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«Es war die richtige Entscheidung»

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SCHWIMMEN - Dass der Wechsel ins Ausland förderlich für die Leistung ist, davon kann u.a. die aktuelle FLNS-Präsidentin ein Lied singen. Letztes Beispiel aus dem Schwimmsport: Julie Meynen.

Während es die 16-Jährige auf die britische Insel verschlug, zog es Nancy Kemp-Arendt in ihrer aktiven Zeit ins Schwimmparadies USA, wo sie studierte und trainierte. Später folgten Schwimmer wie Tom Stoltz oder Marco Herr.

Einer, der richtig von seinem Transfer ins Ausland – in dem Fall nach England – profitieren konnte, war Laurent Carnol, der es an die europäische Spitze und zum Luxemburger Sportler des Jahres brachte.

Im Herbst zog es zwei weitere FLNS-Schwimmer in weite Gefilde. Raphaël Stacchiotti schlug seine Zelte in Marseille auf (siehe auch «T» vom Montag) und Julie Meynen zog es wie Carnol Richtung Insel.

Jüngste «Auswanderin»

Mit 16 Jahren ist Julie Meynen die jüngste «Auswanderin», die sich jemals für eine verbesserte Trainingsmöglichkeit entschieden hat. Ein Schritt, der nicht einfach war: «Es war anfangs keine leichte Situation, ich stand vor erheblichen Startschwierigkeiten. Es war alles so anders und neu, und daran musste ich mich erst gewöhnen. Das Training war ganz anders, ich hatte andere Fächer an der Schule und alles lief auf Englisch. Die Sprache war gewöhnungsbedürftig. Hinzu kam das Leben in einem Internat, weit fort von der Familie und dem gewohnten Umfeld. Auch an das englische Essen musste ich mich erst gewöhnen. Ich habe doch rund zwei Monate benötigt, um richtig in England anzukommen.»

Es war ein mutiger Schritt, der aus einer reifen Überlegung heraus entstand. Die SL-Schwimmerin hatte sich ausgerechnet, dass in Luxemburg ihr Abitur exakt ins Olympiajahr 2016 fallen würde. Entweder würde Schule oder Sport darunter leiden. In England hingegen steht das Abitur ein Jahr früher auf dem Programm – und somit ist die Olympiavorbereitung nicht in Gefahr.

Schlagkräftige Truppe

Dass sie mit dem Plymouth College einen Verein vorfand, der sie nach vorne bringen kann, war die zweite Überlegung, die Julie Meynen zu diesem Schritt bewegt hat. Der Klub im Südwesten Englands besticht durch seine schlagkräftige Truppe, der u.a. die Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Ruta Meilutyte angehört.

Und die Luxemburger Bronzemedaillen-Gewinnerin der Junioren-EM (100 m Kraul) ist jetzt in Plymouth mitten drin und nicht nur dabei: «Jetzt gefällt es mir hier sehr gut. Ich bin sehr zufrieden mit der Wahl, die ich getroffen habe. Wir haben eine sehr große Mannschaft mit vielen guten Schwimmern. Auch das ist ein großer Unterschied zu Luxemburg, wo der Konkurrenzkampf nicht so groß war. Es sind alle Alterssparten vertreten. Und ich wurde sehr gut aufgenommen. Der Respekt war auch sofort da, keiner hat mich belächelt, weil ich aus dem kleinen Luxemburg komme.» Julie Meynen ist auch nicht die einzige Neue im Team, so dass sie auch in dieser Hinsicht nicht alleine dastand.

«Ich zähle hier zu den Guten»

Und schließlich kennt man sich unter Schwimmern, von den vielen Wettkämpfen. Die Truppe ist international gut gemischt. Zudem konnte die Luxemburgerin schon vor ihrem Wechsel Tuchfühlung mit den Athleten aufnehmen, was die Entscheidung schlussendlich einfacher machte. Julie Meynen konnte sich schnell beim Plymouth College etablieren: «Ich zähle hier zu den Guten.»

Ihr Trainer Jon Rudd hat ihr großes Talent erkannt und baut sie behutsam auf. Rudd ist ein international renommierter Schwimmtrainer, der bereits seit 20 Jahren die Geschicke in Plymouth leitet und der schon viele Größen hervorgebracht hat, wie eben die litauische Olympiasiegerin. Zusammen mit Lindsay Dunn und fünf weiteren Assistenz-Trainern hat der Brite jetzt die junge SL-Schwimmerin unter die Fittiche genommen und mit ihr ein Trainingsprogramm ausgearbeitet.

Viele neue Freunde

Bei einer 16-Jährigen ist das Heimweh und die Sehnsucht nach Familie und Freunden immer ein Thema: «Ich habe anfangs darunter gelitten. Jetzt hat es sich eingependelt; in den Ferien komme ich nach Luxemburg, d.h. so alle sechs Wochen. Ab und zu kommt mich auch ein Elternteil nach England besuchen. Es ist nicht immer einfach, aber ich habe in Plymouth viele neue Freunde gefunden.» Eine «beste Freundin» hat sie nicht, dafür verstehen sich alle zu gut. Freuen auf ihre luxemburgischen Freunde tut sie sich dennoch und sehnt sich den Besuchen in Luxemburg entgegen.

Die Tage «dazwischen» gehen in England schnell vorbei: «Meine Tage sind gut gefüllt. Ich stehe morgens um halb fünf auf, denn wir treffen uns um 5.00 Uhr in der Schwimmhalle. Wir trainieren dann für drei Stunden, um 8.00 geht es in die Schule, wo wir auch frühstücken. Der Unterricht beginnt um 9.00 und dauert bis 15.30 Uhr.

Von der Klasse geht es dann gleich wieder zurück ins Becken. Das zweite Training dauert von 16.00 bis 18.30 Uhr. Nach dem Schwimmen geht es nach Hause, essen, lernen und ab ins Bett. Während der freien Stunden an der Schule ist auch noch Krafttraining und Turnen angesagt. Zeit für Langweile und Müßiggang gibt es also keine.»

Über Nanjing nach Rio

Julie Meynen rechnet ganz fest damit, dass all die Strapazen schon bald ihre Früchte tragen werden. Voraussichtlich wird sie auf einen Einsatz im Sommer bei der EM in Berlin verzichten, dies zugunsten der Olympischen Jugendspiele Mitte August in Nanjing (China): «Das ist eine einmalige Gelegenheit.»

Und spätestens in China will die selbstbewusste, ehrgeizige junge Dame der Welt zeigen, was sie in England gelernt hat: «Das sollte sich schon im Resultat bemerkbar machen.»

Und die «richtigen» Olympischen Spiele, die eigentliche Ursache für ihren Wechsel, rücken auch immer näher: «Die Vorbereitungen für Rio laufen schon an, es ist unser Hauptziel. Ich bin nicht die Einzige, die dahin will, auch nicht nur die Engländer, weil doch viele Nationen bei uns im Verein vertreten sind. Und Jon (ihr Trainer, d. Red.) will uns dahin bringen. Sein Programm läuft darauf hinaus.»