
Alain Delchambre gab am Montag seinen Rücktritt bekannt, nachdem er bei einer Ansprache wortwörtlich und ohne Quellenangabe Teile einer Rede Chiracs verwendet hatte. Die Affäre schade dem Ansehen der Universität, er trete daher «im Interesse der Institution» von seinem Amt zurück, schrieb Delchambre in einem Brief.
Delchambre hatte Mitte September in einer Rede zum Beginn des neuen Semesters Teile aus einer Ansprache Chiracs aus dem Jahr 2003 genutzt. Doch nicht nur Chiracs Satz «Der Künstler gibt dem Leben wie der Welt Reiz, Sinn und Schönheit» kam in der Rede vor. Es finden sich auch Auszüge von Erklärungen der derzeitigen französischen Gesundheitsministerin Marisol Touraine und der früheren französischen Kulturministerin Aurélie Filippetti, ohne dass explizit auf deren Urheberschaft hingewiesen wird.
«Verblüfft»
Belgische Medien berichteten am Donnerstag erstmals von der Plagiatsaffäre. Ein Universitätssprecher sagte daraufhin, Delchambre habe die Rede nicht selbst geschrieben, sondern von einem Mitarbeiter vorbereiten lassen. Er habe «keinerlei Kenntnisse davon gehabt, dass dieser Text von anderen Personen inspiriert war». Delchambre zeigte sich «verblüfft» über den Vorfall, entschuldigte sich und entließ seinen Mitarbeiter.
Sollte der Rektor gehofft haben, damit sei der Vorfall aus der Welt, täuschte er sich. Die Kritik an ihm hielt an – unter anderem, weil die Freie Universität Brüssel bekannt dafür ist, bei Plagiaten ihrer Studenten hart durchzugreifen. Außerdem wurde bekannt, dass es auch in anderen Reden des Rektors Plagiate gegeben hatte.
In seinem Rücktrittsbrief beteuerte Delchambre am Montag, nicht gewusst zu haben, dass für seine Reden abgeschrieben wurde. Er übernehme aber «die volle Verantwortung». Die im Jahr 1834 gegründete Freie Universität Brüssel ist eine der angesehensten Hochschulen Belgiens. Sie hat rund 25.000 Studenten und 3000 Mitarbeiter.
Zu Demaart
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