Der Nachrichtensender LCI wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Es könnte sein letztes Lebensjahr sein. Der Grund: Die Regulierungsbehörde CSA weigert sich, den Bezahlsender LCI als offenen Sender zuzulassen. Die Muttergesellschaft TF1, privates französisches erstes Fernsehprogramm, droht damit, LCI zum Jahresende einzustellen. 247 Journalisten und Techniker des Bezahlsenders stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Dasselbe Schicksal droht dem Bezahlsender Paris Première. Er ist eine Tochtergesellschaft des Fernsehsenders M6, Tochtergesellschaft der RTL-Gruppe. M6 wollte den Sender ebenfalls aus dem Bezahlsystem herausnehmen und ihn als offenen Sender führen.
Zu wenig Zuschauer
Der Grund ist für beide Fernsehsender gleich: Die Zuschauerzahl entwickelt sich nicht, die Werbe-Einnahmen sind ob des geschlossenen Systems zu gering.
Der Antrag an die Regulierungsbehörde CSA hatte in Frankreich zu einem wochenlangen Streit geführt. Frankreich verfügt mittlerweile über die Nachrichtensender BFMTV und BFM Business, i-télé, France 24 und LCI. BFMTV ist in Luxemburg über das Fernseh-Netz der Post zu empfangen, LCI über das Kabelnetz von Eltrona/Siemens.
Der Nachrichtensender France 24 war von der französischen Regierung gegründet worden, um das Monopol von CNN und CNBC zu brechen. Eine Hoffnung, die sich allerdings nicht erfüllte. Fance 24 sendet in französisch, englisch und in arabisch.
Schwacher Werbemarkt
BFM und i-télé wandten sich scharf gegen die Wünsche von TF1 und M6. Der Werbemarkt sei so schwach, dass alle Sender unter der Veränderung bei LCI und Paris Première leiden würden, argumentierten sie, und fügten als vergiftete Pille hinzu, dass sie bereit seien, jeweils 33 Mitarbeiter von LCI zu übernehmen, wenn die Regulierungsbehörde den Antrag ablehnen und LCI dann schließen würde. Die Behörde folgte der Markt-Argumentation der Konkurrenten und lehnte die Anträge ab.
Die Entscheidung vor 20 Jahren, LCI als Nachrichtensender im Bezahlsystem zu etablieren, erweist sich heutzutage als fatale Fehleinschätzung der Entwicklung des Fernsehmarktes und der Fernseh-Technologie. Mit der Einführung des terrestrischen digitalen Fernsehens (TNT) hat sich die Zahl der Fernsehsender in Frankreich vervielfacht, die bis dahin von TF1, den öffentlich rechtlichen Anstalten France2 et France3 und der Bezahlsendergruppe Canal+ dominiert worden war. Mit der entstandenen Konkurrenz aus dem offenen Senderbereich, der ein gutes Dutzend neuer Sender brachte, gerieten sowohl LCI als auch Paris Première unter Druck.
Schließung als Drohung
Ob TF1 oder auch M6 ihre Fernsehtöchter wirklich schließen werden, steht bisher nur als Drohung im Raum. Ihre Verwirklichung scheint aber für LCI wahrscheinlicher als für Paris Première. Bei LCI laufen am Jahresende die Verträge mit den Betreibern der Kabelkanäle aus, die LCI unter anderem in Luxemburg im offenen Bereich zugänglich machen.
Die mögliche Schließung des Nachrichtensenders hat die Besitzer von Le Monde Pierre Bergé, Xavier Niel und Matthieu Pigasse auf den Plan gerufen. Die Investoren, die Le Monde vor dem Aus gerettet haben, wollen aus der französischen Traditionszeitung einen Medienkonzern schmieden. So wurde im Printbereich der Nouvel Observateur hinzu gekauft. Das Internet wird ausgebaut mit Abo-Angeboten. Dahinter aber steht das Model des Springer Konzerns in Deutschland. Neben Print und Internet bietet sich dem Trio „BNP“ mit LCI nun die Möglichkeit, in den Fernsehbereich einzusteigen, in dem Springer in Deutschland bereits vertreten ist.
TF1 lehnt ab – bis jetzt
TF1 lehnt einen Verkauf von LCI an Le Monde bisher strikt ab. Ein erster Kontakt zwischen den Vorstandsvorsitzenden von Le Monde, Louis Dreyfuß und TF1, Nonce Paolini, verlief ohne Erfolg. Er habe eine SMS erhalten und darauf geantwortet, hieß es seitens Paolinis. Bei TF1 hat man noch nicht verdaut, dass das Investorentrio sein Interesse über einen Artikel in der Tageszeitung Le Figaro bekannt gemacht habe und das vier Tage vor der Entscheidung der Regulierungsbehörde. Seitens TF1 heißt es weiter: „Wenn die Besitzer von Le Monde einen Nachrichtensender öffnen wollen, dann sollen sie das tun. Sie können dann ja Mitarbeiter von LCI übernehmen. LCI zu kaufen, macht keinen Sinn.“
Im Sommertheater rund um die französische Fernsehlandschaft werden nur die Positionen abgesteckt. Kündigungen bei LCI hat es noch nicht gegeben. Der Betriebsrat ist noch nicht einberufen worden. Von den Konkurrenten gibt es noch keine konkreten Job-Angebote und Gespräche mit den Kabelbetreibern hat es noch nicht gegeben. Aber jeder weiß, dass es zur „rentrée“, im September, in der französischen Fernsehlandschaft hart zur Sache gehen wird.
(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)
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