Von größtem Interesse für die Banker ist dabei, wie die Notenbank bei dem Fitnesscheck faule Kredite und bestimmte komplexe Derivate in den Bilanzen der Geldhäuser bewertet. Antworten auf diese und viele andere Fragen finden sich in einem mehrere hundert Seiten dicken Handbuch, das in den vergangenen Wochen von nationalen Aufsichtsbehörden und Beratern erstellt wurde. Damit daraus keine Details vorab bekanntwerden, hat die EZB für den Fall eines Lecks eine Strafe von 100.000 Euro angedroht. Jede Seite wurde mit einem Kennzeichen versehen, aus dem der Eigentümer des entsprechenden Exemplars persönlich hervorgeht.
Was die Behandlung fauler Kredite angeht, ist bislang nur bekannt, dass Kredite, die seit mehr als 90 Tagen nicht bedient wurden, als notleidend eingestuft werden sollen. Zusätzlich soll es nach Informationen mehrerer mit den Details vertrauter Personen weitere Auslöser geben, die aus einem Kredit einen faulen Kredit machen; etwa wenn erwiesen ist, dass eine kreditnehmende Firma in Schwierigkeiten steckt oder die Sicherheiten für den Kredit nachweislich an Wert verloren haben. Sicherheiten, die länger als ein Jahr nicht von den Banken bewertet wurden, sollen neu veranschlagt werden müssen. Bei der Einschätzung der Kredite wollen die Aufseher eigene Modelle anwenden und dadurch die internen mathematischen Modelle der Banken auf den Prüfstand stellen.
Je gefährdeter ein Kredit ist, umso mehr Eigenkapital muss eine Bank dafür vorhalten, um bei einen Ausfall des Kredits nicht selbst Probleme zu bekommen. Die EZB prüft derzeit die Bilanzen der Großbanken auf Herz und Nieren. Die Notenbank soll Anfang November die Aufsicht über die Institute übernehmen. Bis dahin steht neben dem Bilanz-Check noch ein Stresstest an, bei dem die Banken beweisen müssen, dass sie auch mit einem schweren Konjunktureinbruch zurechtkämen. Die Ergebnisse aller Tests sollen im Oktober publik gemacht werden.
Zu Demaart
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