Der Sitzungstag beginnt mit der Konfrontation zwischen Chefermittler Carlo Klein und dem Zeugen Eugène Kieffer. Dieser hatte am Montag gesagt, er sei bei den Vernehmungen von den Ermittlern unter Druck gesetzt worden. Unklarheit herrschte am Montag, ob Kieffer, wie er behauptet, dreimal vernommen wurde, oder nur zweimal, wie von den Ermittlern festgehalten.
«Einer von uns beiden lügt, ich nicht. Ich wurde dreimal vernommen», sagt Kieffer. Die Vernehmung soll kurz vor der Anklage von Scheer und Wilmes stattgefunden haben (2007). Er kann sich aber an kein genaues Datum erinnern. Kieffer: «Meine Aussagen wurden handschriftlich in einem Vernehmungsblock vermerkt. Ich habe mich über die Vernehmung aufgeregt.» Es ging um den Anschlag in Itzig. Pierre Reuland soll dort versucht haben, die Arbeit der Ermittler zu behindern. Staatsanwalt Georges Oswald: «Ich habe nichts zu Reuland in den Unterlagen gefunden. Reuland war nie in Itzig.» Richterin Sylvie Conter versteht nicht, warum Aussagen von Kieffer sich nicht in den Unterlagen befinden.
Ermittler Scheuer erklärt dem Gericht, wann der Zeuge Kieffer gehört wurde. Kieffer bleibt bei seiner Aussage, dass er dreimal gehört worden sei. Und dann tauchen die Name des ehemaligen und jetzigen Polizeigeneraldirektors Pierre Reuland und Romain Nettgen auf. Sie sollen am Tatort in Itzig gesehen worden sein. Beide sollen dazu gehört werden, entscheidet Richterin Conter.
Erste Gerüchte um den Prinzen bereits 1985
Nach diesem widersprüchlichen Beginn setzt das Gericht die Verhandlung mit der Spur Prinz Jean fort. Er soll von einem Zeugen an am Findel Stunden vor der Explosion a, 9. November 1985 gesehen worden sein. Der Augenzeuge Eugène Beffort ist in 2012 verstorben. Seine Aussage unterstrich er aber mehrmals, unter anderem in einem RTL-Video-Interview. Bommeleeër-Ermittler Weis resümiert Fakten und Gerüchte um den Prinzen. Erste Gerüchte über eine Beteiligung gab es bereits 1985. Es ging damals um «den Dicken», eine «hochstellte Person» im Land. Nach dem Thronverzicht (1986) von Prinz Jean verhärteten sich die Gerüchte in der Öffentlichkeit.
Laut Weis verdichteten sich auch bei der Gendarmerie damals die Gerüchte um den Prinzen. Damals wurden Colonel Harpes und Offizier Zovilé zum Hofmarschall zitiert. Alibis wurden für den Prinzen vorgelegt. Er soll bei den Anschlägen nicht im Land gewesen sein. Weis: «Was wir heute wissen ist, dass damals nie gegen den Prinzen ermittelt wurde. Prinz Jean erfuhr erst im Herbst 2005 durch seinen Bruder Großherzog Henri davon, dass er in den Ermittlungen auftauchte.» Dabei ging es um die Aussage von Eugène Beffort. Er will ihm am Findel gesehen haben. Me Gaston Vogel: «So ein Quatsch. Der wusste davon bereits seit 1985. Prinz Jean wurde damals vom Hofmarschall zum Anschlag am Schléiwenhaff (7. Mai 1985) befragt. Warum gibt er an, erst 2005 davon gehört zu haben?» Richterin Conter: «Wir werden den Prinzen dazu befragen.»
Der Name von Prinz Jean tauchte auch im Zusammenhang mit Erpresserbriefen in den 1970e Jahren. Eine Mittäterschaft hier konnte ihm jedoch nie nachgewiesen werden. Die Briefe seien damals von Jeans Bruder Prinz Guillaume verfasst worden, so Ermittler Weis auf Nachfrage von Vogel.
«Prinz Jean von Luxemburg»
Zeuge Beffort will den Prinzen am 9. November 1985 am Findel gesehen haben. Laut Beffort saß ein «Mann» in einem Wagen und zog sich gerade Schuhe an. Er teilte seine Beobachtungen der Gendarmerie mit. Kurz darauf bekam er Besuch von der Sûreté. Auf den Zeugen wurde Druck ausgeübt, den Namen nie in der Öffentlichkeit zu nennen. Das bestätigte Beffort auch in dem aufgezeichneten Interview. Es wurde dem Gericht in der Rohfassung vorgespielt.
Weis erklärt dem Gericht, was Beffort damals bei seiner Vernehmung zu den Erlebnissen am Findel aussagte. Er wiederholte, dass er Prinz Jean erkannt habe. «Er erzählte uns auch von den Drohungen durch die Sûreté. Seine Frau habe einen Nervenzusammenbruch erlitten.» Es gab auch Verfolgungen. Laut Weis gibt es aber Probleme mit den zeitlichen Angaben von Beffort. Auch seine Ehefrau sei befragt worden. Sie bestätigte den Besuch von Sûreté-Leuten und den Druck, der ausgeübt worden sei.
Wer hat Beffort bedroht? Laut einer Aktennotiz sollen zehn Leute in Frage kommen. Beffort wurde eine Fotogalerie gezeigt. Darunter sind auch Gesichter von Geheimdienstmitarbeitern. Richterin Conter nennt «Plan», Stay-Behind-Organisation im Geheimdienst, als mögliche Personen. Gaston Vogel: «Da haben wir noch viele Fragen zu.» Laut Richterin Conter werden «Plan»-Mitglieder vor Gericht zu ihrer «Arbeit» für den Geheimdienst aussagen.
Wacheliges Alibi
An jenem Tag, als Prinz Jean von Beffort am Tatort Findel gesehen wurde, soll er sich auf einer Jagd bei der französischen Familie Giscard d’Estaing in Frankreich befunden haben. Darüber gibt es eine schriftliche Bestätigtung durch Louis Giscard d’Estaing. Laut Gaston Vogel stimmt da was nicht. «Das Alibi klappt nicht.» Wo war Prinz Jean am 8. November? Und warum fuhr er am 9. November angeblich zu seiner Verlobten zurück nach Paris, obwohl sich seine Zukünftige in einem Brief darüber beschwerte, dass er am 10. noch immer nicht in Paris war, so der Rechtsanwalt. Vogel: Ich habe große Zweifel an dem Brief von Giscard d’Estaing. «Zwischen dem Jagdgebiet und Luxemburg sind es nur 500 Kilometer. Das schafft man mit einem Auto locker in vier Stunden. Wo war der Prinzi wirklich?»
Ermittler Weis zufolge gibt es nur das Schreiben von Louis Giscard d’Estaing als Alibi. Es sei in Frankreich selbst nicht überprüft worden.
Gaby Schockmel, Witwe von Eugène Beffort, bestätigt vor Gericht, dass Beffort den Prinzen gesehen haben will. «Er hat mir damals erzählt, dass er den Prinzen gesehen hat. Das werde er nie vergessen. Mein Mann wurde von Unbekannten in einem schwarzen Wagen verfolgt. Sie standen vor unsererer Haustür. Da wir ein kleines Kind hatten, ging mein Mann vor die Tür und schickte sie fort.» Schockmel zufolge begann die Beschattung von Beffort, nachdem er der Gendarmerie über seine Beobachtung informiert hatte. Brisant daran ist, dass zu diesem Zeitpunkt die Sprengsätze am Findel noch nicht detoniert waren.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können