Donnerstag1. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

«Besser als amerikanische Antennen»

«Besser als amerikanische Antennen»

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Am Mittwochabend demonstrierten das britische Unternehmen Oxford Space Systems eine neuartige Weltraumtechnik, die in Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Unternehmen Luxspace entstanden ist.

Wer an Technik denkt, der denkt an deutsche Ingenieurskunst, an südkoreanische Handys, an japanische Kopierer oder an die vielen innovativen Start-ups des Silicon Valley.

Wenn es aber um Satellitentechnik geht, mischen Luxemburg und Großbritannien gehörig mit. Nicht zuletzt befinden sich mit der SES und Intelsat die beiden größten Satellitenbetreiber der Welt in Luxemburg. Was viele nicht wissen: mit dem Unternehmen Luxspace gibt es sogar ein Unternehmen, das Satelliten in Luxemburg fertig.

Mit ihrem neuesten gemeinsamen Projekt legen die Unternehmen Oxford Space Systems und Luxspace die Latte nun sehr hoch. Zusammen haben sie eine Antenne für Satelliten entwickelt, die in jeder Hinsicht besser sein soll als die US-amerikanischen Konkurrenzprodukte.

Leichter und billiger als die Konkurrenz

Bei der Erfindung handelt es sich um eine Large Deployable Antenna, zu Deutsch etwa «große ausfahrbare Antenne». Diese Art von Antenne bleibt solange im Satelliten, platzsparend verstaut, bis der Apparat im Weltraum ist. Danach wird sie auseinandergefalltet und kann ihren Dienst aufnehmen und Daten wie z.B. Internet oder Fernsehprogramme übertragen. Eine solche Antenne kann gut und gerne 12 Meter Durchmesser erreichen.

Am Mittwochabend stellten Oxfort Space Systems und Luxspace einen Prototypen ihrer Antenne mit einem Durchmesser von vier Metern auf Einladung der britischen Botschafterin in der Botschaft vor.

«Bislang gibt es weltweit nur zwei Unternehmen, die solche Antennen bauen. Beide befinden sich in den USA“, so Mike Lawton, Gründer und Managing Director von Oxford Space Systems. „Die ESA spricht von einer ‚kritischen Abhängigkeit‘ von den Amerikanern.»

Bei der Entwicklung starteten die Europäer bei null. „Innerhalb eines Jahres haben wir die Antenne von einem weißen Blatt ausgehend entwickelt“, so Lawton. «Die ESA hat nicht daran geglaubt, dass wir es schaffen würden, aber wir haben ihnen das Gegenteil bewiesen.»

Das Resultat: eine Antenne, die leichter und billiger ist als die US-Produkte. Außerdem kann die neue Antenne signifikant schneller ausgefahren werden als die Konkurrenzprodukte (sechs Minuten) und ist nach einem Zusammenklappen auch wieder schneller ausfahrbereit, wie Lawton erklärt.

Warum die USA keine derartige Antenne bauen können? Die USA bauten schon lange ausklappbare Antennen und hätten sie immer nur weiterentwickelt ohne das Konzept von Grund auf neu zu überdenken, räsoniert Lawton.

Kompaktes Paket

In zusammengeklapptem Zustand ist die europäische Antenne ein kompaktes Paket aus Gestänge und Folie. Wird der Ausklapp-Mechanismus aktiviert, machen sich drei winzige Motoren ans Werk und wirken derart auf das Gestänge, dass es sich zu einem großen Ring entfaltet, das die Folie zu einer Parabolschüssel auseinanderzieht.

«Bei Weltraumtechnik geht es darum, alles so leicht wie möglich zu machen», so Lawton. Auch seien die Ingenieure mit der Wahl ihrer Materialien sehr begrenzt. Plastik z.B. könne nicht genutzt werden, weil darin enthaltene Gase sich im Vakuum verflüchtigen. Der Prototyp besteht aus weltraumtauglichere Kohlenstofffaser, aus ebenfalls weltramtauglichem Aluminium und aus den drei Elektromotoren, von denen zwei ausfallen dürfen. Bislang wurden 150 Millionen Euro für das Gerät veranschlagt.

«Jam Proof»

Der teuere Teil der Entwicklung steht den Entwicklern allerdings noch ins Haus. Jetzt gilt es zu beweisen, dass der Ring aus dünnen Stangen nicht nur im Computermodell, sondern auch im Weltraum funktioniert. Dazu müssen teuere Anlagen in Anspruch genommen werden, in denen die Ingenieure ein Vakuum erzeugen und die Erfindung Strahlenbelastung aussetzen können. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn die Antenne im Weltraum nicht ausfährt, weil irgendwo ein Teil klemmt. Im Computermodell hat sie derartige Tests bereits mit Bravour bestanden. Lawton nennt seine Antenne «Jam Proof» als «klemmsicher». Mit seiner Antenne hofft Lawton, den Zuschlag für ein großes Projekt der ESA zu gewinnen. Das «Biomass»-Projekt soll durch die Laubschicht hindurch die Holzbestände der Welt vermessen. Die neue Antenne könnte ein Teil des Projektes werden – wenn sie überzeugt. Die Antenne ist jedoch nicht nur für den europäischen Markt bestimmt. Die Entwickler haben auch den US-Markt im Auge. Eine Antenne mit 12 Metern Durchmesser habe heute den Marktwert von 15 Millionen.

Die Zusammenarbeit mit Luxspace ergibt sich für Lawton aus der Natur des Projektes. Ein solch innovatives Gerät zu bauen, sei nicht möglich ohne eine genauso innovative Plattform. Mit anderen Worten: Wer Antennen für Satelliten baut, kann von einer Zusammenarbeit mit einem Satellitenhersteller nur profitieren.