„Muster ohne Wert“ titelte das Tageblatt am 24. Januar, nachdem ein Vorprojekt des neuen nationalen Fußballstadions publik wurde, und könnte damit am Ende recht behalten. Lydie Polfer, Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg, gab nämlich am Dienstagabend bei RTL Télé Lëtzebuerg zu Protokoll, dass die Standortfrage noch nicht geklärt sei. FLF-Präsident Paul Philipp fühlt sich vor den Kopf gestoßen.
Im RTL-Interview sprach Polfer von einer Alternative, von einem Standort, der nicht der Stadt Luxemburg gehöre. „Ich habe keinen blassen Schimmer, um welches Grundstück es sich handeln soll. Dass plötzlich ein Plan B aus dem Hut gezaubert werden soll, daran glaube ich nicht“, sagte Paul Philipp am Mittwoch auf Nachfrage des Tageblatt.
Vor Wochen hatte Sportminister Romain Schneider ein Gespräch mit Lydie Polfer, in dem die städtische Bürgermeisterin um Bedenkzeit bat. „Die Stadt Luxemburg will einige Fragen, welche die Sicherheit, die technische Machbarkeit und das Verkehrsproblem betreffen, klären. Damals teilte Frau Polfer mir mit, dass parallel nach einer Alternative auf dem Gebiet der Hauptstadt gesucht werde. Solange der Zeit- und Kostenplan eingehalten wird, habe ich grundsätzlich kein Problem mit einem anderen Standort“, erklärte Schneider, der im gleichen Atemzug betonte, dass die Renovierung Priorität genieße.
„Kein Zeitvertreib“
Paul Philipp konnte es nicht fassen, als er mit den Aussagen von Polfer konfrontiert wurde: „Seit wir das Vorprojekt im letzten März vorgelegt haben, hat sich nichts auf Gemeindeebene bewegt. Das Stadion ist für uns keine Art Zeitvertreib. Frau Polfer sollte vielleicht auch einmal an die Leute denken, die freiwillig an diesem Projekt arbeiten und viel Zeit investieren. Immerhin hat Frau Polfer gesagt, dass die Stadt Luxemburg es gewohnt sei, ihre Verpflichtungen einzuhalten. Wenn das allerdings erst in 15 Jahren passiert, ist keinem dabei geholfen. Wir stehen unter enormem Zeitdruck.“
Dabei wähnte sich der FLF-Boss auf der sicheren Seite, als am 22. Januar der zehnte nationale Fünfjahresplan für Sportstätten im Parlament angenommen wurde. Wie gehabt übernimmt der Staat 70 Prozent der Gesamtkosten. Die Beteiligung der Stadt Luxemburg liegt bei 30 Prozent.
Un stade pourri … une affaire pourrie
Die städtische Sportschöffin Simone Beissel betonte, dass zurzeit noch keine spruchreife Alternative vorliege. Die Polizei und der kommunale Verkehrsdienst hätten den Schöffenrat darauf hingewiesen, dass es zu ernsthaften Problemen in puncto Verkehr kommen könnte. Vor allem dann, wenn im neuen Stade Josy Barthel Konzerte mit 15.000 Zuschauern stattfinden würden.
„Ob wir renovieren oder ein neues Stadion bauen, kommt finanz- und zeittechnisch gesehen auf das Gleiche heraus. In einigen Wochen werden wir unsere Entscheidung fällen. Es steht jedoch fest, dass wir unsere Versprechen halten und unseren Teil beitragen werden.“ Lydie Polfer war am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen, um ihre Aussagen zu erklären. Un stade pourri … une affaire pourrie.
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