Donnerstag15. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

«Boyhood»: 12 Jahre für 160 Minuten

«Boyhood»: 12 Jahre für 160 Minuten

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Bei der Verkündigung des diesjährigen Wettbewerbsprogramms wiesen die Veranstalter auf den ganz offensichtlichen roten Faden der Berlinale 2014 hin: die Familie. Viele Filme streiften das Thema, doch keiner verinnerlichte es so wie Richard Linklater.

Bekannt ist der Regisseur vor allem durch seine Trilogie «Before Sunrise» (1995), „Before Sunset“ (2004) sowie «Before Midnight» (2013). In diesen drei Filmen begleitet der Zuschauer das Paar Ethan Hawke und Julie Delpy und erlebt, wie ihre Beziehung zueinander sich im Laufe der Jahre verändert. 2014 präsentiert Linklater «Boyhood» im offiziellen Wettbewerb. Seinen Ursprung hat das Projekt im Jahre 2002.

Logo" class="infobox_img" />Goldener Bär für Ken Loach

Die Berlinale feiert den britischen Filmemacher Ken Loach (77) mit dem Goldenen Bären für sein Lebenswerk. „Wir verehren ihn als einen Menschen, der in seinen Filmen oft humorvoll gesellschaftliche Missstände widerspiegelt“, erklärte Festivalchef Dieter Kosslick. Loach, der als Fürsprecher der Arbeiterklasse gilt, ist für Filme wie „Looking for Eric“, „Land and Freedom“ oder „Carla’s Song“ bekannt. Das Historiendrama „The Wind That Shakes the Barley“ gewann 2006 die Goldene Palme in Cannes. Die Berliner Filmfestspiele widmen ihm eine Hommage mit einer Auswahl seiner Werke. Zur Preisverleihung am Donnerstagabend im Berlinale-Palast wird die Tragikomödie „Raining Stones“ gezeigt.

Ab diesem Datum wurde gedreht, jedes Jahr für einige Tage mit immer den gleichen Darstellern. Im Schnitt wurden 15 Filmminuten pro Jahr produziert. Das Gesamtresultat liegt nun vor und wurde trotz einer Länge von 160 Minuten bereits in Sundance mit großer Begeisterung aufgenommen. «Boyhood» begleitet Mason Jr von seinen schulischen Anfängen bis zum Eintritt ins College. Masons Alltag ist geprägt von Hausaufgaben und den Streitereien mit seiner nervigen älteren Schwester. Weitere wichtige Figuren sind die alleinerziehende Mutter sowie der Vater, der sich erst spät auf seine Erzieherpflichten besinnt.

Anstatt auf Schminke oder computergenerierte Veränderungen zu vertrauen, setzt Linklater auf Zeit, auf Ausdauer. Über einen Zeitraum von 12 Jahren begleitet der Zuschauer die Protagonisten des Films und erhält so einen authentischen Blick in eine amerikanische Kindheit und Jugend. Linklater fügt mit jedem Zeitsegment neue Puzzlestücke zu seinem großen Bild hinzu. «Boyhood» ist aber auch wie ein Spiegel, den Linklater uns vorhält, und viele Zuschauer werden sich in Masons Erinnerungen wiederfinden. Ohne Zweifel einer der besten Filme des Festivals.

«La tercera orilla»

Südamerikanische Filme haben seit Jahren bei der Berlinale einen hohen Stellenwert und werden dementsprechend oft in den Wettbewerb eingeladen. Celina Murga, bereits 2012 in Berlin für ihren Dokumentarfilm Escuela Normal mit dem Caligari-Preis ausgezeichnet, präsentiert in diesem Jahr einen klassischen Fiktionsfilm: «La tercera orilla», zu übersetzen in etwa mit «das dritte Ufer», «die dritte Seite». Nicolás lebt in einer Kleinstadt in der argentinischen Provinz Entre Ríos. Sein Vater Jorge ist ein angesehener Arzt, der für sich in Anspruch nimmt, ein Doppelleben mit zwei Familien zu führen. Aus der Perspektive seines ältesten Sohnes Nicolás erleben wir ihn als einen Mann, der sich nicht «Papa» nennen lässt und der nach einem gemeinsam verbrachten Tag zurück zu seiner anderen Familie fährt, die er finanziell wesentlich besser ausgestattet hat. Von der Umwelt unbemerkt, erwacht in dem Jungen die Rebellion gegen das autoritäre Verhalten des Alten, gegen das offene Geheimnis, das jeder kennt und alle ignorieren.

Das Festival ist fast am Ende seiner 64. Ausgabe angelangt, Zeit, sich auf die Suche nach den Favoriten zu machen.