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«Keine Kooperation gewollt»

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LUXEMBURG - Ein ehemaliger Mitarbeiter des Geheimdienstes sagte am Donnerstag aus, dass die Beziehung zwischen Gendarmerie und SREL schlecht war. Es gab keine Zusammenarbeit in der Bombenleger-Affäre.

Der ehemalige Geheimdienst-Agent und Terror-Experte Jean Weydert sagte am Donnerstag vor Gericht aus. Er gab an, dass man hierzulande über die Anschläge kaum Informationen hatte, außer jenen die aus den Zeitungen kamen. Anfragen aus dem Ausland gab es keine. Der damalige Geheimdienst-Chef Charles Hoffmann bat seine Mitarbeiter darum, sich nicht in die Ermittlungen einzumischen, da es sich allem Anschein nach nicht um politisch motivierte Attentate handelte.

Weydert ist sehr vorsichtig mit seinen Antworten. Er gibt oft an, nichts zu wissen oder sich nicht mehr zu erinnern. Zum Beispiel an eine Aussage, die über SREL-Ermittlungen in der Bombenleger-Affäre berichtete, kann der Ex-Agent sich nicht erinnern. Idem für die Geiben-Überwachung oder eine Lösegeldübergabe. Alles spielte sich auf Chef-Ebene ab, so Weydert.

Keine Kooperation erwünscht

Charles Weydert berichtet vor Gericht auch von Problemen mit Gendarmerie-Chef Harpes. Er soll nichts vom SREL gehalten haben. An den Arbeiten einer Arbeitsgruppe in der Leute von der Gendarmerie und der SREL vertreten waren nahmen die Geheimagenten ab dem zweiten Treffen nicht mehr teil. Die Gendarmerie-Offiziere seien «zu aggressiv» gewesen. Die Gendarmerie habe damals eigenhändig gehandelt, so der Zeuge.

Es gab keinen Informationsaustausch. Man habe den Eindruck gehabt, die Gendarmerie habe keine Zusammenarbeit mit anderen Dienststellen gewollt. Aber warum reagierte der SREL nicht, fragen die Richter und die Verteidigung. Weydert kann keine klare Antwort geben.

Geiben war der Hauptverdächtige

Ein anderer Geheimdienstagent, Jos Meier, war «Ermittler» unter anderem in der Gegenspionage und gegen Sekten. Im SREL wurden Informationen unter anderem über Observationen streng geheim behandelt, so der Zeuge. So erfuhr er erst später, dass Ben Geiben überwacht worden war. Für den SREL kam Ben Geiben als möglicher Täter in Frage. Sein Profil passte in die Anschläge. Er war verdächtig, da er die Gendarmerie plötzlich verließ. Aber Meier berstätigte auch die Aussage seines Vorgängers, dass der Geheimdienst in der Affäre nicht aktiv wurde.

Verwunderung bei Gericht. Meier: Ich war nur ein kleiner Beamter. Die Chefs fällten die Entscheidungen. Meier war oft im Ausland tätig. Auch die Aussagen dieses Zeugen sind eher vague. Auch er erinnert sich an viele Ereignisse nicht mehr genau.

Dokumente im Schredder

Ein weiterer Agent, Carlo Kremer, war von 1981 bis 2003 Archivar des Geheimdienstes. Er sagte, dass viele seiner damaligen Kollegen selbst archivierten, aber auch viele Dokumente direkt im Schredder landeten. Zugang zu Stay-Behind-Akten hatte der ehemalige Agent keine. Der Zeuge weiß jedoch von der Observation auf Ben Geiben. Er hat sogar den Observationsbericht darüber gelesen.

Kremer bestätigt, dass Pierre Reuland damals bei den Vorbereitungen zur Observation dabei war. Er weiß das von Armand Kaudé. Reuland hatte dies immer wieder dementiert. Geiben war laut Kremer der ideale Verdächtige, weil er sich mit Sprengstoff auskannte. Es habe auch Kollegen gegeben, die den Bombenleger finden wollten, so Kremer. Namen nannte er aber keine. Auch über einen SREL-Einsatz bei der Geldübergabe am Theaterplatz sind die Erinnerungen des Zeugen lückenhaft.

Und noch vage Aussagen

Paul Mehlen, ein weiterer ehemaliger Geheimdienst-Agent, kann sich auch nicht daran erinnern, dass die Gendarmerie bei den Ermittlungen um Hilfe bat. Gendarmerie-Direktor Harpes hatte angeblich dem Ex-Gendarmen bei seinem Wechsel in den Geheimdienst eingebläut, dass er zwar noch einen Polizeiausweis habe, aber keine Polizeigewalt mehr. Der Zeuge sagte auch aus, dass Observationen eine delikate Sache seien, besonders wennn man einen Profi beschatten musste.

Er kann sich auch an kein Schreiben von Armand Kaudé über Jos Steil erinnern. Auch über weitere Observationen kann der Zeuge keine Auskunft geben. Was die Lösegeldforderung betrifft, so sagte der Zeuge vor Gericht, dass es zahlreiche Therorien gegeben habe: SREL, Bommeleeër, Privatmann. Jemand vom Geheimdienst könne es nicht gewesen sein, da alle Agenten zu der Zeit «im Dienst» waren.

Die Offiziere bekommen abschließend ihre Zeugenaussagen vorgelesen. Dies passiert aber in einem anderen Saal. Laut Richterin Conter hat sich Ex-Polizeichef Bourg einen Anwalt besorgt. Conter betont jedoch, dass Bourg alleine seine Aussagen vorgelesen bekommt. Der Anwalt muss vor der Tür bleiben.