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LEICHTATHLETIK - Sie sind 15 und 17 Jahre alt und sorgen auf der Tartanbahnfür jede Menge Furore. Die Geschwister Elodie und Tiffany Tshilumba sind die großen Hoffnungsträger der nationalen Leichtathletik und ständig auf Rekordjagd.

Das Tageblatt hat die Tshilumbas in ihrem Zuhause in Steinbrücken besucht.

„Keiner glaubt uns, dass wir Geschwister sind“, sagt Sprinterin Tiffany Tshilumba und fügt lächelnd hinzu: „Manche glauben, dass ich adoptiert wurde“. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Hautfarbe der beiden Geschwister. „Die Natur hat es so gewollt, dass Tiffany dunkler ist als Elodie“, sagt Mutter Cathy, eine ehemalige belgische Leichtathletin und Schwester des ehemaligen Langstreckenläufers Gerdy Roose. Vater Raphael Tshilumba ist gebürtiger Kongolese, spielte in seiner Jugend Basketball und betrieb Karate. Er kam zum Studieren nach Brüssel und siedelte später nach Luxemburg über.

Schnell entdeckten die Eltern, dass ihre Töchter Talent und Freude am Sport versprühen. Von frühester Kindheit an wurde geturnt, zunächst in Düdelingen, später in Bettemburg. Irgendwann entdeckte Tiffany die Leichtathletik und riss Elodie mit. „Ich habe schon immer meiner Schwester nachgeeifert und wollte nie getrennt von ihr sein“, erklärt die 15-jährige Hochspringerin. Beide geben offen zu, dass lange Läufe nicht ihr Ding sind. „Wir sind zu faul, deshalb haben wir uns wohl für Disziplinen entschieden, die schnell vorbei sind“, sagen beide einstimmig.

Fragil

Neben der Faulheit war wohl auch ihr überdurchschnittliches Talent ausschlaggebend bei der Wahl. Tiffany bewies bereits früh, dass sie die Schnellste im Land ist. Die ältere der beiden Schwestern ist von der Körperstatur her kräftiger und kleiner und daher eigentlich der Prototyp einer Sprinterin. Nesthäkchen Elodie überragt trotz ihres zarten Alters Tiffany bereits um einige Zentimeter, als Hochspringerin sicherlich kein Nachteil.

Gemeinsam haben die beiden so einiges, unter anderem ein Defizit, das der Familie bereits einige Sorgen bereitete. Die Tshilumbas sind nämlich von Natur aus etwas fragil. Für Tiffany hatte dies fast tragische Folgen. Fast zwei Jahre lang plagte sich die Schülerin des „Sportlycée“ mit einem Beckenproblem herum. Eine Zeit lang saß sie sogar im Rollstuhl. Ein spezialisierter Chirurg aus der Schweiz wurde eingeflogen, um das Problem endgültig zu beheben. Die Operation gelang, und Tiffany konnte nach langer Zwangspause wieder ihr gewohntes Leben aufnehmen. Es war die schwerste Zeit in der noch jungen Karriere der Sprinterin. Hätte man eine Prothese einsetzen müssen, wäre es für immer vorbei gewesen mit dem Leistungssport. „Das war eine sehr harte Zeit. Ich hatte kein Sozialleben mehr, da ich mich wenig bewegen durfte und oft in der Reha war“, erklärt Tiffany.

Nicht ganz so dramatisch war die Situation bei Elodie. Letzten Sommer riss ihr ein Wirbel, und sie musste wochenlang ein Korsett tragen. Mittlerweile kann sie aber wieder schmerzfrei trainieren. Die Resultate folgten auf dem Fuß. In der aktuellen Wintersaison stellte Elodie den Hallen-Landesrekord im Hochsprung ein, als sie Anfang Februar 1,78 Meter überquerte. Tiffany brachte das gleiche Kunststück fertig, als sie kürzlich in 7.49 Sekunden einen neuen 60-Meter-Landesrekord aufstellte.

Noch viel Potenzial

Kurzfristig wollen beide die nationalen Freiluftrekorde knacken (siehe Kasten) und gute Leistungen bei der Junioren-WM (Tiffany) und den Youth Olympic Games (Elodie) bringen. Diese Ziele scheinen eigentlich nur eine Frage der Zeit zu sein, denn beide haben ihr Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.

Die 15-jährige Elodie trainiert nämlich nur fünf bis sieben Stunden pro Woche. Ihr Pensum soll aber schon bald erhöht werden. Betreut wird sie vom Schifflinger Urgestein Mett Kayser und von Sprung-Nationaltrainer Alain Hoffelt. Anders sieht die Situation bei Tiffany aus, die fast ihre gesamte Freizeit für die Leichtathletik opfert. Seit einem Jahr kombiniert sie im „Sportlycée“ Schule und Sprint. An fünf Trainingstagen trainiert sie insgesamt bis zu 14 Stunden, vorwiegend bei Sprint-Nationaltrainer Arnaud Starck.

Disziplin ist also gefragt, wovon Tiffany jede Menge besitzt. Beim Essen wird jede kleine Kalorie gezählt, nichts wird dem Zufall überlassen. „Sie ist ein Kalorien-Freak“, sagt Elodie über ihre Schwester. „Ich könnte mir eigentlich eine Scheibe davon abschneiden, aber wenn ich Pommes sehe, kann ich einfach nicht Nein sagen“, lacht Elodie.

Die 15-Jährige nimmt das Leben mit der lockeren afrikanischen Art. „Elodie ist verrückter und extrovertierter als Tiffany“, sagt die Mutter über ihr Nesthäkchen. Die Schülerin des Escher LHCE sieht ihre große Schwester seit jeher als Vorbild: „Obwohl sie die Beste ist, muntert sie ihre Konkurrentinnen auf und freut sich, wenn sie etwas erreichen“.

Freundlich und locker

Die Tshilumbas überzeugen auch außerhalb der Tartanbahn durch ihre freundliche und lockere Art. „Wir tanzen und feiern gerne“, sagen beide einstimmig und brechen in schallendes Gelächter aus. Vor jedem Wettbewerb wird im Auto die Musik voll aufgedreht, „um wach zu werden“. Einen speziellen Song zum Einheizen gibt es nicht, spezielle Marotten auch nicht.

Nur Nudeln sind fester Bestandteil eines jeden Wettkampftages. Davon wollen die talentierten Geschwister noch jede Menge verschlingen, um am Ende des Tages wieder auf dem obersten Treppchen stehen zu können. Der nächste Angriff auf die Bestleistungen ist noch nicht terminiert, die Geschwister sind noch auf der Suche nach einem geeigneten Meeting, um ihre Leistungen in diesem Winter noch einmal in die Höhe schrauben zu können.