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Cern-Forscherin erfindet Anti-Baby-Formel

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Zwei Genfer Physiker haben einen Algorithmus entwickelt, der helfen soll, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern – oder fast auf den Tag genau ein Baby zu planen.

Was machen zwei Physiker, wenn sie verhüten wollen? Sie entwickeln einen Algorithmus. So jedenfalls war das bei Cern-Physikerin Elina Berglund und ihrem Mann, Raoul Scherwitzl. Weil Berglund keine Lust mehr auf die Pille und andere Hormonpräparate hatte, entwickelten die beiden ihre eigene Methode – mit mathematischer Präzision.

Und so funktioniert es: Die Frau misst jeden Morgen ihre Temperatur und gibt die Daten auf einer Website ein. Dort berechnet der Algorithmus die fruchtbaren Tage (werden rot angezeigt) – und die unfruchtbaren (grün). «Einen grünen Tag gibt es nur, wenn sich der Algorithmus zu mehr als 99,9 Prozent sicher ist», sagt Raoul Scherwitzl. Das unterscheide diese Art der Verhütung von der gewöhnlichen Temperaturmethode, die als wenig sicher gilt. Denn der Algorithmus merke auch, wenn eine Nutzerin wegen Fieber oder Stress eine erhöhte Temperatur habe.

Methode auch für Baby-Planung

Wer mit dem Algorithmus verhüten will, gibt seine Daten auf der Website des Start-ups Naturalcycles ein. Pro Monat kostet das 4 bis 8 Euro. Scherwitzl und seine Frau haben die Methode an 300 Frauen eineinhalb Jahre lang getestet – laut dem Physiker mit 100-prozentigem Erfolg: «Keine von ihnen ist ungewollt schwanger geworden.»

Zudem funktioniere die Methode nicht nur, um Schwangerschaften zu verhindern. Im Gegenteil könne man damit auch ein Kind genau planen. So sind Scherwitzl und seine Frau zum 1-Jahres-Jubiläum ihrer Hochzeitsnacht – ein roter Tag – nach Lugano in ein Hotel gereist. Auf dem Weg dahin schickten sie einen Tweet los: «Von heute an versuchen wir, ein Kind zu kriegen.» Und siehe da: Es klappte. Im Mai 2014 kommt das erste Algorithmuskind zur Welt.

Nur für Pärchen

Für Personen, die jedes Wochenende in einem anderen Bett aufwachen, ist die Methode jedoch wenig geeignet. «Wir richten uns damit vor allem an Paare in einer festen Beziehung», sagt der Genfer Forscher. «Wer häufig den Partner wechselt, sollte sowieso Kondome benutzen.»

Laut Gynäkologe Pierre Villars ist der Algorithmus keine völlig neue Erfindung: «Bereits heute gibt es solche Computer für Frauen, die mit der Temperaturmethode verhüten wollen.» Zwar sei das Angebot mit 8 Euro pro Monat wohl billiger als ein solches Gerät – «aber die günstigste Pille kostet etwa gleich viel und ist weit sicherer». Und wenn der Algorithmus die grünen, unfruchtbaren Tage konservativ berechne, heisse das am Ende nur, dass man während der Hälfte des Monats doch mit Kondom verhüten müsse.