Alle Plätze im Gerichtssaal waren besetzt. Grund hierfür war sicherlich ein nicht alltäglicher Prozess. Dass Polizeibeamte sich auf der Anklagebank befinden, ist eher selten. Um was geht es? Zwischen Juli 2010 und Dezember 2012 soll es in einem Nachtklub in der rue d’Audun in Esch des öfteren zu Prostitution gekommen sein. Der Hauptangeklagte und zugleich Geschäftsführer des Lokals soll insgesamt 17 Frauen illegal eingestellt und sie zur Prostitution gezwungen haben. In sogenannten «séparés» soll es zum Sexualakt gekommen sein. Der Kunde habe zwischen 500 und 1.000 Euro für eine Flasche Champagner gezahlt und in diesem Preis inbegriffen war laut Anklageschrift auch der Geschlechtsverkehr.
Der 40-jährige Geschäftsführer soll zwischen 80 und 85 Prozent der Einnahmen in die Tasche gesteckt haben. Die restlichen 15 Prozent waren für die «Tänzerinnen». Dem 40-Jährigen wird ebenfalls zur Last gelegt, er hätte Mädchen aus dem Ausland nach Luxemburg gebracht, um sie hier für einen Hungerlohn einzustellen. Doch damit nicht genug: Auch soll der Angeklagte mit Drogen gehandelt haben und gegen das Waffengesetzt verstoßen haben. Auch Geldwäsche soll der Mann betrieben haben.
Komplizen in Uniform
Mitangeklagt sind drei Polizisten. Ein 31-Jähriger, ein 32- Jähriger und eine 29 Jahre alte Frau. Ihnen werden teilweise dieselben Straftaten vorgeworfen. Zudem sollen sie ständig in Kontakt mit dem Geschäftsführer gestanden haben und hätten ihm verraten, wann Polizeikontrollen in dem Lokal durchgeführt werden sollten. So konnte der Betreiber die illegalen Machenschaften rechtzeitig vor der Polizei verstecken. Zudem wird den Beamten Korruption zur Last gelegt. Sie sollen mehrmals ins Lokal gekommen sein und hier gratis Getränke erhalten haben. Auch sollen die Polizeibeamten im internen Polizeicomputer Daten abgegriffen und an den Betreiber des Nightclubs weitergereicht haben.
Alle Angeklagten sind größtenteils geständig. Nur mit kleinen Einzelheiten aus der Anklageschrift erklärten sie sich nicht einverstanden. „»Uns war der Ernst der Lage nicht genau bewusst», so die beschuldigten Polizisten.
Noch immer im Dienst
Zwei der drei Polizisten sind noch heute im Dienst, einer davon beim «service d’information» der Polizei. Der Dritte im Bunde wurde vom Dienst suspendiert, erhält allerdings noch sein monatliches Gehalt.
Nach einigem Hin und Her beantragte der Rechtsanwalt des 40-Jährigen Angeklagten, Me Henri Frank, das Aussetzen des Prozesses. Daraufhin bemerkte der Vorsitzende der Strafkammer, Marc Thill: «Wisou Me Frank? Hutt der scho keng Loscht méi?». Dem Verteidiger jedoch ging es darum, weitere Zeugen vor Gericht zu laden. Ihm sei erst kürzlich zugetragen worden, dass einige der Frauen, die im Nachtlokal arbeiteten, noch im Lande seien. Das Gericht sah jedoch keinen Grund, den Prozess auszusetzen. Der Verteidiger sei seit mehr als einem Jahr im Besitz der Prozess-Akte und habe lange genug Zeit gehabt, sich zu überlegen, welche Zeugen er laden will.
Frau sagte aus
In den Zeugenstand trat dann eine Frau, die vor einiger Zeit in dem Lokal gearbeitet hat. Sie sei ohne schriftlichen Vertrag vom Betreiber eingestellt worden. Ihre offizielle Bezeichnung lautete §consommatrice de champagne». Sie sollte die Männer dazu anregen, möglichst teuren Champagner zu bestellen. Die Frau bestätigte, dass es in den «séparés» im Untergeschoß und im ersten Stockwerk zum Sex kam. Sie selbst wollte ihren Körper aber nicht verkaufen. Das war ebenfalls der Grund für ihre Entlassung. «Der Betreiber setzte uns unter Druck. Entweder wir prostituierten uns oder wir wurden entlassen. Täglich erhielten wir einen Lohn zwischen 60 und 70 Euro, ohne das Trinkgeld der Kunden», so die Frau. Der Betreiber soll wie ein Tyrann gehandelt haben.
Ebenfalls hätte sie mitbekommen, dass er Kokain, versteckt in Kinderüberraschungseiern, an Kunden verkauft hat. Die Zeugin bestätigte auch unter Eid, dass des Öfteren Polizisten im Lokal waren, die aber keineswegs eine Kontrolle durchgeführt hätten: «Sie haben ein Wasser oder ein Bier getrunken, ohne zu zahlen und sind wieder verschwunden. Ich hatte den Eindruck sie kannten den Geschäftsführer sehr gut».
Der Prozess, für den ursprünglich drei Tage vorgesehen waren, wird am Donnerstag fortgesetzt. Der Präsident der Strafkammer ließ jedoch bereits am Mittwoch durchblicken, dass es mit Sicherheit nicht bei den drei Verhandlungstagen bleiben wird. Eventuell werden noch weitere Verhandlungen nach den Pfingstferien stattfinden müssen.
Zu Demaart
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