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Ein Event mit Identität

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Das alljährliche kleine luxemburgische Filmfestival wirft seine Schatten voraus. Am Donnerstag (27.02.14) fällt der Startschuss der Veranstaltung.

Mit der Eröffnung einer Ausstellung im Ratskeller geben Kulturministerin Maggy Nagel und Bürgermeisterin Lydie Polfer gemeinsam mit der Präsidentin des Festivals, Colette Flesch, am Donnerstagabend (27.02.14) den Startschuss der Veranstaltung, bevor dann am Freitag mit „Her“ der erste Film ins Rennen geht.

Ausstellung

Am Donnerstagabend (27.02.14) geht es los. Mit der Eröffnung der Ausstellung im Ratskeller, die einem Videokünstler gewidmet ist. Jeff Desom kommt aus Remich und wurde zusammen mit Sophie Jung mit dem „Edward Steichen Award“ 2013 ausgezeichnet. Er ist demnach zurzeit im Mudam und im Ratskeller zu sehen.

Tageblatt: Frau Präsidentin, wie ist die Stimmung, bevor heute Abend der Startschuss fällt?

Colette Flesch: „Ich glaube, das ‚Discovery Zone Festival‘ hat in den letzten Jahren seinen Platz gefunden. Ein Plus ist zweifellos, dass es mit dem ‚Prix du Jury‘ jetzt auch einen Wettstreit gibt. Wir werden im Ausland durchaus stärker beachtet.“

Das Publikum kennt die großen Festivals. Die Berlinale ist gerade zu Ende gegangen, Cannes kommt im Mai. Am Sonntagabend werden die Oscars verteilt. Da hat ein kleines Event doch einige Mühe, anzukommen.

„Es gibt neben diesen großen Ereignissen unzählige kleine Festivals, die durchaus ihr Publikum haben. Ich hatte in meiner Zeit als EU-Beamtin die Bereiche Medien und Film unter meiner Verantwortung und bin in der Zeit auch nach Cannes gefahren. Aber wer sonst hat das Glück, bei solch einem Event dabei zu sein? Hier beim ‚Discovery Zone Film Festival‘ bietet sich gewissermaßen diese Gelegenheit, ein wenig Festival-Luft zu schnuppern und dabei Regisseure und Schauspieler kennenzulernen und anzusprechen.“

Es ist ja schade, dass Julie Gayet ihre Teilnahme abgesagt hat.

„Dem Vernehmen nach haben wir mit Kate O’Toole keinen schlechten Ersatz gefunden. Sie scheint eine sehr dynamische Frau zu sein, die genau weiß, was sie will.“

Sie haben vorhin ihre Anwesenheit in Cannes angesprochen. Hat das die Ausrichtung eines luxemburgischen Festivals vereinfacht? Hat das Sie an dieSpitze des Komitees gebracht?

„Ich wurde seinerzeit als Kulturschöffin mit dem Festival betraut. Als ich das Amt an Lydie Polfer weitergab, hat sie mich gebeten, weiterhin das Festival zu betreuen. Die Zeit in Cannes war dennoch nützlich, weil sie ein Netzwerk öffnete, um andere Organisatoren kennenzulernen und das Ereignis ausrichten zu können.“

Was nicht verhinderte, dass es einen mühseligen Start hatte …

„Die Idee, die Roga (Robert Garcia) 2007 hatte, war gut. Das ‚Directors Cut‘, wie es anfangs hieß, hatte jedoch eine falsche, zu stark pariserische Ausrichtung. Jetzt liegen wir richtig. Ein erster Beweis sind die Filmvorführungen, die schon ausgebucht sind. Die Eröffnungsfeier war mitten in den Fastnachtsferien, obwohl das halbe Land im Urlaub war, im Nu ausverkauft. Wir haben daraufhin einen zweiten Saal mit eingebunden. (Der mittlerweile ausgebucht ist A.d.R.).“

Wie funktioniert das Festival? Wer entscheidet, was gezeigt wird?

„Wir haben ein Komitee, das die Filme auswählt. Es sollen neue Filme sein, die nicht schon bei unzähligen anderen Gelegenheiten gezeigt wurden. Wir wollen keine populären Blockbuster, dafür anspruchsvolles Kino. Wir werden mit diesen Vorgaben als kleines, sehr lebendiges Festival angesehen. Das ist angesichts unserer bescheidenen Mittel ein Kompliment.“

Was ist darunter zu verstehen?

„Wir haben ein Budget von knapp 800.000 Euro. Eine halbe Million bekommen wir, wie bei der Gründung abgemacht, zu gleichen Teilen vom Kulturministerium und von der Stadt Luxemburg.

300.000 Euro sammeln wir bei unseren Sponsoren. Das allein ist schon sehr aufwändig. Geholfen hat uns die Unterstützung der Kinogruppe Utopia, die uns als Sponsor unter die Arme greift, indem sie uns die Säle unentgeltlich überlässt.“

800.000 Euro sind dennoch eine stattliche Summe. Wer bekommt so viel Geld?

„Wir müssen damit die Gehälter unserer Angestellten bezahlen. Das ist eine kleine Mannschaft von ganzjährig angestellten, die beim Festival verstärkt wird. Wir können jedoch zum Glück auf die tatkräftige Hilfe von Freiwilligen zählen, die aus Spaß an der Sache unentgeltlich mitmachen.“

Welches Honorar hätten Sie Juli Gayet zahlen müssen?

„Die Mitglieder der beiden Jurys (Kinofilme und Dokumentarfilme werden von unterschiedlichen Juroren bewertet) werden nicht entschädigt. Wir bezahlen natürlich die Reisekosten, sorgen für Unterbringung und Verpflegung unserer Gäste. Daneben müssen die Filme hergebracht und versichert werden, gegebenenfalls müssen Filmrechte bezahlt werden. Wir müssen Dokumentation drucken lassen, wir machen Werbung. Das Festival soll ja nicht nur in den Kinos stattfinden, sondern in der ganzen Stadt. Deshalb ist uns der Treffpunkt im Ratskeller im ‚Cercle Cité‘ so wichtig.“

In der Werbung kann auch der auf die Jugend ausgerichtete Teil des Festivals ein Input geben!

„Dieser Teil des Festivals ist nochmals eine Erfolgsstory. Wir haben eine sehr große Nachfrage, die jedes Jahr wächst. Wir sind mittlerweile schon an unsere räumlichen Grenzen gestoßen. Die ‚Erziehung zum Bild‘ hatte es bis dahin in Luxemburg noch gar nicht gegeben. Das Festival hat eine Lücke gefüllt. Hinzu kommt, dass die Schüler gut vorbereitet in die Vorführungen kommen, so dass interessante Diskussionen geführt werden. Die ‚Jury Jeunes‘ leistet in diesem Sinn gute Arbeit. Ich kann alle Filminteressierte in dem Sinn nur auffordern, mitzumachen.“