Die Vereinten Nationen sehen erhebliche Mängel beim Umgang des Vatikans mit Verhütung, Aufklärung und Verfolgung von Kindesmissbrauch. Überführte Priester seien in andere Diözesen versetzt, Strafverfolgungsbehörden unzureichend informiert worden, heißt es im Bericht des UN-Ausschusses gegen Folter, der am Freitag in Genf vorgelegt wurde. Zugleich loben die Experten die von Papst Franziskus eingeleiteten Reformen im Kirchenrecht.
Umstritten ist die Frage, ob der Vatikan für Missbrauchsfälle nur im Vatikanstaat oder in der ganzen katholischen Kirche verantwortlich ist. Diese Frage ist entscheidend etwa für Entschädigungsforderungen. Der Vatikan wies in einer am Freitag in Genf verbreiteten Erklärung erneut die Verantwortung für mögliche Rechtsverstöße katholischer Würdenträger außerhalb des Vatikanstaats zurück.
Kritikpunkte
Die stellvertretende Ausschussvorsitzende Felice Gaer erklärte dagegen, der Vatikan sei zwar nicht für das Handeln jedes Gläubigen verantwortlich. «Aber die Fälle, die wir untersucht und kritisiert haben, scheinen zu belegen, dass der Heilige Stuhl weit über die Grenzen der Vatikanstadt hinaus Kontrolle ausübt.»
Der Vatikan will die Empfehlungen des Ausschusses berücksichtigen. Der Heilige Stuhl werde die von dem Ausschuss aufgeführten Punkte «ernsthaft in Betracht ziehen», verlautete in Rom. Demnach stehen dabei mehrere UN-Kritikpunkte im Zentrum: Eine ungenügende Einbeziehung der Ordnungskräfte bei Missbrauchsfällen, die häufige Versetzung von Priestern (nach Missbrauchsfällen) zwecks Umgehung von Vorschriften sowie die Entschädigung von Opfern, die angemessen sein müsse. Der UN-Bericht trage andererseits jedoch auch der zahlreichen Reformen Rechnung, die der Vatikan auf diesem Gebiet bereits eingeleitet habe.
Taten verfolgt
Der Vatikan ist seit 2002 Unterzeichner der UN-Konvention gegen Folter. Mit neunjähriger Verspätung hatte er Anfang Mai erstmals Bericht über die Umsetzung erstattet. Bereits im Januar war der Vatikan von einem weiteren UN-Gremium, dem Ausschuss für Kinderrechte, für seinen Umgang mit Missbrauchsfällen kritisiert worden.
Nach eigenen Angaben hat der Vatikan zwischen 2004 und 2013 fast 3500 Fälle von Missbrauchs-Vorwürfen verfolgt. Dabei wurden 848 Priester ihres Amtes enthoben und 2572 zu einem zurückgezogenen Leben gedrängt.
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