Dienstag20. Januar 2026

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Kopf-an-Kopf-Rennen

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Nach den mit Spannung erwarteten Präsidentschaftswahlen in Indonesien zeichnet sich in der drittgrößten Demokratie der Welt ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen ab.

Nach der Schließung der Wahlurnen reklamierten am Mittwoch beide Kandidaten den Wahlsieg unter Berufung auf Umfragen für sich. Die Wahl zwischen dem Gouverneur der Hauptstadt Jakarta, Joko Widodo, und dem Ex-General Prabowo Subianto gilt als Richtungsentscheid für die junge Demokratie. Zunächst erklärte sich der von westlichen Staaten und Investoren als Reformer gepriesene Widodo zum Wahlsieger. Das Institut CSIS, das sich bei vergangenen Wahlen als zuverlässig erwiesen hatte, sprach Widodo 51,9 Prozent der Stimmen zu, seinem Rivalen Prabowo 48,1 Prozent – andere Institute lieferten ähnliche Zahlen.

Der zum Unternehmer gewandelte Ex-General weigerte sich jedoch eine Niederlage einzuräumen. Mit Verweis auf ihm nahestehende Institute sagte Prabowo, er und sein Kandidat für die Vize-Präsidentschaft, Hatta Rajasa, hätten «die Unterstützung und das Mandat vom Volk Indonesiens erhalten».

Sich wie ein Staatsmann verhalten

Das Lager von Widodo forderte Prabowo daraufhin auf, sich wie ein «Staatsmann» zu verhalten. «Alle seriösen Umfrageinstitute haben uns einen Sieg mit einem Mindestvorsprung von fünf Prozentpunkten zugesprochen», sagte Widodos Sprecher, Anies Baswedan.

Rund 190 Millionen Wahlberechtigte waren in dem gigantischen Staat mit seinen mehr als 17.000 Inseln aufgerufen, einen Nachfolger für Susilo Bambang Yudhoyono zu wählen. Dieser darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren. Das amtliche vorläuflige Endergebnis wird frühestens in zwei Wochen erwartet.

Keine Demos bitte

Yudhoyono rief am Mittwoch beide Lager auf, «Zurückhaltung» zu üben. Sie sollten keine Demonstrationen organisieren, in denen sie den Wahlsieg einfordern, bis das Ergebnis am 21. oder 22. Juli bekanntgegeben werde, erklärte der scheidende Staatschef. Während der Wahlen, die sich über drei Zeitzonen erstreckten, gab es offenbar keine Zwischenfälle.

Der 53-jährige Widodo wurde bei der Abgabe seiner Stimme in einem Wahlbüro nahe seines Amtsitzes in Jakarta von hunderten Journalisten empfangen. Eine enthusiastische Menge jubelte ihrem Kandidaten aus einem nahegelegenen Park zu. Widodo wird in Indonesien nur bei seinem Spitznamen Jokowi genannt und ist vor allem wegen seiner Bodenständigkeit beliebt. Die ungezwungenen Auftritte des ehemaligen Möbelexporteurs in den Slums von Jakarta trugen ebenso zu diesem Image bei wie seine weitgehend unbefleckte Weste in einem von Korruption zerfressenen Staat. Anders als sein Konkurrent hatte Widodo auch keinen Posten während der blutigen Herrschaft des Diktators Suhartos inne.

Prabowo bekennt sich dagegen in seinen oft nationalistischen Reden offen zu seiner Rolle unter Suharto, der Indonesien drei Jahrzehnte lang bis 1998 mit eiserner Faust regierte. Mit einer Tochter des ehemaligen Militärmachthabers war Prabowo lange verheiratet. Der 62-Jährige gestand zudem ein, im letzten Jahr der Regentschaft seines Schwiegervaters die Entführung von Oppositionellen angeordnet zu haben. Der inzwischen auf ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro taxierte Unternehmer hat seine Ansichten über die beste Machtausübung offenbar nicht grundlegend geändert: Prabowo kündigte im Wahlkampf an, den Vielvölkerstaat mit harter Hand zu führen.