Dienstag13. Januar 2026

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Auf dem Weg in den Norden

Auf dem Weg in den Norden
(Claude Wolf)

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Die heutige Postkarte führt uns durch das landschaftlich sehr schöne und reiche Zentrale Hochland bis in den von einer beeindruckenden Vulkanlandschaft geprägten Norden. Dementsprechend kommt der Gruss direkt aus den warmen Thermalquellen.

Sobald man die Hauptstadt San Jose hinter sich lässt, wird Costa Rica wieder seinem Namen gerecht. Und zwar auf viele unterschiedliche Arten. Die Strasse in den Nordwesten führt durch harmonische Landschaften, an Feldern und Obstplantagen vorbei, in denen die schmackhaften exotischen Früchte mit Liebe, Sorgfalt und landwirtschaftlichem Können grossgezogen werden. Costa Rica ist noch immer ein Agrarland, selbst wenn die Landwirtschaft nur mehr acht Prozent des Bruttosozialproduktes ausmacht. Es hat auch keine Bauern, die sich in mühseliger Kleinarbeit ernähren, sondern moderne landwirtschaftliche Betriebe, die genau wissen, wie Obst nach modernen Methoden angebaut und Milchkühe gehalten werden. Viele der grossen, internationalen Marken haben dementsprechend ihre mittelamerikanische Niederlassung in Costa Rica.

Unser erster Zwischenstopp gilt allerdings nicht der Landwirtschaft, sondern dem traditionellen Kunsthandwerk. Und zwar in der Stadt Sarchi, mitten in den Kaffeeplantagen, am Südhang eines Vulkans. Sie ist nämlich für ihre Möbel mit ihren typischen, floralen und geometrischen Muster bekannt. Eine Spezialität sind die Ochsenkarren, die einst auf den Farmen für den Transport der Kaffeebohnen benutzt wurden und zumindest in einer Fabrik immer noch hergestellt werden, wenn auch eher zu dekorativen als zu nützlichen Zwecken. Die Herstellung ist geschützt, das Kunsthandwerk gilt als nationales Kulturerbe.

Zarcero

Überraschend für den europäischen Besucher sind die bis zu 1,50 Meter grossen Räder, die keine Speichen haben. Das Rad besteht aus 15 geometrischen Holzplatten, die mit einem Metallband zusammengehalten werden und die Karren fortbewegen. Mitte des 19. Jahrhunderts begann man, diese anzumalen und mit Mustern zu versehen. Die Technik wird noch heute gepflegt, das Können vom Vater auf den Sohn weitergegeben.

Genauso überraschend wie die Ochsenkarren-Herstellung ist der Bergort Zarcero, auf 1.700 Metern inmitten von üppigen Weiden und bewaldeten Abhängen. Er ist einerseits für seinen Palmito genannten Käse bekannt, zieht andererseits die Touristen aber auch mit seinem Dorfplatz an. Hier ist der Gärtner, Don Evangelisto Blanco, 1960 auf die skurrile Idee gekommen, die Zypressen des Parks in fantasievolle Formen zu schneiden. Ob die Ochsen, Elefanten und Eichhörnchen oder die jugendstilartig geformte Allee schön sind oder ob sie das Ergebnis einer überbordenden Fantasie in einer üppigen Natur sind, sei dahingestellt. Eine Attraktion ist der Park allemal und der herrliche Bergort sowieso.

Unser Reiseziel, das Agrar- und Tourismuszentrum La Fortuna, begrüsst uns nicht nur mit jeder Menge Touristen, die vor allem aus den USA kommen, sondern vor allem mit den dampfend heissen Quellen, die aus dem Fuss des Vulkans Arenal kommen und die Stadt zu einem einzigen, riesigen Wellness-Bereich machen. Die Ruhepause ist durchaus willkommen, bevor wir morgen den immer noch aktiven Vulkan erkunden und mehr über die sehr aktive costarikanische Bodenbeschaffenheit erfahren werden.