Riesling, Rivaner, Auxerrois, Pinot Blanc und Elbling sind alles Weißweinsorten, die in Luxemburg schon lange an- und ausgebaut werden. Wein wird auch im Land geschätzt und verzehrt, wie der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr zeigt. Er liegt mit dem des großen Nachbarn Frankreich gleichauf.
Trotzdem wurde letztes Jahr zum ersten Mal in Luxemburg mehr ausländischer Weißwein getrunken als heimischer von der Mosel. Woran liegt es? Ist der Moselwein nicht schick genug? Oder ist auch Luxemburg keine Ausnahme von der Faustregel «der Prophet gilt im eigenen Land nichts»?
Nicht «schick» genug
Es ist beides, luxemburgische «Besonderheiten» kommen hinzu. Diese Begründung liefert der Direktor des «Institut vini-viticole» in Remich, Roby Ley. Offensichtlich ist es für viele Luxemburger in der Tat nicht schick genug, Gästen luxemburgischen Wein anzubieten und sie mit einem heimischen Produkt zu empfangen. Das gilt für offizielle Anlässe genauso wie für private. Der Weinexperte bezeichnet das als «Snobeffekt». «In manchen Kreisen schämt man sich, luxemburgischen Wein zu trinken», sagt er. Da hätte nach wie vor ein Chablis oder Bourgogne-Wein größere Chancen als ein Luxemburger darauf, ins Glas zu kommen.
Gleiches gelte für die großen Lieferbetriebe der heimischen Gastronomie, die Restaurants vom Wasser bis zum Brot mit allem beliefern, was das Tagesgeschäft so braucht – auch mit Wein. «Da ist oft kein luxemburgischer Wein im Angebot», sagt Ley, was erkläre, dass der dann auch auf der Getränkekarte fehle.
Kritik am Marketing
Eine zweite Ursache für die viel zu geringe Wertschätzung des heimischen Produkts im Land sieht Ley im Marketing. Trotz großer Investitionen sei der Markt nicht richtig erschlossen. «Es gibt Weinstuben hier, wo man Weinproben machen kann», sagt Ley, «das ist meiner Meinung nach noch zu wenig bekannt». Da müsse besser mit dem «Office national de tourisme» zusammengearbeitet werden. Neben den Touristen, die schon mit «Önotourismus-Angeboten» bedient werden, hat Ley die steigende ausländische Einwohnerzahl im Land im Auge. «Wir wachsen ja viel stärker an Einwohnern als unsere deutschen, französischen oder belgischen Nachbarn», kommt Ley auf eine der vielen luxemburgischen «Besonderheiten» zu sprechen. Aus beruflichen Gründen zugezogene Ausländer wissen in der Regel aber nicht, dass das Land über ein Weinbaugebiet verfügt.
Ley ist das ein Dorn im Auge und ein Grund für unterschwellige Kritik an der Arbeit der «Commission de promotion», die die Erzeugnisse der Kooperativen, der Privatwinzer und der Händler vermarkten soll. Seit der Gründung der «Commission» 2002 ist der Konsum luxemburgischen Weins immer weiter zurückgegangen. Die des Crémants ist zwar eine Success-Story, aber auch hier sieht Ley die Grenzen des Marktes erreicht. Ob das der Grund ist, warum man sich nun verstärkt dem Wein zuwendet, bleibt offen. Fakt ist aber auch, dass die Kooperativen im Land die «Commission» mit ihren Interessen dominieren und die Meinung erfolgreicher Winzer, die ausverkauft sind, nichts gilt. «Die werden weder gefragt noch gehört», sagt Ley, obwohl gerade sie wissen, wie es geht.
Hohe Produktionskosten
Eine weitere luxemburgische «Besonderheit» liegt im Preis des Weines und ist bekannt. Mit Toplagen in maschinell unzugänglichen Steillagen können luxemburgische Weine nicht auf Masse gehen, sondern, wenn überhaupt, nur auf Klasse. Und die hat ihren Preis und wird ihn wegen der hohen Produktionskosten auch immer haben.
Hinzu kommt eine Auffälligkeit im Exportgeschäft. Rund die Hälfte des luxemburgischen Weins wird ins Ausland verkauft. Davon wiederum gehen laut Weinbauinstitut 90 Prozent nach Belgien. Dort wird vor allem Rivaner getrunken, was eine Sorte ist, deren Anbau sich immer mehr zurückentwickelt. «Es ist sehr schwierig, in Belgien eine andere Sorte zu verkaufen», sagt Ley. Bleibt noch festzuhalten: Der Jahrgang 2013 ist ein guter – trotz schwieriger Wetterlage, nämlich einem kalten Frühjahr und einem verregneten Erntemonat Oktober.
Das wiegt umso mehr, als die Erntemenge mit rund 108.000 Hektolitern hinter der üblichen Jahresleistung von rund 120.000 Hektolitern zurückbleibt. Von dem Tropfen gibt es also weniger.
Zu Demaart
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