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Das Ende einer Amtszeit

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Am kommenden Freitag wird der Verwaltungsrat der französischen Großbank eine Personalentscheidung treffen. Präsident Baudoin Prot geht in den Ruhestand.

Der Bankier gehört zu den profiliertesten französischen Finanzmanagern. Er gehört zu der Generation, die die heutige Größe der Bank wesentlich gestaltet hat. Baudoin Prot ist auch typisch für die enge Beziehung zwischen Staat und Wirtschaft in Frankreich. Der 1951 geborene Prot absolvierte die Elitehochschule Ecole Nationale d´Administration (ENA) und ging von dort als „Inspecteur des Finances“ in das Finanzministerium. Die Finanzinspektoren im Ministerium stellen die Wirtschaftsprüfung der französischen Regierung dar. Prot wechselt später in das Industrieministerium und von dort in die Bank BNP, erlebt in der Privatwirtschaft die große Börsenauseinandersetzung, die zur Gründung der BNP Paribas führt. Chef der Bank wird er im Jahre 2003. Er leitet sie bis 2011 und wechselt dann in den Verwaltungsrat, dessen Vorsitz er übernimmt. Jetzt neigt sich seine Karriere dem Ende zu.

Die achtjährige Amtszeit an der Spitze des Tagesgeschäftes ist eine große Zeit für die Bank. Baudoin Prot macht aus der Pariser Bank BNP Paribas das europäische Bankinstitut mit Sitz in Paris, als das sich das Finanzinstitut heute darstellt. „BNPP“ übernimmt die italienische Banca del Lavoro und findet ihr erstes europäisches Standbein. Die wirkliche Auseinandersetzung aber führt Prot, als es darum geht, die BNPP nach Belgien und Luxemburg auszuweiten. Der Zusammenbruch der Fortis gibt ihm die Gelegenheit dazu. Allerdings muss er dazu die Streitfähigkeit der Belgier überwinden. Unzählige Hauptversammlungen, nicht wenige Gerichtsverfahren finden statt, um die Übernahme der Fortis-Reste in Belgien zu realisieren.

Die Kunden sind unruhig

Unruhe herrscht in dieser Zeit unter den Kunden der BGL, deren Aktienmehrheit bis auf kleine Reste luxemburgischer Aktionäre von der Fortis gehalten wird. Prot, der in seiner Jugend auch in Deutschland zur Schule gegangen ist, deutsche Literatur kennt und die Sprache nicht verlernt hat, baut schnell einen guten Draht zu dem damaligen Luxemburger Staatsminister Jean-Claude Juncker und Finanzminister Luc Frieden auf. Der Durchbruch der Gespräche gelingt bei einem Essen, bei dem der Weißwein aus Luxemburg kommt und der Rotwein aus Frankreich. BNP kauft die BNP, Luxemburg kauft eine Beteiligung, die Sicherheit ausstrahlen soll und kauft auch eine Beteiligung an der BNP. Der Staat nimmt dazu eine Milliarden-Anleihe auf. Am Ende stellt sich die BNPP als eine Bank mit vier Heimatländern dar: Frankreich, Italien, Belgien und Luxemburg. Baudoin Prot hat einen großen – vermutlich den größten unternehmerischen Erfolg seines Berufslebens – erzielt.

Der Erfolg bei der Fortis ist eine Folge der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008. Prot muss hier hinnehmen, dass Staatspräsident Nicolas Sarkozy seine eigene Vorstellung von der Überwindung der Krise hat. Er stattet die Großbanken Frankreichs mit zusätzlichem Eigenkapital in Form von Vorzugsaktien aus. Der ehemalige Staatsbeamte weiß, wie der französische Staat agiert. Das hilft ihm auch in seiner Amtszeit als Vorsitzender des französischen Bankenverbandes.

Manchmal eine Diva

Am kommenden Freitag wird der Verwaltungsrat den Nachfolger für Baudoin Prot benennen, der durchaus auch als Diva auftreten kann und nie einen Zweifel daran aufkommen lässt, wer der Chef im Hause ist. Andererseits weiß man in der BNPP, was man an ihm hat.

Ein Schatten fällt gleichwohl auf seinen glänzenden Lebenslauf als Staatsbeamter und Bankchef. Prot war der Chef des Hauses, als in Genf seltsame Geschäfte getätigt wurden. Die Bank finanzierte Rohstoffgeschäfte mit dem Sudan, mit dem Iran. Sie tat dies in Dollar. Sie verletzte damit US-Recht. Als Baudoin Prot davon erfuhr, unterband er diese Geschäfte sofort. Aber es war zu spät. Die Ermittlungen der US-Justiz und ein gefundener Vergleich führten zu einer Zahlung von 8,9 Milliarden US-Dollar (6,6 Milliarden Euro). Die Bank wird diese Zahlung durch den Gewinn des Jahres 2014 ausgleichen. Prot selbst hat darum gebeten, Ende des Jahres sein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsrates aufgeben zu dürfen. Er sei müde, heißt es. Er vermeidet damit aber auch eine Diskussion darüber, ob er als verantwortlicher Chef der Bank und damit auch als politische Verantwortlicher für die Umgehung amerikanischer Gesetze weiter haltbar ist. Baudoin Prot wahrt seinen Ruf als strategischer Entwickler seines Finanzinstitutes.

Kontinuität in der Chefetage

In der bisherigen Geschichte der BNP Paribas hat es seit der Privatisierung der BNP eine Kontinuität in der Chefetage gegeben. Der erste Chef Michel Pébereau hatte Prot bereits hinter sich. Als Pébereau in den Verwaltungsrat wechselt, übernimmt Baudoin Prot mit der Funktion des PDG die gesamte Machtfülle des Chefs der Bank. Die Übergabe an Jean-Laurent Bonnafé im Jahre 2011 zeigt eine Weiterentwicklung der Führung der Bank. Prot übernimmt die Präsidentschaft im Verwaltungsrat, Jean-Laurent Bonnafé als Generaldirektor das Tagesgeschäft. Die Persönlichkeit von Baudoin Prot hätte allerdings auch nicht zugelassen, dass Bonnafé „Président Directeur Général“ (PDG) geworden wäre, während er im Verwaltungsrat sitzt.

Der Findungsausschuss für den Nachfolger des Chefs Prot soll sich auf Jean Lemierre geeinigt haben. Der ehemalige Chef des Schatzamtes der französischen Regierung fungiert bereits als Berater des Vorstands der BNPP. Er führte zusammen mit Generaldirektor Jean Laurent Bonnafé die Verhandlungen mit den US-Behörden in New York. Die Idee, Bonnafé mit der Macht eines PDG auszustatten, soll hingegen vom Tisch sein. BNPP bleibt bei der Gewaltentrennung innerhalb des Unternehmens.

Der deutsche Markt

Die Kontinuität in der Entwicklung der Bank, wie Prot sie bei Pébereau und Bonnafé sie bei Prot erlebt hat, existiert für Jean-Laurent Bonnafé allerdings weiter. Er hat sich entschieden, dies auf diplomatische Art und Weise zu tun. Er entwickelt Deutschland, ruhig und unauffällig. BNPP ist in Deutschland Entwickler des Mittelstandes geworden, hat mit der Internet Bank Hello sein eigenes Profil geschaffen und ist in Deutschland – wie in Luxemburg – zum großen Wertpapier-Verwahrer aufgestiegen. Die europäische Bank mit Sitz in Paris, wie sie sich selber sieht, beschäftigt in Deutschland bereits mehr als 4.000 Mitarbeiter, so viele wie in Luxemburg.

Wenn am kommenden Freitag der Verwaltungsrat der BNP Paribas einen Nachfolger für Baudoin Prot bestellt, dann kann Prot mit Berfriedigung auf ein Lebenswerk zurückblicken, in dem er Kontinuität beim Wachstum seiner Bank und Kontinuität bei der Qualität des Personals hergestellt hat.