Seine Liederabende versprechen einen nostalgischen, aber auch kritischen Rückblick auf die unterschiedlichen Komponenten unserer Gesellschaft.
Kulturfabrik Michel Clees
Am 31. Januar und 1. Februar um 20 Uhr.
Tickets
www.luxembourg-ticket.lu
Tel.: (+352) 47 08 95 1
Wenn man in meinem Alter zum Frauenarzt geht, dann spielen entweder die Hormone verrückt oder der Körper zeigt Abnutzungserscheinungen. Nicht so bei einem Gespräch mit Michel Clees. Er ist zwar gerne und mit viel Engagement Frauenarzt, spricht aber mit genauso viel Herz von seinem zweiten Leben als Künstler. Beide seien untrennbar, meint er.
Der Alltag aus der Praxis liefere ihm jede Menge Stoff für seine Chansons. „Bei mir spielen sich täglich viele fünf- bis fünfzehnminütige Dramen ab“, erzählt er mit wissendem Lächeln. Dabei will er das Wort Drama im weitesten Sinn seiner Bedeutung verstanden haben.
Ihm werde nicht nur Tragisches erzählt. Vieles sei auch lustig oder komisch, alles sei lehrreich und jeweils ein Stück aus dem richtigen Leben. Seine Texte seien nicht kritisch, meint Clees, sie seien vielmehr eine Bestandsaufnahme, gekoppelt mit dem Versuch, dem Leben so viele schöne Seiten abzugewinnen wie möglich.
Auf den Punkt
Diese Erklärung ist allerdings eine ziemlich harmlose Darstellung von Texten, die sich mit fundamentalen Fragen wie dem Bürgerkrieg in Syrien, der Machtstellung von Facebook, er „Sprachlosigkeit“ der modernen Gesellschaft oder den Unannehmlichkeiten des Alterns auseinandersetzen. Typisch für Michel Clees ist auf jeden Fall der präzise Umgang mit dem Wort. Bei den Liedern, die er an zwei Abenden in der Kulturfabrik vortragen wird, ist vor allem der Text von Bedeutung.
Als „Sprechgesang“ definiert er seine literarischen Lieder. Sie wurden allerdings von professionellen Künstlern in Musik gekleidet, Musiker, die er zum Teil aus seiner Jugendzeit kennt. Es sind auch Berufsmusiker, die ihn an den beiden Abenden in der Kulturfabrik begleiten werden. Danielle Hennicot auf der Bratsche, Jeannot Sanavia auf dem Kontrabass, Georges Urwald auf dem Klavier, Natascha Gehl auf dem Akkordeon und der Schlagzeuger Serge Kettenmeyer werden den Sänger unterstützen. Ihre Anwesenheit ist zweifellos eine Anerkennung des Talentes des Arztes.
Neubeginn
Sie kommt allerdings nicht von ungefähr. Der gebürtige Escher, Michel Clees, hat zwar Medizin studiert und teilweise auch doziert, war jedoch gleichzeitig immer wieder als Musiker, Schauspieler und Schriftsteller tätig. „Mein erster Berufswunsch war die Musik“, gesteht er, erzählt aber dann mit einem Grinsen, nie über die ersten Solfège-Stunden herausgekommen zu sein. „Die Sprache fasziniert mich mehr als die Musik“, weiß er heute.
Die Liederabende sind eigentlich ein Neubeginn. Zehn Jahre lang hat Clees nicht mehr auf der Bühne gestanden, sondern sich der Medizin, seinen drei Kindern und dem Schreiben gewidmet. Erst im Dezember ist mit „Sterbehäusle“ im Ultimomondo-Verlag sein drittes Buch erschienen. Es erzählt die Geschichte eines Arztes, der dement wird und sei typisch für seine Beziehung und seinen Umgang mit der Sprache, sagt der Künstler, der sehr viel Wert auf eine gute Sprache legt. Was er auf der Bühne in einer neuen Form beweisen will.
Zu Demaart
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