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Goldsucher und «Rasta -Men»

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In der Wettbewerbsreihe Dokumentarfilm des Festivals geht es alljährlich in ferne Länder. Das liegt in der Natur des Genres und macht diese Reihe so interessant.

„Earth’s Golden Playground“ ist ein Film über den bis heute andauernden Goldrausch am Yukon River im Norden Kanadas und spielt an der Grenze zu Alaska in weißer Minus-35-Grad-Permafrost-Optik. Regisseur Andreas Horvath nahm dafür den mit 7.500 Euro dotierten Hauptpreis der Kategorie mit nach Österreich – eine umstrittene Juryentscheidung.

Den Zündstoff bot weder der Stoff noch die Umsetzung der Geschichte, darüber gibt es immer unterschiedliche Urteile. Für Diskussion sorgte vielmehr die Tatsache, dass mit Regisseur Andreas Horvath, Jahrgang 1968, wahrlich kein „Newcomer“ den Preis bekam. Horvath hat Fotografie studiert, mehrere Lehraufträge an Universitäten hinter sich und saß bereits in der Jury renommierter Filmfestivals. Clever nahm der Österreicher nicht nur das Herz in Empfang sondern auch eventuellen Bedenken den Wind aus den Segeln. Mit den Worten „Das ist wahrscheinlich meine letzte Chance auf einen Nachwuchspreis“ kommentierte er von der Bühne des „E-Werks“, wo die Preisverleihung am Samstag stattfand, die Auszeichnung.

Einzigartig

Die Geschichte ist einzigartig. 150 Jahre ist es her, dass der Goldrausch am Yukon River ausbrach. Nie wurde die Hauptader gefunden, die Suche danach hält bis heute an. Horvath porträtiert sowohl Einzelkämpfer, die mit Presslufthammer und Schippe den gefrorenen Boden durchwühlen, als auch solche, die mit schwerem Gerät und viel Geld dahinter das Gebiet großflächig abschürfen. Umweltbedenken gibt es, die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben siegt. Einzige Kritik: Schade, dass man nicht mehr über den kauzigen „Schatzsucher“ am Anfang des Films erfährt und die Landschaftsaufnahmen nicht sparsamer eingesetzt wurden.

Jamaika ist nicht ganz so abgelegen, im Sinne von „Wer will denn da ernsthaft hin?“. Die karibische Insel ist vielmehr eines der beliebtesten Touristenziele in der Karibik. 1,5 Millionen Menschen kommen jedes Jahr – aus Europa hauptsächlich Italiener und Deutsche.

Aus diesen Ländern stammen auch die Protagonisten des Films „Journey to Jah“. Der Sizilianer Alborosie und der Kölner Tillmann Otto alias „Gentleman“ sind zwei der bekanntesten europäischen Reggae-Musiker. Beide haben auf Jamaika eine neue Heimat gefunden, der eine ganz, der andere pendelt. Neben der Musik, die in dem Film keine Haupt-, aber eine große Rolle spielt, wirft die Dokumentation einen anderen Blick auf das Touristenidyll. In den Slums – fernab der ausgetretenen Pfade.

Wunderbar

Nebenbei gelingt den Machern des Films die Auseinandersetzung mit der Rastafari-Kultur, ohne die neutrale Position des Beobachters zu verlieren. Großartig sind die Szenen mit den Einwürfen von Jack Radics, der sich über die Bigotterie der „Rasta-Men“ echauffiert und deren vermeintliche Spiritualität auseinandernimmt. „No Matter“ bescherte dem jamaikanischen Sänger und Songschreiber zuletzt in Europa einen Riesenradiohit. Ein verdient gewonnener DEFA-Preis für diesen Film, der mit 4.000 Euro dotiert ist.

Zumindest eine lobende Erwähnung hätte auch der Film „Das erste Meer“ verdient. 60 Minuten lang erzählt er die Geschichte palästinensischer Kinder aus dem Westjordanland, die von israelischen Friedensaktivisten ans Meer eingeladen werden.

Wegen Mauer und Sicherheitschecks sind die 40 Kilometer fast unüberwindbar geworden. Aber eben nur „fast“, wenn beide Seiten es wollen. Auf wunderbare Weise zeigt der Film die Zerrissenheit der Region, in der die Menschen von allen Seiten „indoktriniert“ werden oder es längst sind – Palästinenser wie Israelis. Sehenswert und einen Verleih wert.