Clooney, seit Jahren gern gesehener Gast hier in der deutschen Hauptstadt, erinnert mit seiner sechsten Regiearbeit an eine wenig bekannte Episode aus dem Zweiten Weltkrieg.
Bong Joon Ho: „Snowpiercer“
Die Geschichte des koreanischen Actionfilms „Snowpiercer“ von Bong Joon Ho bietet einen interessanten Blick hinter die Kulissen.
Der koreanische Regisseur, der für seinen Film recht große Namen verpflichten konnte, so unter anderem Chris Evans, Tilda Swinton, Jamie Bell und John Hurt war sicherlich erfreut, als vor über einem Jahr Harvey Weinstein die Rechte am Vertrieb des Films in Amerika verkaufte.
Doch im Nachhinein entpuppte dieser Deal sich als große Enttäuschung. Den Harvey Weinstein, dessen Spitzname Scissorhands lautet, wollte den Film so richtig zurechtschneiden, damit Zuschauer in Iowa und Oklahoma den Film verstehen könnten, mit anderen Worten, Harvey wollte die Actionszenen hervorheben und die Dialoge auf ein Minimum kürzen.
Die internationale Presse schrie auf und nach langem Hin und Her sollen die beiden Streithähne sich geeinigt haben. In Luxemburg wird der Film allerdings nicht in den Kinos zu sehen sein.
Bislang hat kein belgischer Verleiher den Film in seinen Katalog aufgenommen.
Beauftragt von Präsident Roosevelt und General Eisenhower sollen sieben Künstler, Kuratoren, Museumsdirektoren und Architekten bekannte wertvolle Statuen oder Gemälde in den geheimen Lagern der Nazis auffinden und den rechtmäßigen Eigentümern zurückerstatten. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, der Krieg wird in Kürze beendet sein, doch die Nazis hinterlassen auf ihrem Rückzug eine Spur der Verwüstung.
Kein wirklicher Kriegsfilm
Für Clooney ist „The Monuments Men“ kein wirklicher Kriegsfilm, sondern er fällt vielmehr in die Kategorie des Heist-Films, in dem es um die Planung und Durchführung eines spektakulären Raubes geht. Man kann Clooney in diesem Fall ein exzellentes Timing bescheinigen. Seit November 2013 beschäftigt der Fall Gurlitt die Presse. Noch weiß man nicht, ob alle 1.000 Bilder, darunter Werke von unter anderem Picasso, Beckmann, Matisse oder auch Chagall rechtmäßig in den Besitz von Gurlitts Vater gelangten oder ob dieser sie während des Zweiten Weltkriegs nach Enteignungen erwarb.
Für den Vorsitzenden des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder, sind diese Kunstwerke die letzten Gefangenen des Zweiten Weltkriegs. Es tut natürlich weh, wenn Hollywood hier so offen ein Problem zur Sprache bringt, das seit 1945 seiner definitiven Lösung harrt.
Auch wenn „The Monuments Men“ sich eine wichtige Thematik auf die Fahne geschrieben hat, so geht der Film doch ziemlich fahrlässig damit um. Dies schmälert nur bedingt das Vergnügen, Clooney und Co. auf der Leinwand zu sehen, doch bedauern kann man den Basisaufbau des Films.
Roter Faden Familie
Eine Szene reiht sich an die nächste, zumeist ohne wirklichen Übergang.
Es gelingt in „The Monuments Men“ nur in wenigen Momenten, an große Klassiker wie „The Great Escape“ oder „The Dirty Dozen“ anzuknüpfen und unterm Strich ist der Film gemessen an seiner wichtigen und durchaus aktuellen und zentralen Thematik eine Enttäuschung. Erwähnt sei, dass der Luxemburger Luc Feit in einer winzigen Nebenrolle als Aachener Priester zu sehen ist.
Einer der roten Fäden des diesjährigen Festivals ist die Familie. Sie steht im Mittelpunkt von Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“. Marie, 14-jährige und älteste Tochter einer streng katholischen Familie, steht am Scheidepunkt zwischen Kind und Erwachsen sein. Zuhause lebt man nach den Regeln der Priesterbruderschaft, welche die Moderne ablehnt und für sich in Anspruch nimmt, die wahre Tradition der 2.000-jährigen Kirche weiterzuführen. Sie wächst auf im Gedanken an permanenten Kampf gegen das Böse und die Opferbereitbereitschaft für den Glauben.
Am Konflikt zwischen den strikten religiösen und familiären Strukturen und dem modernen Schulalltag wird Maria zerbrechen. Ein ernstes Thema, das sich zudem in einer sehr unaufdringlichen visuellen Form offenbart.
Pro Kreuzwegstation gibt es eine feste Kameraeinstellung, Schwenks fehlen fast völlig. Für den Regisseur liegt hier auch künstlerisch ein Schatz begraben. Der unbestechliche Blick einer festen Kamera, ein Raum, den man stets als Ganzes sieht, ein Schauspielerensemble, das man choreografiert wie im Theater … Der Verzicht darauf, die Aufmerksamkeit des Zuschauers durch Auflösung und Schnitt bei der Hand zu nehmen, dem Publikum stattdessen gestatten, den Blick schweifen zu lassen und alles in seiner Gleichzeitigkeit wahrzunehmen.
Lebensverneinendes Element
Wichtig war für Brüggemann die zentrale Frage: Was passiert in einer Familie, in der ein strenger Gott angebetet wird, der sich selbst wichtiger nimmt als alles andere?
Religion ist mitnichten auf dem Rückzug, vor allem streng und straff organisierte fundamentale Glaubensvereinigungen können sich in den letzten Jahren über Zulauf nicht beschweren. Für die Drehbuchautoren ging es auch um das lebensverneinende Element; ein System, das keine andere Wahrheit gelten lässt, als die eigene, egal, ob es sich um Religion oder Weltanschauliches handelt, ist immer ein Stück weit lebensverneinend. Ein tragischer Film, der weit entfernt ist vom Unterhaltungskino, wie die meisten von uns es lieben. Allerdings auch ein wichtiger Film, der es durch seine spröde Art nicht leicht haben wird, sich an den Kinokassen durchzusetzen. Bei der Berlinale könnte da schon eher ein Preis abfallen.
Zu Demaart
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