Zangana: „Konkret heißt das, werden sie konsumieren oder werden sie nicht konsumieren“. Perfekt sei jedenfalls, dass in Deutschland im vergangenen Vierteljahr das Wirtschaftswachstum vom Binnenkonsum getragen worden sei. „Wenn die Deutschen nun begonnen, französischen Wein zu kaufen, ist das noch perfekter“, lachte Zangana im Gespräch mit Tageblatt.lu.

Der Chefvolkswirt des Investmenthauses Schroder zeigte sich überzeugt, dass Deutschland Frankreich stützen werde. Der deutsche Export werde den französischen ziehen. Frankreich müsse sich auch keine Sorgen wegen der Abstufung seiner Bonität machen, so lange wie der Markt darauf nicht reagiere. „Wenn der Markt darauf reagiert, dann hängt alles von der Reaktion der Europäischen Zentralbank ab“, sagte er. „Letztlich hängt Frankreich vom Vertrauen der Märkte ab.“