«Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gouverneursrat bereits auf seiner nächsten geldpolitischen Sitzung im Juni handelt, ist dabei erheblich gestiegen», sagte das Luxemburger EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch laut Redemanuskript am Montag bei einer Konferenz in München. Angesichts des sehr gedampften Preisdrucks seien die Leitzinsen mit derzeit 0,25 Prozent «auf einem sehr niedrigen Niveau», sagte Mersch. «Und wir gehen davon aus, dass sie für langere Zeit auf diesem oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden», fügte er an.
Die EZB habe «Werkzeuge zur Hand», um mithilfe von Sondermaßnahmen oder «konventionellen geldpolitischen Instrumenten» die Risiken einer sehr niedrigen Inflation einzudämmen, sagte Mersch.
Teuerungsrate 0,7 Prozent
Zuletzt hatte die Teuerungsrate im Euro-Raum bei nur 0,7 Prozent gelegen. Ziel der EZB ist eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent. Bereits in der vergangenen Woche hatte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet mögliche Minuszinsen für Banken als Mittel gegen eine zu niedrige Inflation angekündigt.
Kreditinstitute müssten wohl bald Strafgebühren bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der EZB deponieren wollten, sagte Praet der «Zeit». Er bezeichnete solche negativen Einlagezinsen als «einen möglichen Teil einer Kombination von Maßnahmen».
Zu Demaart
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