Dienstag13. Januar 2026

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Auf der Suche nach der Wahrheit

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(Tageblatt-Archiv)

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Unterschiedliche Aussagen, Erinnerungslücken und Dementis. Das Gericht lässt nicht locker und will endlich Antworten für die Anschlagsserie zwischen 1984 und 1986.

Prozesstag 108. Nach der Winterpause konfrontiert Richterin Sylvie Conter die drei Ermittler Armand Schockweiler, Paul Haan und Guillaume Büchler vor Gericht. Sie machten unterschiedliche Angaben zu den Erlebnissen und Ermittlungen im Zusammenhang mit der Observation um den damals Verdächtigen Ex-Polizisten Ben Geiben.

Haan und Büchler kritisierten unter anderem vor Gericht, dass sie bei den Ermittlungen regelrecht für «dumm verkauft» wurden. So mussten die beiden damals mit Offizier Armand Schockweiler nach Brüssel fahren. Es ging um ein Rechtshilfeersuchen im Fall Geiben. Allerdings wurden die beiden Unteroffiziere bei den Gesprächen mit den belgischen Kollegen vor Ort ausgeschlossen. Schockweiler setzte sie regelrecht vor die Tür. Die beiden Männer gingen ein Bier trinken.

«Hohe Mauern»

Auf die Kernfrage, warum die Observation Geiben von einem Tag auf den anderen gestoppt wurde, gibt es bis heute keine Antwort. Der Gericht versuchte im November und Dezember immer wieder eine Antwort auf diese Frage zu finden. Offiziere, darunter der damalige Gendamerie-Chef Aloyse Harpes und sein Stellvertreter Jos Bourg, schieben die Verantwortung hin und her. Auch beim Geheimdienst gibt man sich ahnungslos. Der ehemalige und langjährige Srel-Chef Charles Hoffmann spricht von «verschlossenen Türen». Seine Kernaussage vor Gericht: «Wir wollten helfen, wurden aber im Regen stehengelassen.»

Die eigentlichen Ermittler, alles Unteroffiziere, kritisieren die Arbeit und das «Desinteresse» ihrer Vorgesetzten. Immer wieder fallen Sätze wie «hohe Mauern», «bewusst falsche Pisten», «sinnlose Ermittlungen in falsche Richtungen» und «Druck von oben».

Prinz Jean

Die Liste der Zeugen ist noch lang, sehr lang. Das Gericht hat weitere 51 Prozesstage angesetzt – Ende offen. Spannen wird es auf jeden Fall. Neben Augenzeugen der Anschlagsserie und ehemaligen Polizisten müssen auch die beiden ehemaligen Premierminister Jacques Santer und Jean-Claude Juncker als Zeugen aussagen. Auch Prinz Jean wird vor Gericht erscheinen müssen. Er wird immer wieder im Zusammenhang mit der Anschlagsserie genannt.

Auch die beiden Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes müssen sich auf unangenehme Fragen gefasst machen. Sie spielten bislang in dem Verhandlungsmarathon nur eine Nebenrolle. Ein Termin steht noch nicht fest

Belgische Zeugen

Am Dienstag treten unter anderem Lucien Thilquin und Anne-Marie Van den Broeck in den Zeugenstand. Das Paar aus Belgien hatte am 5. Juli 1985 mit einem Camper unweit der Kasematten geparkt. Dort detonierte ein Sprengsatz. Das Paar konnte damals konkrete Angaben über Verdächtige am Anschlagsort machen. Mehrere Männer, darunter einer mit Funkgerät, flüchteten aus den unterirdischen Gängen unterhalb des Plateau du St Esprit, wo heute der Prozess über diese Anschläge geführt wird.