Donnerstag15. Januar 2026

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Dario Cologna: vom Krankenbett in den Olymp

Dario Cologna: vom Krankenbett in den Olymp

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Dario Cologna fläzte sich breit grinsend im weichen, roten Sessel der Leader-Box. Genüsslich verfolgte der Schweizer Skilanglauf-Held, wie Konkurrent um Konkurrent seine Bestzeit im olympischen Klassikrennen über 15 km meilenweit verfehlte.

„Jetzt kommt schon die zweite Goldmedaille, ich kann es kaum glauben“, sagte der 27-Jährige – und daheim standen die Eidgenossen kopf. „Cologna-Wahnsinn! Super-Dario holt schon wieder Gold! Was für ein verrückter Tag“, titelte die Online-Ausgabe des Boulevard-Blattes Blick in riesigen Lettern. Und die Aargauer Zeitung verkündete kurz nach dem Zieleinlauf: „Das olympische Märchen geht weiter.“

Ein Märchen ist es wahrlich, das Cologna in Sotschi mit dem Sieg im Skiathlon begonnen hatte und gestern mit seinem insgesamt dritten olympischen Gold fortschrieb. Im November war er beim Joggen in Davos auf einer Eisplatte ausgerutscht, hatte sich Innenband, Außenband und Syndesmose am rechten oberen Sprunggelenk gerissen. Das Aus für Olympia drohte, doch eine Woche vor Olympia kehrte Cologna in den Weltcup zurück – und deklassierte nun schon wieder die Konkurrenz: Die Schweden Johan Olsson (+28,5 Sekunden) und Daniel Richardsson (+38,8) lagen eine kleine Langlauf-Welt zurück.

Geschichte schreiben

Von einer wundersamen Genesung will Cologna aber nichts wissen: „Wunderheilung? Das gefällt mir nicht. Denn das täuscht darüber hinweg, wie hart ich für die Chance, in Sotschi überhaupt antreten zu können, gearbeitet habe“, sagte er. „Schon kurz nach der OP habe ich stundenlang Aquajogging gemacht und auf dem Hometrainer trainiert. Ich habe davon profitiert, dass ich mich im November, vor der Verletzung, in der besten Verfassung meines Lebens befand.“ Zweifel habe es „bis zum ersten Start“ gegeben, teilte Cologna nach dem Skiathlon-Gold mit. Noch kann er ohne Spezialschuh kaum auftreten, geschweige denn joggen: „Meine Verletzung braucht im Normalfall sechs Monate, um auszuheilen. Seit dem Bänderriss sind aber erst drei Monate vergangen. Als ich das am Anfang hörte, dachte ich: Was soll ich in Sotschi?“

Die eindeutige Antwort lautet: Geschichte schreiben! Mit drei Goldmedaillen ist der Modellathlet aus dem Münstertal nun schon der dritterfolgreichste Schweizer Sportler in der Geschichte Olympischer Winterspiele.

Am Schlusstag von Sotschi ist Cologna Topfavorit über 50 km und könnte durch einen weiteren Triumph an Alpin-Idol Vreni Schneider (3-1-1) vorbei- sowie mit Skispringer Simon Ammann (4-0-0) gleichziehen – und die Schweizer Nation gefühlsmäßig erneut auf links drehen.

Wolke sieben

Sportlich haben die Eidgenossen nämlich derzeit einen Stammplatz auf Wolke sieben: Kurz nach Cologna holte Sandro Viletta in Sotschi Gold in der alpinen Super-Kombination. Erst Ende Januar hatte Tennisstar Stanislas Wawrinka bei den Australian Open triumphiert, die Eishockey-Spieler sind Vizeweltmeister, die Fußballer bei der WM-Endrunde dabei.

„Schweizer Jubel ohne Ende!“, verkündete Blick. Und Cologna kann dafür sorgen, dass die Party in Rot-Weiß noch einige Tage weitergeht.

Der Manager von Dario Cologna heißt übrigens Marc Biver und wurde in Luxemburg geboren. Der Bruder des Uhrenmanagers Jean-Claude Biver galt als Förderer von Pirmin Zurbriggen und Tony Rominger. Außerdem war Biver 2007 während einiger Monate Manager des Radprofi-Teams Astana.