Am 22. Mai 2013 erklärte die Luxemburger Top-Triathletin Liz May ihren Rücktritt vom Hochleistungssport. Der zweifachen Olympiateilnehmerin und Vize-Europameisterin 2009 war bei der Pressekonferenz der Zwiespalt – aufhören oder nicht – deutlich anzumerken.
Aber die damals 29-Jährige stand vor dem Abschluss ihres fünfjährigen Jura-Studiums (Master), das die gebürtige Dänin in Kopenhagen absolvierte, und musste entscheiden, wie es in ihrem Leben weitergehen würde.
Arbeitslos
Ein Jahr später hat May ihre Entscheidung bis heute nicht bereut, „es war die Richtige“. Sie hat sich auch an das Leben ohne den Leistungssport gewöhnt, aber die erste Zeit war zusätzlich schwierig – die Luxemburgerin, damals noch in Kopenhagen wohnhaft, fand nämlich zunächst keinen Job: „Ich war also arbeitslos, nahm zwei Trainer-Jobs und eine Projekt-Koordinierung an. Ich hatte eine 50-60-Stunden-Woche und wurde über einen Fonds für Freiwilligenarbeit entschädigt. Ich habe anderweitig nach Arbeit gesucht, nix gefunden. Da war ich zeitweise ein bisschen durcheinander. Wo wollte ich hin? Der erste Gedanke war: Bleiben.
Es war keine schöne Zeit, aber trotzdem prägend, das mit der (Jugend)-Arbeitslosigkeit am eigenen Leib zu erfahren. In meinem Fachbereich findet in Dänemark jeder zweite Uni-Absolvent keinen Job! Ich nahm’s noch recht locker, hatte quasi den ‚Joker Luxemburg‘ in der Hinterhand. Schockierend war es allemal: Junge Leute, frisch von der Uni, haben es wirklich schwer.“
Der Zeitpunkt kam, da die frühere Triathletin den „Joker“ zog, seit Februar ist sie wieder in Luxemburg und arbeitet nun am Europäischen Gerichtshof als „juriste-linguiste“.
Privatsphäre
„Nebenberuflich“ wird May in Zukunft auch Kolumnen für das Tageblatt schreiben. Zu diesem Thema hat sie nämlich viel zu sagen – auch Dinge, die sie als noch aktive Sportlerin nicht unbedingt laut kundtun konnte.
Denn der Anti-Doping-Kampf funktioniert ihrer Meinung nach nicht perfekt, vor allem die Rechte der Sportler würden nicht immer gewahrt werden. Deshalb ist sie auch zum Beispiel froh, ihre Privatsphäre wieder integral zurück zu haben und keine gläserne Athletin mehr zu sein: „Es ist sooo schön!!“, lacht sie aus ganzem Herzen: „Manchmal, wenn ich um 21.00 Uhr nicht zu Hause bin, denke ich noch dran. Das war nämlich immer mein einstündiger obligatorischer ‚testing-slot‘ pro Tag, den ich angab. Nun ‚darf‘ ich auch zu der Uhrzeit machen was ich will, an jedem Tag im Jahr.“
Auch die Abgabe einer Doping-Probe ist etwas sehr Privates: Ein Kontrolleur muss dem Sportler beim Urinieren zusehen. Und das sehr genau, nach bestimmten Regeln. Für Liz May steht fest: „Der Ablauf einer Doping-Kontrolle ist eine riesige Verletzung der Rechte des Athleten. Ich fordere jeden auf, sich einmal so etwas zu unterziehen, mit einem Fremden auf engstem Raum zur Toilette zu gehen. Mein Eindruck ist es, dass viele Theoretiker und die, die die Regeln gemacht haben, eine Probenabgabe nie am eigenen Leib erlebt haben.“
Expertin
Die Juristin ist nicht nur als Ex-Sportlerin eine Expertin auf dem Gebiet, sondern auch beruflich: Für ihre Master-Arbeit ging sie der Frage nach, ob eine Doping-Sperre gegen einen Profi-Sportler einem Berufsverbot (laut dänischem Gesetz) gleich kommt. Ihre Antwort auf die Frage lautet ja. Unter anderem gäbe es für einen betroffenen Sportler auch zu wenig Rechtssicherheit – wie zum Beispiel das Recht auf einen Anwalt. Es gibt keine Unschuldsvermutung, die Beweislast ist umgekehrt: Der Sportler muss nachweisen, dass er unschuldig ist.
Liz May kommt denn auch für sich selbst zu Erkenntnis, dass der Anti-Doping-Kampf gegen Menschenrecht verstößt. „Auch der niederländische Jurist und Buchautor Janwillem Soek teilt diese Meinung“, so Liz May, die selbst eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „human rights for athletes“ unterhält.
Das ganze Interview mit Liz May und die Schilderung ihrer unangenehmsten Doping-Kontrolle lesen Sie in der Print-Ausgabe des Tageblatt vom 15. Mai, sowie als Epaper.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können