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Orange und Bouygues reden über Fusion

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Der französische Mobilfunkmarkt befindet sich in einer Neugestaltung. Orange und Bouygues reden über Fusion. Numericable tritt in exclusive Verhandlungen mit Virgin Mobile.

Die von der französischen Regierung gewünschte Konzentration im Mobilfunkbereich von vier auf drei Betreibern nimmt Formen an. Allerdings in anderer Weise als von den Politikern gedacht. Premierminister Manuel Valls zeigte sich am Morgen noch vorsichtig auf entsprechende Fragen „weil beide Unternehmen an der Börse notiert sind“.

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg störte das weniger. Er bestätigte am Freitagvormittag, dass die beiden Mobilfunkbetreiber Bouygues und Orange über eine Fusion reden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Unternehmen Numericable, das vom Medienkonzern Vivendi gegen den Widerstand der französischen Regierung den Mobilfunkbetreiber SFR übernimmt, nun auch den virtuellen Mobilfunkbetreiber Virgin Mobile für 325 Millionen Euro kauft. Der Kaufpreis wird zwischen Vivendi und Numericable geteilt. Vivendi übernimmt 200 Millionen Euro.

Der vierte Spieler

Die Situation in der französischen Mobilfunk Szene wurde kompliziert, als die französische Regierung eine vierte Mobilfunk-Lizenz ausschrieb. Xavier Niel – auch einer der drei Teilhaber am Verlagskonzern Le Monde – gewann mit seiner Marke Free diese Lizenz. Free wirbelt den Markt durcheinander mit Tiefpreisen und gewinnt so Kunden, alleine 600.000 seit Jahresbeginn.

Free zwingt die Mitbewerber wie Bouygues, wie SFR und Orange die Preise zu senken, um die Kunden zu behalten. Die Folge: Im französischen Mobilfunksektor brechen die Margen der Unternehmen zusammen. Die Unternehmen hatten gehofft, mit der Einführung des Standards 4G die Margen wieder rekonstituieren zu können. Aber auch hier spielte Xavier Niel nicht mit. Free ging bei 4 G erneut mit Tiefpreisen in den Markt.

Keine Preis-Stabilisierung

Wirtschaftsminister Montebourg hatte gehofft, durch eine Konzentration unter den Anbietern die Preise zu stabilisieren. Das gelang nicht, weil durch den Verkauf von SFR an Numericable nicht nur alle vier Konkurrenten im Markt blieben, sondern Numericable als Kabelanbieter mit dem Mobilfunkanbieter einen neuen starken Kommunikationskonzern gegründet hat.

Auf der Strecke zu bleiben drohte Bouygues. Das Unternehmen hatte ein starkes Lobbying bei der Regierung unternommen, um SFR übernehmen zu können und dafür sogar angeboten, sein Antennen-Netz an den Konkurrenten Free abzugeben. Warum das Unternehmen so stark an SFR interessiert war, zeigt sich an den Geschäftszahlen des ersten Vierteljahres. Bouygues verlor 49.000 Kunden wohingegen Free 71.000 gewann. Den Schaden begrenzte Bouygues durch einen Zugewinn an Kunden im Festnetz, weil der Baukonzern mit Telekom-Abteilung dort einen Festnetzanschluss, Internet und Fernsehen für 19,90 Euro pro Monat anbietet. Der Umsatz von Bouygues ging um 5,5 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück. Operationell machte der Mobilfunkbetreiber 19 Millionen Euro Verlust. Bouygues hat als Konsequenz einen Sparplan von 300 Millionen Euro bis 2016 angekündigt. Bis zu 2.000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. das Gesamtzprogramm soll im Juni offiziell vorgestellt werden.

Bouygues ist ehrgeizig

In der Neugestaltung der französischen Mobilfunk-Landschaft schaut sich Marktführer Orange nach Gelegenheiten um und hat Bouygues gefunden. Bekannt geworden ist, dass Bouygues bei einem Verkauf seiner Mobilfunksparte nicht mit Geld sondern mit Aktien von Orange bezahlt werden soll. Bouygues würde dann der zweitgrößte Aktionär hinter dem französischen Staat von Orange Frankreich werden.

Nicht ganz klar ist, wie sich die Kartellbehörden verhalten werden. Kauft Orange Bouygues, dann übernimmt der Marktführer den Drittplazierten. Das neue Unternehmen hätte 50 Prozent Marktanteil am Mobilfunkmarkt und 45 Prozent am Festnetzmarkt. Die Europäische Kommission als europäische Kartellbehörde wird sich die Übernahme jedenfalls anschauen, da zumindest Orange grenzüberschreitend tätig ist. Minister Montebourg, Befürworter der Übernahme und Dirigent der französischen Wirtschaft hätte – auch wenn Orange und Bouygues große Zugeständnisse an die Kartellbehörden machen müssen – sein Ziel erreicht und die Zahl der Telekomgesellschaften auf drei zurückgeführt. Den Verbraucher wird das weniger freuen, weil Konkurrenz aus dem Markt genommen wird.