Als erster tritt Ermittler Weis in den Zeugenstand. Ein Zeuge (Ein Förster aus Schengen) hat sich bei ihm gemeldet. Es geht um die verdächtige blaue Suzuki-Jeep am Findel. Familie Schommer hatte den Wagen unweit des Findels gesehen. Der Zeuge gibt an, dass es sein Wagen damals war. Er war auch dort damals im Wald in einer sogenannten grünen Militärjacke unterwegs. Ermittler Weis schließt nicht aus, dass Familie Schommer den Förster dort gesehen hat. Entsprechende Fotos sollen bei der Aufklärung helfen.
Nur dieser kurzen Aussage ist Armand Schockweiler an der Reihe. Er hat diese Woche seine Zeugenaussagen durchgelesen. Er unterschreibt sie im Gerichtssaal. Gegen in wird derzeit wegen der Anschlagsserie ermittelt. Er steht im Verdacht, Beweismittel verschwinden gelassen zu haben.
Interessant sind die Äußerungen von Norbert Maes, einem Ex-Polizisten. Er schildert die Anschlagsserie aus der Sicht eines Gewerkschafters. Er sei erstaunt, wie die Medien über die Anschlagsserie geschrieben haben. «Mit den Anschlägen sollte kein Druck auf die Sicherheitskräfte ausgeübt werden, um besseres Material und mehr Personal zu bekommen», sagt er. Alles lief seinen «normalen» Weg, um die Sicherheitskräfte besser auszustatten. Das hatte aber nichts mit den Anschlägen zu tun.
Unterstützten die Anschläge die Forderungen nach Aufstockung bei der Gendarmerie?
Der damalige Ressortminister Marc Fischbach rief überraschenderweise ein Treffen mit den Gewerkschafter ein. «Der Minister wollte, dass wir alle Forderungen auf den Tisch legten. Wir waren zunächst darauf nicht vorbereitet», so Maes. Darauf sagt Richterin Sylvie Conter: «Also hatten die Anschläge doch einen Einfluss auf die Forderungen, dass aufgestockt wird.»
Maes versucht zu erklären, um was es damals ging: «Ich war damals Chef in Wiltz. Wir waren dort vier Leute. Wir hörten damals über Funk von einer Schießerei in der Stadt. Wir hatten aber nur zwei Schußwesten. Ich musste auswählen, wer die Westen trug und zur Unterstützung in die Stadt fuhr. Wir fuhren damals mit einem Renault R5 in die Stadt. Das ist aus heutiger Sicht mit einem Mini zu vergleichen. So sah es damals mit der Ausrüstung bei uns aus.»
Nach wenigen Monaten bekamen die Beamten neues Material. Maes: «Wir bekamen nach zwei Monaten alle Schutzwesten und Schutzhelme. Wir bekamen Revolver. Unsere Fahrzeuge (R5) wurden gegen Kugeln gesichert. Die konnte man mit einem Büchsenöffner knacken. Es wurde ein Psychologe eingeführt, etc.»
Kein großherzoglicher Scheck für St. Paul
Für ein kurze Aussage wird dann der frührere Generaldirektor von St.Paul, Paul Zimmer, in den Zeugenstand gerufen. Vor dem Gebäude des Luxemburger Worts war am 26. Juli 1985 ein Sprengsatz hochgegangen. Laut einem anonymen Zeugen, soll der Schaden durch einen Scheck mit der Unterschrift «Jean» beglichen worden sein. Das soll Zimmer erzählt haben. «Es gab nie eine solche Entschädigung. Das ist eine Erfindung», sagt Zimmer nun vor Gericht.
Das wars dann auch für den Ex-Generaldirektor. Er überlässt dem Ex-Armeeunteroffizier Gustav Moes das Feld. Er war 1985 Wachhabender im Depot Waldhof. «Dort stand plötzlich eine ‚Meute‘ von Polizisten vor dem Tor. Sie fuhren alle rein. Bekamen Befehle und fuhren wieder.» Damit ist Moesens Auftritt zu Ende.
Jetzt tritt Guy Greis in den Zeugenstand. Er hatte sich beim Geheimdienst gemeldet. Er war damals Soldat und Fahrer bei Colonel Bruck. Greis fühlte sich damals von Colonel Bruck «missbraucht». Es ging um Kontrollfahrten in Beidweiler und Itzig: «Ich wurde damals von Bruck persönlich für die Fahrten angefordert. Ich sollte herausfinden, wo man eine Jeep vor Ort verstecken kann. Ich verstehe bis heute nicht, warum das für eine militärische Übung sein sollte.»
Greis durfte seinem Vorgesetzen nicht sagen, wo er mit Bruck unterwegs war. Me Gaston Vogel: «Warum waren Sie nachts mit Colonel Bruck unterwegs und warum mussten Sie schweigen?»
Greis: «Ich musste Bruck von zu Hause abholen. Es handelte sich immer um ‚Aufklärungsfahrten‘. Warum das so war, weiß ich nicht. Wir fuhren immer auf Feldwegen und Seitenstraßen. Ein Ziel war es, wie man am schnellsten die Echternacherstraße erreichen könnte.» Bruck habe sich für eine spezielle Stelle in Beidweiler, keine 200 Meter entfernt vom Anschlagsort, interessiert. Dort gab es eine Stelle, die nicht einzusehen war.
Dann lässt eine Aussage von Greis das Gericht aufhorchen: «Ich wurde im April 2013 mehrmals telefonisch bedroht, keine Aussagen vor Gericht dazu zu machen. Ansonsten würde ich eine «Quittung» kriegen.»
Manöver mit US-Soldaten
Der nächste Zeuge, Alain Jaans, ist aktiver Soldat. Er berichtet von Manövern der Armee an, denen auch ausländische Soldaten, u.a. die Rangers der US-Armee, teilnahmen. «Die US-Soldaten haben sich in aller Anonymität durch das Land durchgeschlagen. Es handelte sich um sogennnte Rangers der US-Armee. Sie waren für uns der «enemy».»
Jaans ist überrascht, dass über die Übungen immer als sehr geheim gesprochen wurde. Richterin Conter fragt: «Aber das waren doch normale Nato-Übungen?» Anwältin Lydie Lorang fügt hinzu: «Es gab aber auch Übungen, die neben den Nato-Übungen liefen.»
Jaans: «Ich wusste bereits seit 1988, dass es «Stay Behind»-Übungen in Luxemburg gab. Ich erfuhr auf einem Lehrgang auf dem Herrenberg davon. Man erklärte uns, dass normale Bürger im Land eine spezielle Ausbildung hatten, falls der ‚Enemy‘ angreift.» Jaans spricht von geheimen Waffendepots und bewaffneten «Stay Behind»-Mitgliedern. Jaans will aber nicht den Namen des Lehrgangsleiters nennen. Der Mann soll jetzt schon weit in die 80 sein.
Er fand es sehr überraschend, dass es damals so eine Aufregung gab, als in Italien bekannt wurde, dass es solche geheime Organisationen gab, betont Jaans. «Ich wusste es und es war normal für mich.» Den Namen des Lehrgangsleiters will Jaans trotz Nachfrage von Me Lydie Lorang nicht rausrücken. Die Person sollte sich selber melden.
Fortsetzung des Prozess am kommenden Montag.
Zu Demaart
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