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Hochprozentiges unterm Hammer

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Es zählen doch vor allem die inneren Werte? Hier nicht. Europas vielleicht größte private Whiskysammlung fördert teils irrwitzige Flaschenformen zutage. Am Freitag wird sie versteigert.

Dampflokomotiven, ein blauer Daimler, alle möglichen Tiere, Telefone und sogar ein Porzellan-Elvis – für die Form von Whiskyflaschen und den gerne mal kitschigen Motiven darauf scheint es keine Grenzen zu geben. Eine besondere Sammlung samt Zubehör wird an diesem Freitag (14. Februar) in Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg) versteigert. Ausgangsgebot für das Los mit der Nummer 18268: 120 000 Euro.

Logo" class="infobox_img" />Flaschen in allen Formen und Farben. (dpa)

Auktionator Christoph Gärtner ist sich sicher, dies sei Europas größte, private Whiskysammlung. Zumindest habe bisher niemand protestiert. Leichte Zweifel hegt allerdings das Whisky-Museum im rheinland-pfälzischen Kirn.

2600 Sammlerstücke

Die 2600 Einzelstücke – darunter rund 1000 verschiedene Dekanter, Kristallkaraffen, Porzellan- und Keramikkrüge aus aller Welt – hat Hansi Peymann zusammengetragen. Der Norddeutsche (Jahrgang 1945) möchte sein Lebenswerk nach mehr als 30 Jahren Sammelei am liebsten komplett in gute Hände geben. Welches ist seine wertvollste Flasche? «Das hat mich nie interessiert – ich bin doch Sammler.»

98 Prozent der teils skurrilen Gefäße sind gefüllt und original wachsversiegelt, wie Auktionator Gärtner berichtet. Ein Whiskyhändler soll für den reinen Inhalt der Peymann-Sammlung mit literweise edlem Malt Whisky aus schottischen, irischen, deutschen, japanischen und amerikanischen Destillerien 88 000 Euro geboten haben. Die teuerste Einzelflasche ist mit 15 000 Euro gar kein Whisky, sondern ein Cognac aus dem Jahr 1957. Laut Gärtner haben die Flaschen im Schnitt einen Wert zwischen 300 und 3000 Euro.

Briefmarken im Wert von 250 000 Euro

Peymann ist ein Sammler durch und durch. Er hat dem Auktionshaus auch eine Briefmarkensammlung im Wert von rund 250 000 Euro zur Versteigerung angeboten. Beim Whisky stand er auf Flaschen mit geringer Auflage. Auf Sondereditionen.

Und so gluckert Whisky in einem Space Shuttle, in einem Bentley-Kühlergrill, in einem Spielautomaten, in einer gelben Corvette und in einem Computer samt Bildschirm, den die Republikaner in den USA in ihrem Wahlkampf 1984 verschenkten. Andere Sammlerstücke sind vergoldet, versilbert, aus Platin oder aus feinem Porzellan. Eine Flasche erinnert an die Hochzeit des britischen Thronfolgers Charles und Diana 1981, eine andere an die Geburt von Prinz William.

Leider nicht genug Platz

Auch Horst Kroll vom Whisky-Museum im Hunsrück spricht von einer «tollen» Sammlung mit «tollen Stücken», die da zum Aufruf kommen. An einzelnen Flaschen hätte er auch Interesse gehabt, nicht aber an der ganzen Sammlung. «Dafür fehlt auch uns der Platz.»

Kroll hat zudem leichte Zweifel, dass es sich tatsächlich um Europas größte Sammlung handelt. Er habe auch 4000 Flaschen im Keller, die aber permanent durchwechseln. Schließlich sei er eher der Genießer als der Sammler. «Wir trinken das Zeug ja auch.»