Am Dienstag fand ein «Treffen der letzten Chance» bei ArcelorMittal statt. Die lange Gesprächsrunde wurde aber ohne Resultat beendet. Der letzte Termin für eine Schlichtung ist am Donnerstag. Eine Einigung liegt zwar in weiter Ferne, ist aber laut Nico Reuter, Vizepräsident Langstahl Europa bei ArcelorMittal und Personalchefin Valérie Massin nicht unmöglich. «Der Kollektivvertrag läuft Ende des Monats aus. Bis dahin haben wir noch Zeit eine Einigung zu erzielen», so Valérie Massin am Mittwoch zu Tageblatt.lu. Nico Reuter sagt, dass man vorgeschlagen hatte den Kollektivvertrag bis zum 15. Dezember zu verlängern, «nicht um die Gewerkschaften über den Tisch zu ziehen, sondern um mehr Zeit zu haben eine Lösung zu finden». Eine Fortsetzung der Gespräche sei nicht gleichbedeutend mit einer Annahme der von der Direktion geäußerten Vorschläge, betont Reuter.
Das Fehlschlagen der Schlichtung muss von einem oder beiden Verhandlungsparntern offiziell mitgeteilt werden, erklärt Valérie Massin weiter. Für sie sei man noch immer in der Verhandlungsphase. Es gebe mehrere Punkte, wo man sich noch einigen müsse.
Streitpunkte
Einer davon ist der von der Direktion vorgeschlagene Wettbewerbsplan. Er wurde bei der Stahltripartie im September der Regierung vorgelegt. Der Plan umfasst mehrere Punkte: die Lohnkosten, die Energiepreise, der CO2-Zertifikat-Handel und die Logistik. Diese vier Prioritäten hätten in etwa das gleiche Gewicht bei den Produktionskosten, so Reuter. Bei einigen Fragen, wie der Energiefrage, dem CO2-Handel oder der Logistik erwarte man sich eine Reaktion der Regierung. Des Weiteren würden Verhandlungen mit Zulieferern geführt.
In diesem Zusammenhang wurde am Mittwoch betont, dass eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Luxemburger Stahlindustrie nur über eine Reduzierung der Herstellungskosten erreicht werden könne. Die Firmenführung betonte, dass man durchaus bereit sei, den Kollektivvertrag separat vom Wettbewerbsplan abzuschließen, erinnert aber auch daran, dass beide Punkte eng miteinander verbunden seien.
Lux 2016 wird nicht angerührt
Der 2012 ins Leben gerufene «Plan 2016» werde auf jeden Fall nicht infrage gestellt, betont Nico Reuter. Die sozialen Begleitmaßnahmen, wie die CDR (Cellule de reclassement) und die Frühverrentung würden weitergeführt. Valérie Massin erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass etwa 60 Prozent der Kosten der CDR von ArcelorMittal übernommen werden. Es sei eine soziale Maßnahme, um Sozialpläne zu verhindern.
Wenn der Kollektivvertrag abläuft, ohne dass eine Einigung erfolgt ist, seien die Arbeitsverträge nicht in Gefahr, wurde weiter erklärt. Die nicht im Gesetz vorgesehenen Prämien, freien Tage, Lohngarantien und automatischen Gehalterhöhungen müssten dann aber auf Eis gelegt werden.
In diesem Zusammenhang widersetzen sich die Gewerkschaften vehement der geplanten Reduzierung von zwölf auf drei freie Tage (SR). «Man müsse aber in Betracht ziehen, was die Basis ist, erklärt Valérie Massin. Die 25 gesetzlichen Ferientage bleiben bestehen. Dazu kämen jetzt drei anstatt 9 freie Tage. Das mache immer noch 28 frei Tage pro Jahr, was in der Luxemburger Industrie gang und gäbe sei. Man sei des Weiteren den Gewerkschaften schon entgegen gekommen, indem man drei Tage akzeptierte. Die Reduzierung würde helfen die Lohnkosten zu senken, wettbewerbsfähiger zu werden und somit auch Arbeitsplätze abzusichern. Nico Reuter seinerseits unterstrich, dass man an der Aufgabe von neun Tagen festhalte, aber bereit sei über Kompensierungsmaßnahmen zu verhandeln.
Kein Rückzug aus dem Land
Was die Absicherung der Luxemburger Stahlindustrie anbelangt, so plane man nicht, sich aus dem Großherzogtum zurück zu ziehen, so Reuter. Der Plan 2016 sehe vor, innerhalb von fünf Jahren zwischen 150 und 200 Millionen Euro in die luxemburgischen Werke zu investieren. Das seien 30 bis 40 Millionen pro Jahr. Das Begleitkomitee, das den Plan überwacht, hätte festgehalten, dass ArcelorMittal 2012 und 2013 seinen Verpflichtungen nachgekommen sei. Man hätte unter anderem in die Modernisierung der Anlagen in Belval investiert.
Auch 2014 sei man bereit, in Belval zu investieren, aber nur wenn man eine Einigung beim Kollektivvertrag erziele. Man brauche klare finanzielle Perspektiven und da spielen die Lohnkosten eine wichtige Rolle, betont der Langstahl-Chef. In Differdingen sei man auch dabei zu investieren. Auch seien 2014 weitere Modernierungen in Differdingen und in Belval geplant. Das Werk in Rodange werde in reduziertem Rhytmus wieder hochgefahren. Nur bei Schifflingen bestehe keine Hoffnung mehr. Das Werk sei einfach nicht mehr rentabel.
Flexibilität bringt Kunden
Um das Überleben der Luxemburger Werke abzusichern, müsse auch über die Flexibilität bei den Arbeitszeiten gesprochen werden, so Nico Reuter. Man erhalte immer mehr kurzfristige Bestellungen. Die Kunden würden keine Stocks mehr anlegen und Spekulationen über die Markentwicklung anstellen, zum Beispiel beim Schrottpreis. Es sei vital schnell und effizient auf die Anfragen der Kunden zu reagieren, so Reuter.
Parallel müsse weiter massiv in die Qualität der Produkte und die Innovation investiert werden, so die Arcelor-Firmenführung. Es ginge darum, innovative Produkte, neue Herstellungsverfahren und neue Materialien zu entwickeln, wurde am Mittwoch betont.
Kein Streik bitte
ArcelorMittal sei auf jeden Fall bereit, zusammen mit den Arbeitnehmern Lösungen zu suchen. Nico Reuter und Valérie Massin hoffen, dass die Gewerkschaften sich ebenfalls weiter dialogbereit zeigen und keine Streikprozedur einleiten. Ein Streik würde die Atmosphäre «vergiften» und die Verhandlungen erschweren. Einen etwaigen Riss in der Gewerkschaftsfronten wollten beide nicht kommentieren. Man verhandele mit einer Verhandlungsgruppe, wo Mitglieder beider Gewerkschaften vertreten sind.
Im Prinzip könnten die Gewerkschaften am 22. die Nicht-Schlichtung feststellen und die Streikprozedur einleiten. Aber Jean-Claude Bernardini vom OGBL schloss am Dienstag weitere Gespräche nicht aus; aber nur, wenn ArcelorMittal die Forderungen der Gewerkschaften erfülle.
Zu Demaart
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