Laufen ist eine der Sportarten, die sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen. Laut CRP-Santé (Centre de recherche public de la santé) sind 13 Prozent der Luxemburger praktizierende Anhänger des Sports. Das sind rund 56.000. Davon lebt eine ganze Industrie, und das nicht schlecht. Allein Adidas, der weltweit größte Hersteller von Sportartikeln, setzte vergangenes Jahr 14,4 Milliarden Euro mit Sportbekleidung um. Diese Zahl gibt das Statistikportal Statista mit Sitz in Hamburg und New York an. Außerdem hat der Käufer die Qual der Wahl.
Die meisten Schuhe sind patentierte Entwicklungen mit Extras wie „motion control“ oder „shock damping“ und unterschiedlichen Schräglagen der Füße durch verstärkte Sohlen. Genau da setzt die wissenschaftliche Neugier der CRP-Forscher an. „Ist der Laufschuh überhaupt wichtig?“, heißt die erste zentrale Fragestellung, denn: „Es gibt einen Trend zurück zum Minimalismus“, sagt Daniel Theisen, Chef des dem CRP-Santé angegliederten „Laboratoire de recherche en médécine du sport“, das die Studie durchführt.
Hohes Verletzungsrisiko
Auftraggeber ist ein Hersteller von Sportschuhen aus der freien Wirtschaft. Die These ist, dass die Schräglage der Füße in den Schuhen den Laufstil beeinflusst und es einen Zusammenhang zum Unfallrisiko gibt. Das ist ziemlich hoch. Allein in Luxemburg verletzen sich 26.000 Jogger jährlich einmal. Das ist fast die Hälfte aller, die hierzulande Laufen als Freizeitbeschäftigung angeben. Viele hören deswegen auf.
„Das hat Auswirkungen auf die gesellschaftliche Gesundheit“, sagt Theisen, „wir wollen ja andererseits, dass sich die Leute bewegen“. 60 der Teilnehmer werden deshalb mit drei unterschiedlich gepolsterten Schuhen ausgestattet: eine 10 Millimeter dicke Sohle, eine 6 Millimeter dicke und eine, die gar nicht verstärkt ist. Damit müssen sie im Labor des Instituts laufen, werden verkabelt und das Ergebnis wird dokumentiert.
700 Teilnehmer gesucht
Das soll Aufschluss darüber liefern, inwieweit sich der Laufstil bei unterschiedlichen Sohlen verändert, ob überhaupt und welche Auswirkungen das auf die Verletzungsgefahr hat.
Die restlichen 640 Probanden werden nur im Hinblick auf die Verletzungsgefahr untersucht. „Wir wissen auch nicht, mit welcher Sohlendicke sie laufen“, sagt Theisen, „wir wollen nichts beeinflussen“. Die Läufer erhalten nur ein Paar Schuhe der drei Sorten, dessen Sohlendicke anonymisiert ist und die über die Anmeldung auf der Internetseite ihr Laufverhalten und andere Details über Monate dokumentieren.
Warum müssen es so viele sein? „Die große Zahl an Teilnehmern erlaubt es uns, auch kleinste Effekte wissenschaftlich zu überprüfen“, sagt Theisen und verweist auf eine Studie von Kollegen in Dänemark, die gerade 900 Läufer untersucht hat. Der wissenschaftliche Standard sei sehr hoch. Ende 2015 soll alles ausgewertet sein und die Ergebnisse der Studie vorliegen.
Zu Demaart
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