Donnerstag15. Januar 2026

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Auf der Suche nach der eigenen Identität

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Der überraschende polnische Film erzählt eine Familiengeschichte, die Rückkehr von zwei unterschiedlichen Frauen zu ihren Wurzeln.

Wer schnelle Handlungen, technische Spitzfindigkeiten, 3-D und andere filmische Gadgets liebt, der ist bei diesem Film fehl am Platz. Mit „Ida“ führt uns Pawel Pawlikowski zurück in die frühen 60er-Jahre und in die Welt des „Cinéma d’art et d’essai“. Er versetzt uns in das noch sehr arme Polen der Nachkriegszeit. Unterstrichen wird diese Tristesse dadurch, dass die Handlung im Winter spielt und vor allem durch den Rückgriff auf Schwarz-Weiß. Erst allmählich sieht und registriert der Zuschauer, dass es nicht das Remake eines alten Streifens ist, sondern dass ein moderner Umgang mit der Kamera und dem Filmschnitt dem Rückgriff auf die alte Machart zugrunde liegt.

Muss ich wissen, wer ich bin?

„Ida“ ist die Geschichte der Vollwaise Anna, die nach dem Tod ihrer Eltern im Kloster großgezogen wurde und sich auch kein anderes Leben vorstellen kann und wünscht als eine Existenz in der verschwiegenen Abgeschiedenheit, die sie kennt. Doch bevor sie ihr ewiges Gelübde ablegt, soll sie auf Wunsch der Mutter Oberin ihre einzig verbliebene Verwandte, ihre Tante Wanda, kennenlernen.

Der Kontrast könnte nicht größer sein. Dementsprechend ist das erste Zusammentreffen der engelhaft schönen, völlig weltfremden Anna mit der überbordenden Wanda, der zu viele Männer, ein übermäßiger Alkoholgenuss und zu viele Zigaretten, gekoppelt mit einem großen politischen und beruflichen Engagement, stark zugesetzt haben, natürlich zum Scheitern verurteilt.

Schrittweise gehen die beiden Frauen jedoch aufeinander zu. Sie versuchen immer wieder, sich zu verstehen und in die andere einzufügen. Zusammen machen sie sich dann auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Dabei erfährt die kleine Novizin dann, dass sie eigentlich als Ida Lebenstein geboren wurde und ihre jüdischen Eltern, die sich während des Krieges vor den Nazis im Wald versteckt hatten, von einem Dorfbewohner umgebracht wurden. Anna bekommt Zweifel an ihrer bis dahin unerschütterlichen Berufung.

Die beiden Hauptfiguren setzen sich jede auf ihre ganz spezielle Art mit dieser schmerzlichen Entdeckung auseinander, sie kommen sich durch diese Gemeinsamkeit jedoch auf eine andere Art näher.

Spektakuläres Kino hat der 56-jährige Pawlikowski, den die Filmwelt vor zehn Jahren mit „Summer in Love“ und 2011 mit „The Woman in the Fifth“ nach dem Roman von Douglas Kennedy kennenlernte, hier nicht gemacht. Es ist eher eine Rückkehr zu seinen Wurzeln (Pawlikowski ist in Großbritannien aufgewachsen, wo er heute noch lebt und arbeitet) und eine Auseinandersetzung mit sich selbst.

Internationale Anerkennung

Anerkennung hat der Filmemacher dafür schon reichlich bekommen: Die französische Presse ist voll des Lobes. In Le Monde bekam er drei, von den Fiches du cinéma, der Humanité und Télérama sogar vier Sterne.

Filmfestivals in London, Toronto, Warschau und Gdansk sowie das „New York Jewish Film Festival“ und das „Festival des films européens im französischen „Les Arcs“ haben den Film ebenfalls bemerkt und vielfach auch preisgekrönt. Achtung gab es natürlich für den Regisseur, aber auch für die beiden Hauptdarstellerinnen Agata Tyebuchowska (Anna) und Agata Kulesza (Wanda).

Kinoliebhaber sollten sich allerdings beeilen: Diese Art von Filmen bleibt nie sehr lange in den hiesigen Sälen.